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Folgen der Zivilisation bedrohen Fledermäuse

Windräder und Insektensterben  

Fledermäuse durch den Menschen im Fortbestand bedroht

21.08.2018, 09:25 Uhr | Jeanette Bederke, dpa

Folgen der Zivilisation bedrohen Fledermäuse. Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) (Quelle: imago images/blickwinkel)

Zwergfledermaus: Die Pipistrellus pipistrellus ist in Deutschland am meisten verbreitet. (Quelle: blickwinkel/imago images)

Intensive Landwirtschaft, Insektensterben und Lichtverschmutzung – diese und andere Folgen der Zivilisation gefährden Fledermäuse in ihrem Bestand, erklärt der Naturschutzbund Deutschland e.V.  (NABU) und das Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung. Ein Aussterben des geflügelten Säugetiers hätte schwere Folgen für Mensch und Natur. 

In mehr als 30 Ländern organisieren Naturschutzverbände Veranstaltungen zur Europäischen Fledermausnacht am 25. August, um auf die nützlichen Hautflügler hinzuweisen. Auch Deutschland beteiligt sich, sind Fledermäuse doch nach wie vor in ihrem Bestand bedroht. Die flatterhaften Insektenfresser sind laut europäischem Artenschutzabkommen streng geschützt.

Die Unterzeichner des Abkommens hätten sich verpflichtet, die Lebensräume der Fledermäuse zu erhalten. Stattdessen würden alte hohle Bäume gefällt, Eiskeller oder auch Dachgeschosse umgebaut und die nachtaktiven Hautflügler damit verdrängt, sagt Ursula Grützmacher, Leiterin des Internationalen Fledermausmuseums Julianenhof in Brandenburg. Auch die etwa 30.000 Windräder deutschlandweit trügen zur Gefährdung des Fledermausbestands bei, ergänzt Wissenschaftler Christian Voigt vom Leibniz-Institutes für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. 

Tausende Tiere fallen der Industrie zum Opfer

Flatterhafte Fledermäuse flächendeckend zu erfassen, sei äußerst schwierig, sagt Grützmacher. Weil sie so klein sind, sei es schwierig, sie mit GPS-Sendern auszustatten. Zudem gebe es inzwischen zu wenige ehrenamtliche Artenschützer, die Tiere beobachten, bestimmen oder gar beringen. Schwierigkeiten bei der Bestandsaufnahme bestätigt auch Norbert Barthel, der seit Jahrzehnten eines der bedeutendsten Winterquartiere für die größte in Deutschland vorkommende Fledermausart, das große Mausohr, in Frankfurt (Oder) betreut. Alljährlich Ende Januar macht er mit weiteren Naturschützern eine tierische Inventur in dem unterirdischen Labyrinth und zählt die dort kopfüber schlafenden Tiere. "Wir wissen zwar, wie viele hier überwintern. Doch die Tiere leben in der wärmeren Jahreszeit nicht unbedingt in der Gegend."

Auch Barthel sieht keine allzu positive Entwicklung der Fledermauspopulationen. "Die nach wie vor intensive Land- und Forstnutzung, der Einsatz von Chemie, die in Gewässer gelangt, der starke Verkehr – ob auf der Autobahn oder auch auf der Schiene – sind Gefahren, denen tausende Tiere zum Opfer fallen", sagt er. Positive Schutzmaßnahmen wie die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die Renaturierung von einst trocken gelegten Gewässern, die Ausweisung weiterer Naturschutzgebiete oder die Schaffung neuer Winterquartiere hätten lediglich dazu geführt, dass der Bestand sich etwas stabilisiert habe. "Deswegen müssen Fledermäuse weiter streng geschützt werden." Das sieht auch Christian Voigt: "Ein Bestandsmonitoring ist schwierig, Entwarnung kann aber längst nicht gegeben werden."

Gefährdung durch Lichtverschmutzung und Windkraftanlagen

Neben der intensiven Land- und Forstwirtschaft und dem Insektensterben, dass sich massiv auswirken werde, sieht er Windräder und die zunehmende Lichtverschmutzung als Hauptgefahren für Fledermäuse. "Deutschlandweit gibt es rund 30.000 Windkraftanlagen. Die Hälfte davon wurden vor 2008 errichtet und darf ohne Schutz-Auflagen betrieben werden", macht der Wissenschaftler deutlich. Zudem würden viele Fledermausarten durch die immer heller werden menschlichen Siedlungen sowie angestrahlte Gebäude vertrieben. "Langfristig werden Arten wie das Graue oder das Braune Langohr, die beispielsweise auf Dachböden wohnen, ganz verschwinden", prognostiziert er. Das sei jedoch kein speziell deutsches, sondern ein europäisches Problem.

Verwendete Quellen:
  • dpa


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