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Hicoq-Siedlungen in Bonn: Neuer Verwalter will "desaströse Zustände" beenden

Leerstand und lange Sanierung  

Verwalter will "desaströse Zustände" in Hicog-Siedlungen beenden

Klaas Tigchelaar

06.04.2021, 12:35 Uhr
Hicoq-Siedlungen in Bonn: Neuer Verwalter will "desaströse Zustände" beenden. Die Hicoq-Siedlung in Bonn-Tannenbusch: Die Gebäude werden seit 2013 saniert. (Quelle: Klaas Tigchelaar)

Die Hicoq-Siedlung in Bonn-Tannenbusch: Die Gebäude werden seit 2013 saniert. (Quelle: Klaas Tigchelaar)

Seit mehr als sieben Jahren werden die Hicog-Siedlungen in Bonn nach und nach saniert. Aktuell stehen etwa 177 Wohnungen leer. Für die Mieter ist der Stillstand in der Siedlung schon lange ein Ärgernis.

Mit einem neuen Gesamtkonzept, eigenem Serviceteam und einem neuen Baumanager sollen die Probleme bei der Sanierung und der Kommunikation zwischen Mietern und Verwaltung der Hicog-Siedlungen in Bonn bald der Vergangenheit angehören. Denn Anfang April endet der Vertrag zwischen der BImA und der BauGrund Immobilien-Management GmbH, die bislang für die Verwaltung der rund 400 Tannenbuscher und 400 Muffendorfer Wohnungen sowie für die technische Umsetzung der Sanierungen in den denkmalgeschützten Hicog-Siedlungen verantwortlich war.

"Die größte Hürde dürfte die Kommunikation mit uns Mietern sein", erklärt Achim Könen, Vorsitzender der Anwohnervereins die "Dünenfüchse" in Tannenbusch. "Dies war in der Vergangenheit schon immer das Kernproblem, und nur in einem direkten persönlichen Kontakt zwischen den Eigentümern und Mietern wird sich eine Zufriedenheit ergeben können."

Erste Fertigstellung Ende 2022

Derzeit stehen in Tannenbusch laut BImA rund 100 Wohnungen leer, in Muffendorf 77, dabei handele es sich um Wohnungen im "nicht vermietungsfähigen Leerstand", wie Thorsten Grützner, Pressesprecher der BImA erklärt. "Im Zuge der laufenden Strangsanierungen konnten in Tannenbusch 35 Wohneinheiten fertiggestellt werden", drei weitere stehen kurz vor der Fertigstellung. Mit einem Ende der Renovierungen rechnet er gegen Ende 2022. In Muffendorf befinde man sich allerdings noch in einer Vorbereitungs- und Planungsphase, weswegen dort kein Fertigstellungstermin genannt werden kann.

Eine Wohnung in der Siedlung: Während die eigenen Wohnungen saniert werden, können die Bewohner temporär in freistehende Wohnungen umziehen. (Quelle: Klaas Tigchelaar)Eine Wohnung in der Siedlung: Während die eigenen Wohnungen saniert werden, können die Bewohner temporär in freistehende Wohnungen umziehen. (Quelle: Klaas Tigchelaar)
Schon seit 2013 werden die Wohneinheiten der Hicog-Siedlungen, die Anfang der 1950er-Jahre für die deutschen Angestellten der US-amerikanischen Hochkomission ("High Comissioner of Germany") errichtet wurden, sukzessive saniert. Ausgenommen sind dabei die Wohnungen der Hicog-Siedlung in Plittersdorf, die der Vebowag gehören.

Die Hochhäuser, Mehrfamilienhäuser und Reihenhäuser in Tannenbusch und Muffendorf erhielten teilweise neue Kunststoff-Fenster und neue Fassadenanstriche, die Notfalltreppenhäuser und die Garagenhöfe wurden laut BImA ebenfalls modernisiert. Derzeit werden dort Trink- und Abwasserleitungen erneuert sowie die Bäder komplett saniert.

"Außerdem bereiten wir leerstehende Wohnungen für die Vermietbarkeit vor", erklärt Grützner. Seit 2013 sind rund sieben Millionen Euro in Tannenbusch und acht Millionen Euro in Muffendorf für Sanierung und Modernisierung investiert worden.

Renovierungen dauern länger als angekündigt

Für eine möglichst mietverträgliche Sanierung werden den Mietern für die Dauer der Baumaßnahmen leerstehende Wohnungen als möblierte Ersatzunterbringungen angeboten. "Dies trägt zu der auffälligen Leerstandssituation insbesondere in den Siedlungen Tannenbusch und Muffendorf bei", so Grützner. Doch die Renovierungen dauern sehr viel länger, als den Mietern vorhergesagt wurde.

Klara Geilenkirchen, die in der Tannenbuscher Siedlung wohnt und auch Mitglied bei den Dünenfüchsen ist, schrieb dem Bonner General-Anzeiger im März 2021 einen wütenden Brief. Statt der versprochenen dreimonatigen Umquartierung in eine Ausweichwohnung könne sie auch nach sieben Monaten noch nicht in ihre Wohnung zurückziehen, wie sie im General-Anzeiger zitiert wird. Dazu kämen desaströse Arbeiten der Handwerker und mangelnde Überwachung durch das beauftragte Ingenieurbüro.

Gebäude stehen unter Denkmalschutz

Auch der Denkmalschutz verzögert die Arbeiten. "Dieser erstreckt sich nicht nur auf die Gebäude, sondern auch auf die großzügigen Grünanlagen", erläutert Grützner. "Soweit einzelne Wohneinheiten Ausstattungsmerkmale (z.B. Bodenfliesen, Wandfliesen, Küchen) aufweisen, die noch aus dem Errichtungszeitraum stammen, ist die BImA bestrebt, mit der zuständigen Denkmalbehörde ausgewogene Lösungen zu finden. Im Zuge der Sanierung wird sowohl den Mieterinteressen als auch den Belangen des Denkmalschutzes Rechnung getragen. Die jeweiligen Mieterinitiativen werden in der Regel eingebunden."

Genau dort sieht Könen von den Dünenfüchsen ein zentrales Problem, es fehle bei den Sanierungsarbeiten schlicht an Transparenz: "Die Eigentümer, das Ingenieurbüro Zetcon und die eingesetzten Baufirmen sollten intensiver zusammen wirken und die Belange der Anwohner und Mieter wohlwollend prüfen und umsetzen." Obwohl eine Vielzahl von Gründen für die Verzögerungen und den Leerstand verantwortlich sind, ist er dennoch optimistisch, dass sich unter der Verwaltung der BImA die Abläufe verbessern und beschleunigen werden.

Auch für die "Dormitories", ehemalige Wohnheime auf dem Gelände, die seit 2015 der Stadt zur Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung gestellt werden, sieht Könen Hoffnung, obwohl sie derzeit in einem recht verwahrlosten Zustand dastehen. Sofern sie irgendwann nicht mehr als Flüchtlingsunterkünfte gebraucht werden, könnte er sich dort eine durchmischte Bewohnung mit jungen Studierenden und älteren Menschen in barrierefreien Appartements oder Zimmern sehr gut vorstellen: "Das war ja immer die Grundidee der Siedlung, dass viele unterschiedliche Leute hier zusammenkommen und sich austauschen können."

Im Jahr 1951 wurde mit dem Bau der Hicog-Siedlungen in Tannenbusch und Muffendorf und Plittersdorf begonnen. Hier sollten die deutschen Mitarbeiter der US-amerikanischen Hochkomission (High Comissioner of Germany, HICOG) als Teil der Alliierten hohen Kommission untergebracht werden. Nachdem Bonn 1949 Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland wurde, beschloss man den Sitz der US-Hochomission von Frankfurt/Main nach Bonn zu verlegen.
Mit Planung und Entwurf der verschiedenen Gebäude wurden der Münchener Architekt Sep Ruf (der u.a. auch den Kanzlerbungalow in Bonn entwarf) und der Frankfurter Architekt Otto Apel beauftragt, die Freiflächen wurden vom Gartenarchitekten Heinrich Raderschall gestaltet. Bereits am 7. Dezember 1951 waren die Bauarbeiten in Tannenbusch abgeschlossen. 1995 wurden alle Siedlungen, inklusive der Inneneinrichtungen unter Denkmalschutz gestellt.
Sowohl in Tannenbusch, als auch in Muffendorf sind fünf verschiedene Haustypen vertreten, die über eine Straßenschleife erschlossen werden. Im Mittelpunkt steht ein elfgeschossiges Hochhaus, dazu gibt es fünfgeschossige Laubenganghäuser, Zweispänner für Familien, zwei Wohnheime sowie die zweigeschossigen Schmetterlingsbauten mit Flachdach. Das Hochhaus in der Tannenbuscher Siedlung (Im Tannenbusch 3) war seinerzeit das erste Hochhaus in Bonn.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Thorsten Grützner von der BImA
  • Gespräch mit Achim Könen von den Dünenfüchsen
  • General-Anzeiger
  • Architekturführer „HICOG-Siedlungen“
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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