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A45: Gefährliche Brückenschäden schon Tage vor Sperrung bekannt


Gefährliche Brückenschäden schon Tage vor Sperrung befürchtet

  • Jonas Mueller-Töwe
Von Jonas Mueller-Töwe

02.02.2023Lesedauer: 3 Min.
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Rahmede-Brückensperrung
Bauarbeiten an der A45-Talbrücke Rahmede: Als der Verkehr noch rollte, hatten Ingenieure bereits einen konkreten Verdacht hinsichtlich der Schäden. (Quelle: Dieter Menne/dpa/Archiv/dpa-bilder)
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Jedes Fahrzeug hätte die Talbrücke an der A45 zum Einsturz bringen können – doch offenbar lief der Verkehr noch Tage nach Hinweisen auf schwerste Schäden. Lokale Behörden ahnten nichts.

Die Ungereimtheiten rund um die Sperrung der Autobahntalbrücke Rahmede an der A45 nehmen zu. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sieht sich infolge der t-online-Recherchen zunehmend unter Druck. In der Affäre geht es um mögliche Fehler oder Versäumnisse Wüsts als damaliger Verkehrsminister, die zum Verkehrsdebakel bei Lüdenscheid im Sauerland geführt haben könnten. Angaben von Wüst und seiner Landesregierung zum Sachverhalt haben sich immer wieder als zweifelhaft erwiesen.

E-Mail nährte brisanten Verdacht

Nun bestärken Recherchen der "Lüdenscheider Nachrichten" einen Verdacht, über den t-online bereits Anfang November berichtete: Offenbar gab es schon Tage vor der plötzlichen Sperrung Hinweise auf gravierende Schäden am Bauwerk der Autobahn GmbH, ohne dass lokale Behörden darüber informiert worden waren. Währenddessen lief der Verkehr über die Brücke mit Zehntausenden Fahrzeugen täglich ungebremst weiter, bis sich die Autobahn GmbH schließlich zur Sperrung entschloss.

Die Brücke war da bereits in einem Zustand, in der sie unter Belastung jederzeit hätte kollabieren können, wie Ingenieure des Bundesbetriebs später erläuterten.

Eine E-Mail der zuständigen Autobahn GmbH, die t-online zugespielt wurde, ließ bereits Spekulationen aufkommen: Darin teilte der Bundesbetrieb den Verwaltungen in Lüdenscheid und Hagen mit, dass "die aktuelle Verkehrsführung im Bereich der A45 Talbrücke Rahmede (...) aus statischen Gründen etwas angepasst und verändert werden" müsse. Das klang brisant, denn die Mail stammte vom 23. November 2021.

Warum wurden Schäden vermutet?

Als die Brücke Tage später am 2. Dezember völlig überraschend gesperrt wurde, vermittelte die Autobahn GmbH hingegen den Eindruck, die Schäden seien erst an diesem Tag bei einer Routinekontrolle festgestellt worden. "Im Zuge der laufenden Neubauplanung fand am Donnerstag (2.12.) eine Bauwerkskontrolle statt, bei der Verformungen im Stahlüberbau festgestellt wurden", hieß es in der zugehörigen Pressemitteilung. Erst Minuten vor der Sperrung erfuhren die betroffenen Kommunen davon.

Doch tatsächlich waren die Fachleute schon Tage vor der Sperrung alarmiert, wie die "Lüdenscheider Nachrichten" nun unter Berufung auf neue Angaben der Autobahn GmbH berichten. Der Widerspruch zu einer vermeintlich plötzlichen Entdeckung wird offensichtlich. Ein erster Laserscan sei bereits im November durchgeführt worden, heißt es im Bericht. Ende November sei ein Fachbetrieb aufgrund der erste Ergebnisse mit der vollständigen Prüfung beauftragt worden. Ein Leiter der zuständigen Außendienststelle räumte gegenüber der Zeitung ein: "Die nächsten drei Tage haben wir hier in Hagen drei Tage mit Professoren und Gutachtern zusammengesessen, um zu sehen, wie man es machen kann."

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Was Anlass für die Autobahn GmbH war, zu diesem Zeitpunkt die Prüfung genau dieses Bauwerksteils anzuordnen, ist allerdings noch unklar. Auf Anfrage von t-online sagte ein Sprecher des Bundesbetriebs, eine neue Qualität der Schäden sei vor der Kontrolle nicht bekannt gewesen. Offenbar wurde die bis dahin außergewöhnliche Untersuchung aber auf den konkreten Verdacht hin gestartet, dass die Stegbleche der Hauptträger beschädigt seien, berichten die "Lüdenscheider Nachrichten" weiter.

"Es knallt, und dann ist es unten"

"Es wurde entschieden, für die Talbrücke Rahmede wegen ihrer Defizite in der Tragfähigkeit eine Nachrechnung gemäß Nachrechnungsrichtlinie mitsamt einer Sonderprüfung und einer darauf basierenden objektbezogenen Schadensanalyse durchzuführen", zitiert der Bericht einen Sprecher der Autobahn GmbH. "Teil der Sonderprüfung sollte eine Untersuchung der Stegbleche der beiden Hauptträger mittels eines Laserscans sein."

Eine solche "objektbezogene Schadensanalyse" werde laut Bundesanstalt für Straßenwesen erforderlich bei "komplexen, schwerwiegenden oder unklaren Schadensbildern", heißt es in dem Bericht weiter. Bis Mitte Dezember wurden mittels der Laserscans über 250 Schadstellen identifiziert. Bis heute ist die Brücke deswegen vollständig für den Verkehr gesperrt. Ein Neubau wird Jahre dauern.

In welch schlechtem Zustand die Brücke tatsächlich schon war, hatten Ingenieure der Autobahn GmbH kurz nach der Sperrung im Dezember 2021 im Verkehrsausschuss des NRW-Landtags deutlich gemacht: "Kommt es also zu einem weiteren Anwachsen dieser Beule – das passiert bei einer hohen Belastung schlagartig – oder versagt die überlastete Schweißnaht, versagt das Tragwerk schlagartig, ohne dass Zeit bliebe, einzugreifen: Es knallt, und dann ist es unten."

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • come-on.de: "Sperrung der Talbrücke Rahmede: Schäden schon früher bekannt"
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