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Abfallproblem in Dortmund: In der Nordstadt türmen sich die Müllberge


Schlimmer Gestank und Ratten: Müllberge türmen sich im Hinterhof

Von Sophie Schädel

Aktualisiert am 31.03.2022Lesedauer: 4 Min.
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Der Müll und Mieter Bashir Rafi: Lange kümmerte sich niemand um das Müllproblem.
Der Müll und Mieter Bashir Rafi: Lange kümmerte sich niemand um das Müllproblem. (Quelle: Sophie Schädel)
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In einem Mehrparteienhaus im Norden Dortmunds stapelt sich seit längerer Zeit Müll. Es stinkt, Ratten laufen herum. Die Mieter sehen sich als Opfer, niemand behebt das Problem. Wie konnte es dazu kommen?

Von außen wirkt das Haus in der Dortmunder Nordstadt einladend. "Aber nur, wenn man sich die Nase zuhält", sagt Hausbewohner Bashir Rafi halb lachend, halb wütend. Denn schon auf dem Gehweg fällt ein strenger Geruch auf. Steht einmal das Tor zum Hof offen, wird auch klar, warum es hier so stinkt: Hier stapelt sich Abfall bis zu zwei Meter hoch. Ratten kriechen zwischen prall gefüllten Müllbeuteln herum, Fliegen surren durch die Luft.

Alles begann vergangenen Frühling, als zu wenig Mülltonnen für die 15 Mietparteien im Haus zur Verfügung standen. Waren sie voll, stellten die Mieter den restlichen Müll neben die Container. Das fiel im April 2021 der EDG auf, die in Dortmund für die Müllabfuhr zuständig ist. Einen der Restmülleimer leert sie, wie sie auf Anfrage erklärt, weiterhin. Die anderen Container stehen weiter hinten im Hof, der Weg ist durch Abfallberge versperrt.

Alles hinter dem ersten Container entsorgt die Müllabfuhr daher seit rund einem Jahr nicht mehr. Die Mieter fühlen sich hilflos. "Wenn ich am Feierabend nach Hause komme, will ich mich doch entspannen und wohlfühlen", argumentiert Rafi.

Seit Monaten türmt sich der Müll immer höher

Die Hausbewohner beschweren sich seit Monaten bei ihren jeweiligen Vermietern, pochen auf mehr Müllbehälter und die Reinigung des Hofs. Doch fast jede Wohnung im Haus hat einen anderen Eigentümer. Für Probleme, die das gesamte Haus betreffen, gibt es keinen Ansprechpartner, niemand fühlt sich zuständig.

Im Oktober schaltete sich die Stadt ein, um mehr Mülltonnen für das Haus zu organisieren. Doch auch die zuständige Beamtin scheitert vorerst daran, dass es keine Hausverwaltung gibt und sie die zwölf Eigentümer einzeln kontaktieren muss.

Der Müll stapelt sich: Der Eingang zum Haus ist durch den Abfall versperrt.
Der Müll stapelt sich: Der Eingang zum Haus ist durch den Abfall versperrt. (Quelle: Sophie Schädel)

In der Zwischenzeit wächst der Müllberg im Hinterhof weiter. Er ist mittlerweile so groß, dass sich die Tür zum Hof nicht mehr öffnen lässt. Die Mieter wissen sich nicht mehr anders zu helfen, als ihren Müll aus dem Treppenhausfenster in den Hof hinunterzuwerfen.

Es stinkt im Haus, Fliegen und Ratten kommen. Auch die Nachbarn der umliegenden Häuser müssen das ertragen. Die EDG erklärt auf Presseanfrage, dass sie seit Dezember 2021 zahlreiche Beschwerden über diesen Hinterhof erhält.

Die Mieter des betroffenen Gebäudes sorgen sich besonders um ihre Kinder. "Alle haben Angst vor Corona. Aber wir haben hier im Hinterhof sicherlich noch ganz andere Erreger", sagt einer von ihnen verärgert. Mehrere Kinder im Haus haben einen juckenden roten Hautausschlag. Die Eltern vermuten, dass der Müllberg im Hinterhof die Ursache dafür ist.

Müll sorgt für Nachbarschaftsstreit

Auch Solmaz Yüksel hat einen solchen Ausschlag. Die ältere Dame wohnt im Haus nebenan, wo sie auch mehrere Wohnungen vermietet, und ärgert sich täglich über den Müll. Schließlich teilt sich die beiden Häuser den Hof und sie muss den Gestank und die Ratten ebenfalls ertragen. In einer Ecke des Hofs hat Yüksel einen kleinen Garten. "Eigentlich haben wir hier im Sommer immer gegrillt und gemeinsam gefeiert", erzählt sie. Jetzt will sie hier keine Gäste mehr empfangen.

Ein Nachbarschaftsstreit entsteht. Yüksel hält ihre Nachbarn für die Ursache des Problems: "Die machen das doch mit Absicht!" Nachbar Bashir Rafi hält dagegen: "Wir sind doch normale Menschen! Glaubt sie ernsthaft, dass irgendjemand so leben will?"

Mieter Rafi (2. v. r.) und weitere Mieter: "Wir sind doch normale Menschen."
Mieter Rafi (2. v. r.) und weitere Mieter: "Wir sind doch normale Menschen." (Quelle: Sophie Schädel)

Rafi hat sich sein Leben anders vorgestellt, ist erst kürzlich mit Frau und Kindern nach Deutschland gekommen. "Ich wollte meiner Familie hier ein schönes Leben aufbauen! Dazu gehört natürlich, dass wir das deutsche Recht respektieren. Aber was sollen wir tun, wenn unsere Vermieter es nicht achten?"

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Mieter zahlen weiterhin für die Müllabfuhr

Die Mieter fassen die Haltung ihrer Vermieter mit einem Wort zusammen: "Zappzarapp." Soll heißen: Sie machen sich die Taschen voll und wollen von Problemen nichts wissen, so das Gefühl der Mieter. Außerdem vermutet Bashir Rafi noch einen weiteren Grund für die Situation: "Würden wir die deutsche Sprache besser beherrschen, würde man das mit uns wahrscheinlich nicht so einfach machen."

Das lässt sich kaum belegen. Doch tatsächlich macht es die Migrationsgeschichte den Mietern schwerer, sich zu wehren: Sie wissen wenig über das deutsche Mietrecht, kennen mögliche Hilfsangebote nicht. Aus Angst, ihre Wohnung zu verlieren, zahlen sie ihre normalen Beiträge weiter – auch für die Müllabfuhr, obwohl sich der Abfall nun schon seit Monaten immer höher auftürmt. Sie wagen es nicht, die Miete zu mindern. "Wenn wir nicht mehr zahlen, bekommen wir noch mehr Probleme", befürchten sie.

Eine Lösung ist in Sicht

Die EDG gibt an, sie habe einem Mieter bereits ein Angebot zur Reinigung unterbreitet, der habe sich allerdings noch nicht zurückgemeldet. Auch die Stadt Dortmund hat die Immobilie schon länger im Blick, betont Pressesprecher Christian Schön auf Anfrage. Und er hat gute Nachrichten: Offenbar haben sich die Vermieter endlich an einen Tisch gesetzt und einen Verwalter organisiert.

"Der neue Hausverwalter hat erst in der vergangenen Woche zugesichert, dass er selbst handlungsfähig ist und ab dieser Woche mit der Beseitigung der Abfälle beginnen will." Es könnte also bald Bewegung in die festgefahrene Situation kommen. Dann könnten Bashir Rafi und seine Nachbarn ihre Kinder wieder im Hof spielen lassen und Solmaz Yüksel Freunde zum Grillen einladen.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen und Gespräche vor Ort
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Von Julian Seiferth
MieterVermieter

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