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Karlsruhe: Wie eine Stadt gegen die Wohnungslosigkeit kämpft

Hilfe für Betroffene  

Eine Stadt im Kampf gegen Wohnungslosigkeit

09.03.2020, 18:04 Uhr
Karlsruhe: Wie eine Stadt gegen die Wohnungslosigkeit kämpft. Eine Person in einem Schlafsack: Winter sind für Obdachlose eine harte Zeit. (Quelle: imago images/Symbolbild/Jürgen Ritter)

Eine Person in einem Schlafsack: Winter sind für Obdachlose eine harte Zeit. (Quelle: Symbolbild/Jürgen Ritter/imago images)

In Karlsruhe leben einige Menschen in Unterkünften für Obdachlose. Die Gründe dafür sind vielfältig – doch für die Betroffenen bietet die Stadt auch Hilfe. 

"In Karlsruhe leben derzeit zwischen 550 und 600 Menschen in Obdachlosenunterkünften. Rund 100 Menschen sind ohne festen Wohnsitz", sagt Sonja Rexhäuser von der Fachstelle Wohnungssicherung in der Sozial- und Jugendbehörde, die verschiedene Hilfskonzepte für Wohnungslose anbietet. "Wir haben Fälle von kurzer Wohnungslosigkeit", sagt sie, "beispielsweise nach Trennungen oder familiären Problemen. Aber wir haben auch Langzeitobdachlose, bei denen Hilfskonzepte nur schwer oder manchmal auch gar nicht greifen."

Beratung in der Fachstelle für Wohnungssicherheit 

Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig. Arbeitslosigkeit, Krankheit, private Probleme, Drogensucht, Kündigung der Wohnung wegen Eigenbedarf. All das kann dazu führen, dass Menschen nicht mehr in der Lage sind, ein Mietverhältnis aufrecht zu erhalten. Liegt ein Räumungstitel oder ein schon vom Gerichtsvollzieher festgesetzter Räumungstermin für eine Wohnung vor, gibt es für Betroffene die Möglichkeit, sich bei der Fachstelle für Wohnungssicherheit beraten und unterstützen lassen.

Ein Pappschild mit der Aufschrift "Bitte Hilfe, ich habe Hunger": In Karlsruhe haben rund 100 Menschen keinen festen Wohnsitz. (Quelle: imago images/Symbolbild/Ralph Peters)Ein Pappschild mit der Aufschrift "Bitte Hilfe, ich habe Hunger": In Karlsruhe haben rund 100 Menschen keinen festen Wohnsitz. (Quelle: Symbolbild/Ralph Peters/imago images)

Unter bestimmten Voraussetzungen besteht die Möglichkeit, die Wohnung zu erhalten. "In der Fachstelle versuchen wir zunächst alles, um die Betroffenen in ihrer Wohnung zu halten", sagt Sonja Rexhäuser. Sollte dies nicht funktionieren und auch kurzfristig keine neue Wohnung gefunden werden, bleibt oft nur noch die obdachlosenrechtliche Unterbringung. "Dann setzen wir uns dafür ein, die Obdachlosigkeit nachhaltig zu beseitigen, damit diese Menschen so schnell wie möglich wieder aus dieser Notlage herauskommen."

"Ein menschenwürdiges Leben ermöglichen"

Die Fachstelle für Wohnungssicherheit bietet Unterstützung bei der Unterbringung in städtische Unterkünfte an, hilft bei der Erschließung von Sozialleistungen und beim Umgang mit Behörden und Institutionen und der Beschaffung von Personalpapieren. Sie führt bei Bedarf Gespräche mit Vermietern oder bietet eine Schuldnerberatung an. Ziel ist es, dass die Betroffenen sich mit ihrer Situation auseinandersetzen, also auch mit den Ursachen und Folgen ihrer Situation.

"Letztlich geht es ja darum, diese Menschen wieder zu stabilisieren, ihnen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen und ihnen wieder auf die Beine zu helfen", erklärt Sonja Rexhäuser. "Wir müssen die Menschen vor allem auch darin unterstützen, dass sich der Zustand nicht verfestigt. Das bedeutet auch einen differenzierten Blick auf jeden einzelnen Fall. Jeder Mensch hat eine andere Geschichte und wir müssen überlegen, wie man ihn unterstützen kann."

20 Obdachlosenunterkünfte in Karlsruhe

Dass das gelingt, dafür müssen städtische Einrichtungen, Institutionen und private Träger kooperieren. "Nur durch unser großes Netzwerk sind wir in der Lage, mit unseren Hilfsangeboten die unterschiedlichen Bedürfnisse zu berücksichtigen."

20 Unterkünfte gibt es laut Rexhäuser über die Stadt verteilt. Darunter befinden sich städtische Unterkünfte und ehemalige Hotels. "Hier wird natürlich kein Hotelservice zur Verfügung gestellt", betont sie, "aber die Räumlichkeiten werden gereinigt und von einem Hausmeister betreut."

Erfrierungsschutz für die Nacht

Zusätzlich zu den Notunterkünften gibt es in vielen Großstädten sogenannte Erfrierungsschutzräume, damit Obdachlose nicht im Freien schlafen müssen, wo ihnen der Erfrierungstod droht. "Erfrieren muss in Karlsruhe keiner", sagt Sonja Rexhäuser und verweist auf den Karlsruher Erfrierungsschutzeinrichtungen für Frauen und Männer mit insgesamt 65 Plätzen. Hier können Betroffene zwischen 19.30 und 8 Uhr morgens unterkommen.

"Dennoch gibt es Menschen, die unsere Angebote nicht annehmen", ergänzt Sonja Rexhäuser. "Wir bedauern das. Aber wir können niemanden dazu zwingen, Hilfe anzunehmen, von der wir glauben, dass sie die richtige ist. Einen warmen wetterfesten Schlafsack kriegen natürlich auch diejenigen Obdachlosen, die keines unserer Hilfsangebote annehmen", sagt sie.

Korrektur: Zuerst war im Text von "550 bis 600 Obdachlosen" in Karlsruhe die Rede. Richtig ist, dass zwischen 550 und 600 Menschen in Obdachlosenunterkünften leben. Wir haben die entsprechende Korrektur im Text vorgenommen.

Verwendete Quellen:
  • Interview mit Sonja Rexhäuser

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