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"Querdenken"-Demo in Leipzig: Angriffe auf Journalisten und Drohungen der Polizei

Angriffe auf Journalisten  

"Das Ausmaß der Gewalt hat eine völlig neue Dimension erreicht"

09.11.2020, 13:53 Uhr
"Querdenken"-Demo in Leipzig: Angriffe auf Journalisten und Drohungen der Polizei. Polizisten im Einsatz in Leipzig: Die Polizei konnte die Sicherheit für Pressevertreter in Leipzig nicht gewährleisten. (Quelle: Reuters/Kai Pfaffenbach)

Polizisten im Einsatz in Leipzig: Die Polizei konnte die Sicherheit für Pressevertreter in Leipzig nicht gewährleisten. (Quelle: Kai Pfaffenbach/Reuters)

43 Übergriffe auf Journalisten durch Demo-Teilnehmer und Polizisten: Das ist die Bilanz der Journalisten-Union zu den Corona-Demos am Wochenende in Leipzig. t-online sprach mit anwesenden Pressevertretern.

"Wenn das hier losgeht, können wir eh nichts machen", soll ein Polizist am Rande der "Querdenken"-Demo am Samstagnachmittag gesagt haben. 400 Neonazi-Hooligans hätten zu diesem Zeitpunkt am Augustusplatz Ecke Goethestraße mehrere Stunden lang anwesende Journalisten bedroht, berichtet Tim Mönch gegenüber t-online. Tim Mönch ist ein Pseudonym, der freie Journalist berichtet über die extreme Rechte. Zehn Beamte hätten der "gewaltbereiten" Gruppe gegenüber gestanden.

Bereits bei der Anreise der Teilnehmer der "Querdenken"-Demonstration am Samstagmorgen soll es zu Angriffen auf Journalisten gekommen sein, sagt Fotojournalist Michael Trammer gegenüber t-online. Die Bundespolizei hatte "dann leider keine anderen Sorgen, als Personalien von Journalistinnen und Journalisten aufzunehmen". 

Auf Twitter schreibt ein freier Journalist, dass Polizisten einem Kollegen gedroht haben sollen, dass dieser "keinen Presseausweis mehr bekommt". "Sollte das zutreffen wäre das völlig inakzeptabel", schreibt der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) auf Twitter. Alle Journalisten, mit denen t-online gesprochen hat, berichten von verbalen Anfeindungen gegen sie.

Dutzende Übergriffe auf Journalisten

Die deutschen Journalisten-Gewerkschaften DJU und DJV haben Dutzende Fälle von Angriffen und Übergriffen auf Medienvertreter gezählt. Jörg Reichel, Landesgeschäftsführer Berlin-Brandenburg der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) spricht am Montagmorgen von mindestens 43 Fällen. "Das Ausmaß der Gewalt hat eine völlig neue Dimension erreicht."

Die Gewalt eskaliert, als sich die "Querdenker"-Demo unerlaubterweise in Richtung Innenstadtring in Bewegung setzt. Nach Polizeiangaben protestierten zu diesem Zeitpunkt 20.000 Menschen in der Leipziger Innenstadt gegen Corona-Maßnahmen.

"Die Lage vor Ort bei der Demonstration war bedrohlich", schildert Trammer die Stimmung in Leipzig. Tim Mönch, der am Kopf des Demonstrationszuges läuft, berichtet von Angriffsversuchen von Demo-Teilnehmern. Nachdem er geschubst worden sei, fiel er hin. Nur durch "Glück" sei er mit einer Prellung und zwei Schürfwunden davon gekommen.

Mob geht auf Fotografen los

Ein Journalist des Berliner "Tagesspiegels" schrieb auf Twitter: "Wir mussten unsere Berichterstattung kurzzeitig abbrechen, da größere Hooligan-Gruppen ohne polizeiliche Begleitung auf uns zurannten." Andere Kollegen kamen nicht so glimpflich davon. Ein Video zeigt, wie ein Kameramann von einer Gruppe Vermummter angegriffen und auf den Kopf geschlagen wird. Eine anwesende Journalistin beschreibt die Szene: "Sven Liebich, im weißen Overall ist ein Rechtsextremist, der schon seit Jahrzehnten aktiv ist." Als Polizisten den Ort verlassen, ging er "auf den Fotokollegen los und drängte ihn vor sich her. Er griff ihm in die Kamera. Irgendwer boxte auf ihn ein." In dem Gedränge habe der Fotograf seine Brille verloren. Die Polizei griff erst verzögert ein. 

Anwesende Pressevertreter beschreiben die Polizei als überfordert. Im Vorfeld der "Querdenken"-Demonstration sind Einsatzkräfte aus acht Bundesländern angefordert worden. Fotojournalist Trammer: "Zeitweise wirkten die Kräfte überrascht, dabei war kaum etwas davon eine Überraschung. Seit Wochen gab es Warnungen vor der Großmobilisierung." Journalisten, die sich in der rechten Szene auskennen, berichten von Hunderten Hooligans und organisierten Rechtsextremisten am Rand der Corona-Demo. 

Tim Mönch berichtet, dass die Gewalt auch anhielt, als sich die Hooligans schon längst zurückgezogen haben. "Vermeintlich bürgerliche Teilnehmer der 'Querdenken'-Demo waren aggressiv und gewaltbereit."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche (auf Twitter)
  • Telefonat/Kontakt mit Journalisten vor Ort
  • DJU: Pressemitteilung vom 7. November
  • Mit Material der dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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