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Stuttgart: Ein Vorbote von "S 21" zeigt sein Gesicht

Viel Tageslicht und Beton  

Ein Vorbote von "Stuttgart 21" zeigt sein Gesicht

Von Tilman Baur

09.10.2020, 18:48 Uhr
Stuttgart: Ein Vorbote von "S 21" zeigt sein Gesicht . Die neue Stadtbahnhaltestelle "Staatsgalerie": Architekt Christoph Ingenhoven hat auch den sich im Bau befindlichen Hauptbahnhof entworfen. (Quelle: imago images/Arnulf Hettrich)

Die neue Stadtbahnhaltestelle "Staatsgalerie": Architekt Christoph Ingenhoven hat auch den sich im Bau befindlichen Hauptbahnhof entworfen. (Quelle: Arnulf Hettrich/imago images)

Die Formensprache der neuen Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie nimmt die des Stuttgarter Tiefbahnhofs vorweg. Die Großbaustelle ringsum wird das Bild aber noch viele Jahre dominieren.

Die Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie hatte die Nase im Wettbewerb um den schmuddeligsten Ort der Stadt jahrelang ganz weit vorne. Der Bahnsteig selbst hatte sich zum düster-schäbigen Angstraum entwickelt, kaum ausgeleuchtet, in den vergangenen Jahren garniert von ohrenbetäubendem Baustellenlärm, und in den finsteren Zugängen machte sich stinkender Unrat breit. Wer konnte, vermied es, hier ein- oder auszusteigen.

Seit vier Wochen ist der Alptraum Geschichte, und der Kontrast zur neuen Haltestelle könnte größer nicht sein. Diese wurde nach oben verlegt, erhält viel Tageslicht und gibt eine erste Vorahnung auf die architektonische Formensprache, die den Tiefbahnhof prägen wird. Das ist kein Zufall. Schließlich heißt der für den asketischen Bau aus Sichtbeton verantwortliche Düsseldorfer Architekt Christoph Ingenhoven, der Mann also, der den Tiefbahnhof mit seinen riesenhaften Kelchstützen entworfen hat.       

Blick auf einen Bahnsteig der neuen Haltestelle Staatsgalerie: Die neue Haltestelle ist im Rahmen der Bauarbeiten für "Stuttgart 21" entstanden. (Quelle: dpa/picture alliance/Christoph Schmidt)Blick auf einen Bahnsteig der neuen Haltestelle Staatsgalerie: Die neue Haltestelle ist im Rahmen der Bauarbeiten für "Stuttgart 21" entstanden. (Quelle: picture alliance/Christoph Schmidt/dpa)

Die alte, unterirdische Station musste weichen, weil die neu ausgerichteten Fernbahnhof-Gleise jene der Stadtbahn schneiden. Mit der neuen, nach oben verlegten Haltestelle, direkt im Bahnhofsbaufeld gelegen, wird zum ersten Mal überhaupt ein Bauwerk fertig, das in direktem Zusammenhang mit dem Tiefbahnhof steht. Ingenhoven zeigte sich bei der Eröffnung dementsprechend erleichtert. Im Vorfeld hatte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur seinen Unmut darüber kundgetan, dass die Umgestaltung des bahnhofsnahen Stadtraums nur schleppend vorankomme. Eine Kommunikation mit der Verwaltung finde de facto nicht statt, war zu lesen.  

Neue Räume sollen geschaffen werden

Oberbürgermeister Fritz Kuhn nutzte die Inbetriebnahme als Möglichkeit, eine Neubewertung des Bahnhofsprojektes vorzunehmen, weg von der eindimensionalen Betrachtung als Verkehrsprojekt, hin zur Betonung als städtebauliches Vorhaben. "Das kann man hier schon ein bisschen sehen. Es ist Städtebau, es ist die Schaffung neuer Räume, es ist Platz und es ist Verkehr. Diese beiden Sachen zusammenzudenken ist das Gebot der nächsten Jahre", sagte Kuhn in einem auf der Website der Stadt veröffentlichten Videointerview.

Viel Städtebauliches ist rund um die neue Haltestelle allerdings noch nicht zu sehen. Einziger Profiteur ist abgesehen von den Fahrgästen das ebenfalls mitten im "S 21"-Baufeld gelegene Carl-Zeiss-Planetarium, das direkt von den Gleisen aus zu sehen ist und als Namensgeber der Station eigentlich geeigneter wäre als die mehrere Gehminuten entfernte Staatsgalerie selbst.

Umgebung der Haltestelle bleibt Baustelle

Ansonsten ist der städtebauliche Aspekt, den Fritz Kuhn gerne betont, noch in weiter Ferne. Denn erst in fünf Jahren geht der Tiefbahnhof in Betrieb, und der ihn umgebende Park, der ihn mit der Haltestelle Staatsgalerie verbindet, wird auch erst dann sichtbar sein. Bis dahin müssen Passagiere sich noch durch einen schwer überschaubaren Flickenteppich aus von Bauzäunen umgebenen provisorischen Wegen und Zugängen kämpfen.

Michael Pradel, Leiter Rohbau und Ausbau beim Bahnprojekt Stuttgart-Ulm, Baubürgermeister Peter Pätzold, SSB-Vorstandssprecher Thomas Moser, Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Architekt Christoph Ingenhoven (von links): Die Eröffnung der Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie fand nur im kleinen Kreis statt. (Quelle: imago images/Leif Piechowski/Landeshauptstadt Stuttgart)Michael Pradel, Leiter Rohbau und Ausbau beim Bahnprojekt Stuttgart-Ulm, Baubürgermeister Peter Pätzold, SSB-Vorstandssprecher Thomas Moser, Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Architekt Christoph Ingenhoven (von links): Die Eröffnung der Stadtbahnhaltestelle Staatsgalerie fand nur im kleinen Kreis statt. (Quelle: Leif Piechowski/Landeshauptstadt Stuttgart/imago images)  

Immerhin läuft der Zugverkehr reibungslos an der Haltestelle, die sechs Jahre Bauzeit in Anspruch genommen und 100 Millionen Euro gekostet hat. Die Staatsgalerie ist ein zentraler Knotenpunkt im innerstädtischen Stadtbahnnetz, sechs Linien verkehren hier.

Finanziert wurde sie aus dem Topf für "Stuttgart 21", die Pläne Ingenhovens führten die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) und das Tiefbauamt aus. Einzig der 370 Meter lange Streckenabschnitt in Richtung Hauptbahnhof ist noch nicht in Betrieb. Die dort verkehrenden Züge werden deshalb drei Jahre lang über den Charlottenplatz umgeleitet – im Herbst 2023 wird das Streckennetz der Stadtbahn wieder komplett sein.    

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche vor Ort
  • Gespräche mit Beteiligten am Tag der Eröffnung
  • Stadt Stuttgart: Mitteilung vom 11. September
  • Mit Material der dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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