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Stuttgart: Wie ein junger Klimaaktivist die OB-Wahl wahrnimmt

"Das Problem des linken Spektrums"  

Wie ein junger Klimaaktivist die OB-Wahl in Stuttgart wahrnimmt

Von Nils Heidemann

27.11.2020, 08:29 Uhr
Stuttgart: Wie ein junger Klimaaktivist die OB-Wahl wahrnimmt. Demonstranten ziehen durch die Straßen: Jonathan Heckert bei einer Demonstration von Fridays For Future. (Quelle: Sarah Leininger)

Demonstranten ziehen durch die Straßen: Jonathan Heckert bei einer Demonstration von Fridays For Future. (Quelle: Sarah Leininger)

Am 29. November wählt Stuttgart im zweiten Wahlgang einen neuen Oberbürgermeister. Das öko-soziale Bündnis konnte sich nicht auf einen Kandidaten einigen. Das frustriert einen Großteil der jungen Wähler, hindert einen Aktivisten aber nicht daran, weiterzumachen.

Jonathan Heckert ist 18 Jahre alt. Der Abiturient setzt sich trotz seines jungen Alters bereits seit zwei Jahren als Klimaaktivist für Fridays For Future in Stuttgart ein. Er vertritt somit die stadtpolitischen Ziele vieler junger Menschen. Doch er geht noch weiter: "Der Großteil der Bevölkerung möchte einen konsequenten, progressiven Klimaschutz", sagt er im Gespräch mit t-online. Daher hofft er auf einen öko-sozialen Bürgermeister.

Den Streit um die Kandidatur im Mitte-Links-Lager kann er nicht verstehen. Sowohl Hannes Rockenbauch (SÖS) als auch Marian Schreier (parteilos) treten beim zweiten Wahlgang gegen den Favoriten und CDU-Mann Frank Nopper an. "Als ich davon gehört habe, war ich erst mal enttäuscht, weil ich das als ein grundsätzliches Problem des linken Spektrums ansehe. Es scheitert immer daran, sich irgendwie zu einigen. Die konservativen oder rechten Lager schaffen das und dann haben sie auch immer einen starken Kandidaten. Das führt dann dazu, dass ein Frank Nopper über 30 Prozent bekommt", sagt er.

Auch wenn sein Ziel "Nopper verhindern" lautet, sieht er die Chancen auf einen öko-sozialen Bürgermeister als nicht mehr optimal an. "Ich glaube, da muss man schon realistisch sein", sagt er und bemerkt, dass Frank Nopper von dem Streit im öko-sozialen Lager profitieren werde. Unter ihm würde es allerdings ähnlich weitergehen wie zuletzt. Heckerts Meinung nach habe sich in Stuttgart in den vergangenen Jahren unter Fritz Kuhn (Grüne) zu wenig im Rahmen des Klimaschutzes bewegt.

Kinder und Jugendliche demonstrieren für das Klima (Symbolbild): Auch in Stuttgart ist die Fridays For Future Szene groß. (Quelle: imago images/Lichtgut)Kinder und Jugendliche demonstrieren für das Klima (Symbolbild): Auch in Stuttgart ist die Fridays For Future Szene groß. (Quelle: Lichtgut/imago images)

Doch warum eigentlich? 2019 verabschiedete der Gemeinderat sogar einen Aktionsplan Klimaschutz, der Stuttgart davor bewahren soll, eine unbewohnbare Hitzeinsel zu werden. 200 Millionen Euro stehen dafür bereit, dass die Stadt bis 2050 klimaneutral wirtschaftet. "Das Drehen an den unterschiedlichen Stellschrauben der Verwaltung kann die Umsetzung verwirklichen", sagt beispielsweise CDU-Mann Nopper. Für ihn gehe es insbesondere darum, Ökologie und Ökonomie zu verbinden. Den jungen Menschen reichen solche Aussagen nicht, sagt Heckert. Sie möchten, dass das Geld auch wirklich dort ankommt, wo es gebraucht wird. Der Klimaschutz müsse sozial gerecht gestaltet werden.

Ein Thema liegt ihm besonders am Herzen: Der Verkehr in Stuttgart. "Ich selbst wohne in Mitte, habe keinen Führerschein und ich glaube das lohnt sich auch nicht – aber Fahrradfahren, das macht hier echt keinen Spaß. Wir brauchen eine komplette Verkehrswende in der Stadt und müssen davon wegkommen, dass wir das Auto an oberster Stelle sehen." Erst vor Kurzem hatte die Stadt festgestellt, dass die Stickstoffdioxid-Werte an manchen Stellen der Stadt immer noch hoch sind.

Was also unternehmen? Eines ist klar: Fridays For Future werde auch ohne die durch Corona abgesagten, großen Demonstrationen aktiv sein, um für diese Themen zu kämpfen, zeigt sich der 18-Jährige überzeugt. Man arbeite mit verschiedenen Organisationen, Bündnissen und Politikern zusammen. Der junge Klimaaktivist engagiert sich auch für die deutschlandweite Fridays-For-Future-Bewegung, macht zudem sein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) beim BUND Landesverband Baden-Württemberg.

Doch Heckert geht noch weiter. Um die Themen der jungen Wählerschaft selbst weiter anzupacken, hat er sich für die "KlimalisteBW" im Wahlkreis I von Suttgart als Direktkandidat für die Landtagswahl 2021 nominieren lassen. Heckert hat die junge Liste Ende September mitgegründet. Sie möchte in den Landtag einziehen und bis zum Frühjahr 2021 zusammen mit Wissenschaftlern ein Parteiprogramm für den Klimaschutz ausarbeiten. "Das Ziel ist es, den Druck und das Aktivistische von der Straße in die Parlamente hineinzutragen", visioniert er abschließend.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Jonathan Heckert
  • Twitter-Account der Klimaliste Stuttgart
  • Mit Informationen der dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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