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Kann ich mit smarten Thermostaten Heizkosten sparen?

Von dpa
Aktualisiert am 08.03.2021Lesedauer: 6 Min.
Schön bequem von der Couch die Heizung hochdrehen? Klappt - mit vernetzten Thermostaten.
Schön bequem von der Couch die Heizung hochdrehen? Klappt - mit vernetzten Thermostaten. Eine Geldspargarantie gibt es aber nicht. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn./dpa)
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Potsdam/Hannover (dpa/tmn) - Nachzahlungen von Nebenkosten mag niemand, hohe Gas- oder Ölrechnungen auch nicht. Und nicht jeder hat die Disziplin, auch immer beim LĂŒften oder am Abend die Heizung herunterzudrehen. Und als Mieter hat man im seltensten Fall Einfluss auf den Heizkessel im Keller.

Wie toll, dass es vernetzte Thermostate gibt. Einfach statt der Drehregler anschrauben, Temperaturprofile einstellen und ab dann geht alles automatisch, auch das Geldsparen. Aber ist das wirklich so? Wir haben nachgefragt.

- Smarte Thermostate: Was ist das eigentlich?

Sie funktionieren im Prinzip wie die ĂŒblichen Drehregler, nur halt elektrisch und elektronisch. Das Ventil an der Heizung wird mit einem kleinen Elektromotor geschlossen und geöffnet. Eine Regelelektronik ĂŒberwacht die Temperatur und hĂ€lt die Verbindung zur Steuerzentrale. Das kann je nach Hersteller ein alleinstehende Box oder der Internetrouter sein. So ein Thermostat kostet zwischen 40 und 70 Euro.

- Kann ich damit wirklich Heizkosten sparen?

Manche Hersteller versprechen bis zu 30 Prozent Heizkosteneinsparung. Matthias Wagnitz ist da aber skeptisch. Der Referent fĂŒr Energie- und WĂ€rmetechnik beim Branchenverband ZVSHK sagt: "Wie sehr man sparen kann, hĂ€ngt auch sehr davon ab, wie man vorher geheizt hat." Soll heißen: Wer schon immer abends die Heizung runter dreht und sie tags nicht auf 5 stehen lĂ€sst, kann weniger einsparen als Menschen, die gerne warm schlafen und auch mal aus dem Fenster heizen.

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Auch Nico Jurran vom "c't"-Magazin sagt: "Wenn Sie vernĂŒnftig heizen, dann werden Sie große Schwierigkeiten haben, mit einem normalen Smarthome-Konzept noch etwas zu sparen." Er geht sogar noch weiter: "Die generelle Aussage, dass man Geld spart, ist totaler Quatsch."

- Okay, aber warum ist das eigentlich so?

Das liegt zunĂ€chst einmal daran, dass es nicht die eine Heizung und die eine Wohnsituation gibt. Als Mieter kann man zum Beispiel eine Zentralheizung haben, eine Etagentherme oder FernwĂ€rme. Oder es gibt eine Fußbodenheizung oder Nachtspeicheröfen - dann lassen sich solche GerĂ€te fast nie integrieren. Man kann in einem gut oder einem schlecht isolierten Haus wohnen.

Eigenheimbewohner können alte Kessel mit Guss-Heizungen haben, einen Brennwertkessel, Niedrigtemperaturheizung oder gar in einem Niedrigenergiehaus mit schlauer WĂ€rmesteuerung wohnen. Sie sehen: Das ist so komplex und es gibt so viele mögliche EinzelfĂ€lle, da sind pauschale Sparversprechen wenig glaubwĂŒrdig.

- Aber hat das eigentlich mal einer ausgerechnet?

Ja, die Stiftung Warentest im Jahr 2019. Sie hat in einer Beispielmessung (Mehrfamilienhaus, Wohnung mit 70 Quadratmetern, sechs Heizungen, schlechte Isolierung) ein Einsparpotenzial von gut acht Prozent ermittelt, wenn man zum Beispiel nachts die Temperatur absenkt oder bei Abwesenheit. Zieht man dann noch die Grundkosten ab, bleiben sechs Prozent ĂŒbrig. Das sind bei angenommenen Heizkosten von 1000 Euro im Jahr immerhin 60 Euro, rechnet Reiner Metzger von der Stiftung Warentest vor.

- Hat diese Rechnung vielleicht eine SchwÀche?

Nicht wirklich. FĂŒr die Beispielwohnung ist sie gut und auch ZVSHK-Experte Wagnitz sagt: FĂŒr Mieter in einem schlecht gedĂ€mmten Haus ohne Einfluss auf die Nachtabsenkung der Heizung gibt es durchaus Einsparpotenzial. FĂŒr andere Wohnformen taugt die Rechnung aber nur bedingt.

Bewohner von EinfamilienhĂ€usern können zum Beispiel eine Nachtabsenkung meistens bereits am Kessel einstellen, sagt Matthias Wagnitz. Sie könnten ĂŒber smarte Systeme eventuell noch etwas sparen, indem einzelne RĂ€ume angepasste Heizzeiten bekommen - etwa wenn das Bad nur morgens geheizt wird. Pauschal ausrechnen kann man so etwas aber nicht. Die eine Einsparrechnung fĂŒr alle möglichen Wohnformen gibt es nicht.

- Okay verstanden. Und wann rechnet sich das jetzt?

Möglicherweise nie. Rechnet man mal fĂŒr die sechs Heizkörper der Beispielwohnung 300 Euro Anschaffungskosten fĂŒr die Thermostate, ist man im besten Beispielfall nach fĂŒnf Jahren bei Null. Hinzu kommen Kosten fĂŒr Batterien und - Augen auf - bei manchen Systemen Abopreise fĂŒr Zusatzleistungen. "Wenn Sie das alles gegenrechnen, so viel können Sie hĂ€ufig gar nicht sparen", sagt Nico Jurran.

Hinzu kommt: Mit dem Thermostat lassen sich ja nur die Verbrauchskosten senken. An den GrundgebĂŒhren fĂŒr Ablesen, Abrechnen, Umlagen fĂŒr Treppenhaus oder WohnflĂ€chenanteile und anderen Fixkosten Ă€ndert der schlaueste Thermostat leider nichts. Und: Kein Winter gleicht dem anderen.

- Brauche ich dann ĂŒberhaupt vernetzte Thermostate?

Die einfache Antwort ist: nein. Wer seine Drehregler diszipliniert bedient, kann die Heizkosten auch senken. Die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern rĂ€t etwa zu 21 Grad in hĂ€ufig genutzten WohnrĂ€umen und 18 Grad fĂŒr Schlafzimmer. Die typischen Drehregler sind etwa so eingestellt, dass Stufe 3 etwa 20 Grad entspricht. Jeder weitere Strich auf der Skala entspricht einem Grad. KĂ€lter als 16 Grad sollte es dauerhaft nicht in RĂ€umen sein - sonst könnte erhöhte Feuchtigkeit zu Schimmelbildung fĂŒhren.

Aber: Die einfache Antwort ist nicht immer die beste Antwort. Denn neben möglichen Einsparungen bieten vernetzte Thermostate noch mehr.

Gut eingestellt, sind sie extrem komfortabel. Die Heizung hĂ€lt von selbst die Temperatur, schaltet abends runter, man kann sie von unterwegs schonmal anwerfen, manche Systeme erlauben komplexe Datenauswertungen. Zusammen mit Fensterkontakten lassen sich schlaue Schaltungen bauen - dann schaltet die Heizung etwa beim LĂŒften ab.

Und: "Die smarten Thermostate haben den Vorteil, dass Sie die Temperatur fĂŒr jeden Heizkörper einzeln regeln können", sagt Reiner Metzger. Das ist dann auch bei zentral gesteuerten Heizungen praktisch und jeder kann in jedem Raum seine Wunschtemperatur einstellen.

- Es ist also eine Investition in Komfort?

Ja, da sind sich alle drei befragten Experten einig. "Es ist hĂ€ufig eine Komfortfrage, selten eine Effizienzfrage", sagt Nico Jurran zum Nutzen solcher Systeme. "Wer seine Heizung per Sprachbefehl steuern will, soll das machen." Vernetzte Lösungen haben auch den Vorteil, dass man alles bequem zentral per App oder im Browser einstellen kann. Zum Beispiel Heizzeiten fĂŒr das ganze Jahr.

Ist die Heizung aus, öffnen und schließen etliche Lösungen regelmĂ€ĂŸig die Ventile. So verkalkt nichts. Einmal eingerichtet, muss man sich also kaum mehr um die Heizung kĂŒmmern. Und das spart vielleicht kein Geld, verhindert dafĂŒr vielleicht aber manchen Krach mit den Mitbewohnern. Das ist auch viel wert.

- Was ist mit versteckten Kosten oder SchwÀchen?

Nico Jurran erinnert sich bei manchen getesteten GerĂ€ten an "echte QualitĂ€tsprobleme". Im Test der Stiftung Warentest, berichtet Reiner Metzger, gab es keine AuffĂ€lligkeiten bei QualitĂ€t und Funktion der zehn geprĂŒften Modelle. Langzeitdaten, sagt Metzger, gibt es aber zur Haltbarkeit der GerĂ€te nicht. Zum Vergleich: Ein normaler Schraubthermostat hĂ€lt leicht mehrere Jahrzehnte. Wie lange die smarten BrĂŒder durchhalten, wird sich noch zeigen.

Weitere Kosten fallen natĂŒrlich fĂŒr Batterien an und - so ehrlich muss man sein - den BatteriemĂŒll sollte man nicht vergessen. Weitere mögliche Kosten gibt es laut Nico Jurran etwa fĂŒr zusĂ€tzliche TemperaturfĂŒhler. Mit ihnen lĂ€sst sich die gerade in grĂ¶ĂŸeren RĂ€umen unprĂ€zise Temperatursteuerung direkt am Thermostat mit extra Daten vom anderen Raumende besser einstellen.

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Bei manchen Systemen gibt es auch monatliche Kosten fĂŒr die Nutzung von zusĂ€tzlichen Komfortfunktionen. Und auch der beliebte Schaltablauf-Dienst IFTTT (If this then that) ist mittlerweile ab der vierten Schaltung kostenpflichtig.

- Gibt es vielleicht einen gĂŒnstigeren Weg zur schlauen Heizung?

Wer nicht zentral programmieren will und auch keine App- oder Sprachsteuerung braucht, kann auch einfachere elektronische Thermostate wĂ€hlen. Sie sind mit Anschaffungspreisen von 10 bis 30 Euro deutlich billiger und nicht vernetzt, man kann aber einzeln Heizzeiten programmieren. So lassen sich Grundfunktion der Heizung automatisieren. Manche der GerĂ€te können auch erkennen, ob gelĂŒftet wird oder nicht.

"Das ist die niedrigschwelligste Sache, die Sie mit Ihrer Heizung machen können", sagt Reiner Metzger. Den zusÀtzlichen Komfort des Smarthome-Systems hat man dann aber nicht.

- Und jetzt? Vernetzen, Programmieren oder weiter drehen?

Zusammengefasst: Ob man mit vernetzten Thermostaten wirklich Geld spart, ist nach Expertenmeinung Ă€ußerst fraglich. In manchen FĂ€llen mag das so sein und die Heizkosten sinken tatsĂ€chlich. In vielen anderen FĂ€llen dĂŒrfte der Kostenaspekt eher kein Grund zum UmrĂŒsten auf vernetzte Thermostate sein. Hier wĂ€re dann eher der unbestrittene Komfort solcher Lösungen ein Argument fĂŒr die Investition.

Programmierbare elektronische Thermostate sind auf jeden Fall die gĂŒnstigere Lösung. Wer nun Anschaffungskosten, Installation und Batterietausch meiden will, nutzt am besten weiter die alten Schraubthermostate - mit der nötigen Disziplin.

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