Sie sind hier: Home > Leben > Familie > Familienleben >

Gewalt an Frauen: Hilferuf – dieses Handzeichen sollte jeder kennen

Gewalt an Frauen  

Ein Handzeichen sollte jeder kennen

21.06.2020, 17:36 Uhr
Diskreter Hinweis: Dieses Handsignal kann Leben retten

In Kanada wurde ein Handsignal entwickelt, mit dem Opfer häuslicher Gewalt diskret auf sich aufmerksam machen können. Das Signal kann beispielsweise während eines Videoanrufs verwendet werden. (Quelle: t-online.de)

Diskreter Hilferuf in auswegloser Situation: Mit diesem einfachen Handsignal können Opfer häuslicher Gewalt auf sich aufmerksam machen. (Quelle: t-online.de)


Es ist nur eine kleine, scheinbar unauffällige Geste, doch sie kann Menschenleben retten – vor allem während der Corona-Krise. Denn nur wenige Frauen und Männer haben jetzt die Möglichkeit, nach Hilfe zu rufen.

Knapp jede dritte Frau in Deutschland ist schon einmal Opfer psychischer oder beziehungsweise und sexueller Gewalt geworden. Nicht selten auch durch ihren Partner. Häufig trauen sich die Betroffenen jedoch nicht, andere um Hilfe zu bitten. Teilweise bietet sich für sie auch gar keine Möglichkeit dazu – wie beispielsweise während des Lockdowns in der Corona-Krise. Offen und unbefangen zu reden – sei es mit einer Freundin, einem Familienmitglied oder bei einer Anlaufstelle für häusliche Gewalt – war und ist für viele Betroffene noch immer kaum möglich. Nicht einmal per Telefon. Denn in vielen Fällen kontrolliert der gewalttätige Partner jeden Schritt seines Opfers und lässt ihm kaum oder keine Privatsphäre. 

Die kanadische Stiftung für Frauen (Canadian Women's Foundation) hat nun eine Handbewegung initiiert, mithilfe derer Opfer häuslicher Gewalt in Videocalls stillschweigend zeigen können, dass sie Hilfe benötigen und sich jemand bei ihnen melden soll. Wie diese Handbewegung unauffällig ausgeführt werden kann, sehen Sie im Video oben oder hier.

Zwar ist die Einhandgeste vorwiegend für den Schutz von Frauen bei häuslicher Gewalt ins Leben gerufen worden. Da laut der Kriminalstatistischen Auswertung zur Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamtes jedoch knapp 19 Prozent der Männer ebenfalls hierunter leiden, kann die Bewegung auch von ihnen genutzt werden.

Handzeichen bei Gewalt
Heben Sie Ihre Hand senkrecht, sodass Ihr Gegenüber Ihre Handfläche sehen kann. 
Knicken Sie Ihren Daumen ein. Er liegt nun in der Handinnenfläche.
Legen Sie die restlichen Finger der Hand langsam über den Daumen, sodass eine Faust entsteht.

Was sollten Sie tun, wenn Sie das Zeichen sehen?

Sollte Ihr Gesprächspartner im Videocall diese Handbewegung machen, ist es wichtig, sowohl umgehend als auch bedacht zu handeln, um sie oder ihn nicht weiter oder noch mehr zu gefährden.   

Die Stiftung rät dazu, den Betroffenen kurze Fragen zu schnellen, die leicht mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden können. Dadurch könne das Risiko reduziert werden, falls eine weitere Person mithört, heißt es. Wichtig ist hierbei allerdings, dass das Opfer Kopfhörer trägt, damit andere die gestellten Fragen nicht mithören können. Vorgeschlagen werden unter anderem die Fragen:

  • "Soll ich den Notruf für dich rufen?"
  • "Soll ich in deinem Namen jemanden von der Schutzstelle anrufen?"
  • "Soll ich jemanden anrufen, der dir helfen und zurückrufen kann?"

Wichtig ist auch, so die Stiftung, andere Kommunikationsmittel wie zum Beispiel SMS, WhatsApp oder Social-Media-Messenger zu verwenden, die sicher sind und ein Mithören oder Mitlesen nicht ermöglichen. Hierbei ist allerdings wichtig, dass der Täter keinen Zugang zu den Accounts des Opfers hat, um den Schutz zu gewähren. Auf diesen Wegen können dann weitere Fragen wie

  • "Wie geht es dir?"
  • "Wie kann ich dir helfen?"
  • "Wie kann ich dich unterstützen?"
  • "Soll ich mich regelmäßig bei dir melden?"

gestellt werden.

Anlaufstellen für Männer und Frauen

Hilfesuchende Frauen können sich anonym an die Stelle "Gewalt gegen Frauen" wenden. Sie ist täglich unter der Rufnummer 08000 116 016 zu jeder Uhrzeit kostenlos erreichbar. Auch Dolmetscherinnen sind bei der Beratungsstelle tätig. 

Für Männer, die beispielsweise von häuslicher und sexualisierter Gewalt bedroht sind, ist ebenfalls eine Hilfsstelle eingerichtet. Sie ist unter der Rufnummer 0800 123 99 00 erreichbar. 

Verwendete Quellen:

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal