Foto-Serie: Die Helden von Utvika

Marcel Gleffe deutet vom Ufer des Tyrifjord auf die Insel Utoya. Der 32-Jährige arbeitet seit zweieinhalb Jahren als Dachdecker in Norwegen, zurzeit verbringt er gemeinsam mit seinen Eltern Walter und Heidrun den Urlaub an dem See.

Marcel Gleffe mit Mutter Heidrun und Vater Walter: Die Familie handelte während des Massakers wie ferngesteuert, schnell, ohne eine Sekunde Zeit zu verlieren. Erst am Tag danach beginnt der 32-Jährige langsam zu begreifen, was geschehen ist: "Gestern ging es noch, heute wird einem schlecht, da wird einem einfach nur schlecht."

Marcel Gleffe hatte sich für die Woche am See ein Motorboot gemietet. Als die Familie realisiert, dass auf der Insel Unvorstellbares passiert und viele über den See zu fliehen versuchen, fährt er den Flüchtenden entgegen - und rettet nach eigener Schätzung mehr als 20 Jugendliche aus dem Wasser. "Es ist doch ganz selbstverständlich, was wir gemacht haben", sagt der Dachdecker am Tag nach seiner Heldentat.

Rückblick: Freitagnachmittag, 22. Juli 2011, Insel Utoya. Ein Spezialkommando stürmt auf die Insel, während sich völlig verängstigte Menschen hinter einer Steinmauer verbergen. Anders Breivik hatte sich Zugang zu einem sozialdemokratischen Jugend-Camp verschafft und dort das Feuer eröffnet.

Dort herrscht der blanke Horror. Der 32-jährige Attentäter macht in dem Camp der Arbeiterpartei des damaligen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg Jagd auf Menschen und tötet 69 der fast 600 Teilnehmer.

Über 100 Menschen werden verletzt.

Helfer betreuen schockierte Jugendliche. Neben politischen Workshops wollten sie auf der Urlaubsinsel auch ein Fußball- und ein Volleyballturnier veranstalten.

Die Schießerei dauert rund eineinhalb Stunden. Die Jugendlichen flüchten sich unter Betten, in den Wald oder stürzen sich in den See, um den Kugeln zu entkommen.

Die wenigen Boote - teils gesteuert von privaten Helfern - können während des Massakers zunächst nicht alle Flüchtlinge aufnehmen, die sich schwimmend zu retten versuchen.

Der Attentäter Anders Behring Breivik kurz nach seiner Festnahme: Der Besitzer eines Bio-Bauernhofes wird angetrieben von rechtsextremen und islamfeindlichen Ansichten und paranoiden Ängsten vor der Überfremdung Europas. Vor Gericht spricht er später von "Notwehr".

In diesem Haus hat Breivik gewohnt. Er hat angeblich seit dem Frühjahr große Mengen Kunstdünger bei einer polnischen Firma gekauft, um Sprengstoff herzustellen.

Diese Farm, rund 150 Kilometer nördlich von Oslo, hatte Anders Breivik angemietet. Bei seinem Chemikalienkauf ist er auch dem Inlandsgeheimdienst PST aufgefallen. Dem reichen die Hinweise zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht aus, um weiter zu ermitteln.

Schauplatz Oslo, 15.30 Uhr, vor dem Utoya-Massaker: Eine Explosion hat die Innenstadt erschüttert. Rauch steigt über dem Öl- und Energieministerium auf.

Die Rettungskräfte sind sofort vor Ort, aber für acht Menschen kommt jede Hilfe zu spät. Auch dieses Blutbad hat Anders Breivik gestanden.

Hunderte Menschen werden bei der Explosion teils schwer verletzt.

Passanten kümmern sich um die Verwundeten.

Der Anschlag zielt auf das Herz der norwegischen Demokratie: Im Regierungsviertel gibt es zahlreiche Schäden, auch das Büro von Ministerpräsident Jens Stoltenberg wird beschädigt.

In diesem Auto soll die Bombe mit 500 Kilogramm Sprengstoff explodiert sein.

Die Innenstadt wird zunächst von der Polizei, dann vom Militär gesichert.

Stoltenberg reagiert bestürzt, aber entschlossen: "Niemand wird uns mit Bomben zum Schweigen bringen."

Stoltenberg wollte dem politischen Camp auf Utoya einen Besuch abstatten - galt der Anschlag auch ihm?

Die beiden Tatorte liegen nur 40 Kilometer auseinander.

Die Norweger sind geschockt. Im Internet bilden sich sofort Gruppen, die sich gegen Anders Breivik richten - wie hier auf Facebook

Überlebende des Massakers von Utoya und ihre Angehörigen brechen beim Besuch des norwegischen Königs Harald in Tränen aus.

In der Innenstadt von Oslo haben trauernde Bürger Blumen mit norwegischen Fahnen niedergelegt.

Bald kommen immer mehr Details über Breivik ans Licht. Hier posiert er im Internet mit einer Waffe - kurz vor der Tat hat er ein Manifest mit seinen radikalen Ansichten veröffentlicht.