Sie sind hier: Home > Regional > Berlin >

Kentler-Experiment in Berlin: Missbrauch-Skandal zieht bundesweite Kreise

Kentler-Experiment in den 60ern  

Berliner Missbrauch-Skandal zieht bundesweite Kreise

06.05.2021, 14:37 Uhr | loe, t-online

Kentler-Experiment in Berlin: Missbrauch-Skandal zieht bundesweite Kreise. Berliner Senatsverwaltung: Die Behörde hat ein neues Forschungsprojekt in Auftrag gegeben, dass den Fall Kentler weiter aufarbeiten soll. (Quelle: imago images/ Stefan Zeitz)

Berliner Senatsverwaltung: Die Behörde hat ein neues Forschungsprojekt in Auftrag gegeben, dass den Fall Kentler weiter aufarbeiten soll. (Quelle: Stefan Zeitz/imago images)

Damals waren Berliner Problemkinder wissentlich an pädophile Männer vermittelt worden. Nun zeigen sich Hinweise auf das Vergehen auch in anderen Teilen der Republik.

Bei der Aufarbeitung des Kentler-Skandals aus den 60er-Jahren tun sich nun weitere Abgründe auf. Nicht nur in Berlin sollen der Sozialwissenschaftler und Pädagoge Helmut Kentler und die Jugendämter Kinder aus schwierigen Verhältnissen wissentlich an pädosexuelle Männer vermittelt haben. Es soll ein Netzwerk gegeben haben, dass Verbindungen zu Jugendämtern auch in Westdeutschland pflegte.

Die Bundesländer sind nun dazu aufgerufen, Ermittlungen zum Fall aufzunehmen, teilt die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie am Donnerstag mit. Sie habe ein drittes Forschungsprojekt dazu in Auftrag gegeben, so die Jugendsenatorin Sandra Scheeres.

Behörden wussten von Missbrauch an Kindern

In dem bis heute beispiellosen Experiment und Skandal der Jugendhilfe sollten die 13 bis 15-jährigen vermittelten Kinder von ihren neuen Pflegevätern und ihrer Pädophilie  profitieren, argumentierte Kentler zu Lebzeiten. Er starb 2018. Die Berliner Senatsverwaltung finanzierte mehrere der pädophilen Pflegestellen, wusste also von diesem "Experiment". Dieses lief bis in die 2000er-Jahre.

In den vergangen Jahren habe sich das Land Berlin die Aufarbeitung des Falles zur Aufgabe gemacht und Forschungsprojekte gefördert. Im Abschlussbericht der Universität Hildesheim von 2020 steht, dass es ein Netzwerk an Akteuren gebe, "das pädophile Positionen gestärkt und legitimiert hat. Pädophile Übergriffe wurden in unterschiedlichen Konstellationen nicht nur geduldet, sondern auch arrangiert und gerechtfertigt."

Dieser Bericht zeigt Verbindungen zu Jugendämtern in Westdeutschland und zu wissenschaftlichen Institutionen. Es wurden ab den 1970er Jahren durch das Berliner Landesjugendamt auch Pflegestellen in Westdeutschland "bei alleinstehenden Männern eingerichtet, die pädophile Positionen akzeptiert, gestützt und praktiziert haben."

In dem dritten Forschungsprojekt sollen nun die bundesweiten Verflechtungen genauer untersucht werden. Die Senatsverwaltung unterstützt die Weiterführung des Aufarbeitungsprozesses – auch hinsichtlich pädophiler Netzwerke, die über Berlin hinausgingen.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
10-Tages-Vorhersage

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal