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Dortmund: "Es gibt schwarze Schafe" – Wirbel um die Tuning-Szene


"Es gibt immer schwarze Schafe" – Wirbel um die Tuning-Szene

Von David Peters

Aktualisiert am 25.01.2021Lesedauer: 3 Min.
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Ein Auto fährt auf eine Rampe: Der Dortmunder Wall ist zum Hotspot für eine überregionale Raser- und Autoposerszene geworden.
Ein Auto fährt auf eine Rampe: Der Dortmunder Wall ist zum Hotspot für eine überregionale Raser- und Autoposerszene geworden. (Quelle: David Peters/leer)
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Der Dortmunder Wall ist zum Hotspot für eine überregionale Raser- und Autoposer-Szene geworden. Stadt und Polizei versuchen, die Lage mit Tempolimits und Großkontrollen zu entschärfen.

Aufheulende Motoren, illegale Rennen, Musik auf den Parkplätzen – viele Anwohner sind von den Zuständen am Wall genervt. Auch am Samstagabend sind die Parkplätze gut gefüllt und an den Ampeln suchen Sportwagenfahrer den Gegner für das nächste Rennen. Seit der Corona-Pandemie hat sich das Problem noch verschlimmert, berichtet eine Anwohnerin. Weil sie bereits mehrfach von Personen der Raser- und Tuning-Szene angegangen wurde, möchte sie anonym bleiben. Auf dem Twitteraccount "Stop Wallraser" schildert sie regelmäßig die Zustände vor ihrer Wohnung. Nicht nur der ständige Lärm stört sie: "Rote Ampeln und Radfahrstreifen werden teilweise einfach ignoriert. Das kann für Unbeteiligte extrem gefährlich werden."

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Die Stadt Dortmund versucht, mit einem Tempolimit die Situation zu beruhigen. Seit Freitag gilt von 21 bis 5 Uhr am Wall Tempo 30. Damit versuche man "den Wall für die Szene unattraktiv zu machen sowie Lärm- und Abgasbelästigungen für die Anwohnerinnen und Anwohner zu reduzieren", so die Stadt. Das Grundproblem würde durch das Tempolimit nicht behoben werden, befürchtet die Anwohnerin. "Wir haben hier schon wirklich alles an Verstößen erlebt", erzählt sie, während zwei Wagen betont langsam nebeneinander herfahren und miteinander sprechen. An der Ampel geben die beiden Gas.

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Die Stadt Dortmund versucht mit einem Tempolimit die Situation zu beruhigen.
Die Stadt Dortmund versucht mit einem Tempolimit die Situation zu beruhigen. (Quelle: David Peters)

Parkplätze zur Boxengasse umfunktioniert

Neben der Straße stehen auch die umliegenden Parkplätze im Fokus. Die "Wallraser" nutzen sie als "Boxengasse" zum Feiern oder Kennenlernen. Um das zu verhindern, werden die Parkplätze regelmäßig vom Ordnungsamt oder der Polizei abgesperrt – so auch am Samstagabend. Das sorgt bei einem anliegenden Imbissbetreiber für Unverständnis. Das Geschäft laufe wegen Corona ohnehin schon schlecht, sagt er. Die Absperrung würden verhindern, dass Kunden zu ihm kommen. Auch das Ausliefern sei komplizierter, weil sein Fahrer wegen der Sperrungen nicht vor dem Laden parken kann. Er ist genervt: "Ich kann doch nichts dafür, aber muss darunter leiden." Zwei Polizistinnen, die den Parkplatz abgeriegelt und mehrere Fahrzeuge kontrolliert hatten, suchen das Gespräch und zeigen Verständnis für die Situation des Gastronomen. Der Parkplatz bleibt trotzdem gesperrt.

Die 21-jährigen Daniel und Caner sind am Samstagabend, wie fast jedes Wochenende, am Wall unterwegs. Sie stehen in der "Boxengasse" am Ostwall. "Das ist halt ein Treffpunkt. Man lernt Leute kennen und quatscht ein bisschen über die Autos", berichten die beiden. Durch die Corona-Pandemie sei noch mehr los: "Man kann ja sonst nichts mehr machen", so Caner. Vom verhängten Tempolimit halten die beiden nichts: "Das verursacht nur Stau", meint Daniel.

Hoher Kontrolldruck durch die Polizei

Am nächsten Parkplatz wird das erste Fahrzeug durch die Polizei sichergestellt. Der Fahrer hatte es bei der Tieferlegung seines Wagens übertrieben. Auf dem Abschleppwagen dreht der weiße Audi seine vorerst letzte Runde auf dem Wall. Vor dem Stadtgymnasium haben Polizei und Ordnungsamt den Wall einseitig auf eine Fahrspur begrenzt. Fahrzeuge, die den Beamten verdächtig erscheinen, werden raus gewunken und kontrolliert. Viele der Fahrzeuge haben kein Dortmunder Kennzeichen. Solche Großkontrollen sind am Wall ebenfalls an der Tagesordnung. In der Woche zuvor überprüften die Beamten an zwei Abenden fast 500 Fahrzeuge. An diesem Wochenende sind es 263.

Von der anderen Straßenseite beobachten einige Männer das Geschehen. Einer von ihnen ist sauer. Am Vortag hatten Polizisten bei einer Großkontrolle seinen goldenen BMW sichergestellt. Er gehört schon länger zur Poser-Szene. Warum diese sich immer auf dem Dortmunder Wall trifft, kann er nicht sagen. Es habe sich einfach so entwickelt. "So einen Treffpunkt gibt es nirgendwo sonst. Viele Leute kommen von außerhalb. Das ist ein sehen und gesehen werden", erklärt er. Die Beschwerden der Anwohner kann der Mitte 30-Jährige nachvollziehen. "Es gibt immer schwarze Schafe, aber die meisten von uns halten sich an die Regeln."

An diesem Samstag zieht die Polizei erneut fünf Autos aus dem Verkehr – sechs weniger als am Vorabend. Dazu kamen noch weitere kleine Verstöße und 19 Geschwindigkeitsüberschreitungen. Die Stadt stellte zudem 51 Anzeigen wegen Verstoßes gegen die Corona-Schutzverordnung und das Landesimmisionsschutzgesetz. Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange stellt klar: "Der öffentliche Straßenverkehr ist keine Eventmeile. Das gilt erst recht auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie." Man wolle den Kontrolldruck aufrechterhalten: "Es können sich alle darauf verlassen, dass wir mit unseren aufwändigen Kontrollmaßnahmen nicht eher locker lassen werden, bis wir nachhaltige Verbesserungen erzielt haben."

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Verwendete Quellen
  • Pressemitteilungen Polizei Dortmund und Stadt Dortmund
  • Eigene Recherche
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Von Thomas Terhorst
Polizei

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