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Erfurt: "Balu" hilft "Mogli" – junge Erfurter für Engagement geehrt

INTERVIEW"Held des Monats"  

"Balu" hilft "Mogli" – junge Erfurter für Engagement geehrt

Von Anne-Sophie Schakat

01.11.2020, 10:00 Uhr
Erfurt: "Balu" hilft "Mogli" – junge Erfurter für Engagement geehrt. Die "Balus" Elisa Marie Ißle und Vanessa Seidel (Mitte) mit ihren "Moglis": Die Stadt Erfurt ehrt Studierende und Azubis für ihr ehrenamtliches Engagement beim Mentorenprogramm "Balu und Du". (Quelle: Landeshauptstadt Erfurt)

Die "Balus" Elisa Marie Ißle und Vanessa Seidel (Mitte) mit ihren "Moglis": Die Stadt Erfurt ehrt Studierende und Azubis für ihr ehrenamtliches Engagement beim Mentorenprogramm "Balu und Du". (Quelle: Landeshauptstadt Erfurt)

Fast wie im Dschungelbuch: Im Mentorenprogramm "Balu und Du" helfen Studierende und Azubis Grundschulkindern dabei, sich im Dschungel des Alltags gut zu entwickeln. Die Stadt Erfurt ehrt sie nun für ihr Engagement.

"Großes Engagement für kleine Persönlichkeiten": So lautet das Motto des bundesweiten Projekts "Balu und Du", das sich die außerschulische Förderung von Grundschulkindern zur Aufgabe gemacht hat. Auch in Erfurt helfen Studierende und Azubis – die "Balus" – den städtischen Sprösslingen – den "Moglis – dabei, sich in unserer Gesellschaft zu entwickeln und Herausforderungen des Alltags zu meistern. Im November werden die jungen Leute von der Stadt Erfurt als "Helden des Monats" für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt. 

Karola Kochinke arbeitet als Jugendschutzbeauftragte im Jugendamt Erfurt und koordiniert das Projekt. Mit t-online hat sie über das Programm und die besondere Bindung zwischen "Balus" und "Moglis" gesprochen. 

t-online: Worum geht es bei "Balu und Du"? 

Karola Kochinke: "Balu und Du" ist ein bundesweites Mentorenprojekt. Im Rahmen des Programms übernehmen junge Erwachsene im Alter zwischen 17 und 30 Jahren für ein Jahr eine individuelle Patenschaft für ein Grundschulkind. In Erfurt sind wir mit dem Programm bereits im elften Jahr.

Es geht dabei auch um Prävention, denn die Kinder kommen aus allen sozialen Schichten und brauchen ein wenig mehr Zuwendung als andere Kinder. Häufig kommen sie aus Familien mit vielen Geschwistern, in denen es den Eltern manchmal schwerfällt, sich auf ein Kind zu fokussieren. Andere sind wiederum sehr schüchtern und brauchen ein wenig Hilfe bei der Stärkung des Selbstbewusstseins.

Woher der Name "Balu und Du"?

Der Name des Projekts ist von der Erzählung des Dschungelbuchs inspiriert. Hier hilft der große Bär "Balu" dem kleinen "Mogli" durch den Dschungel.

Wie kommen Kinder – die "Moglis" – in das Programm? 

Das geschieht auf ganz unterschiedlichen Wegen. Wir kooperieren seit langem mit Erfurter Grundschulen. Dadurch hat sich das Projekt schon in der Stadt herumgesprochen. Eltern wenden sich auch direkt an uns, weil der Sohn oder die Tochter Freunde in der Schule hat, die von den Erlebnissen mit ihrem "Balu" erzählen und das Kind sich dann selbst einen wünscht.

Kollegen vom Jugendamt melden sich ebenfalls bei uns, wenn ihnen im beruflichen Alltag Kinder auffallen, die eine persönliche Zuwendung besonders verdient hätten. Auch mit Freizeiteinrichtungen stehen wir in Kontakt. Grundvoraussetzung ist dabei aber immer, dass die Kinder das auch selbst möchten. Wir können natürlich niemanden gegen seinen Willen im Projekt aufnehmen.

Wie werden Studierende und Auszubildende auf das Programm aufmerksam? 

Das Projekt wird regelmäßig zum Schuljahresbeginn an den Ludwig-Fresenius-Schulen am Roten Berg vorgestellt. Hier werden unter anderem Erzieher ausgebildet. Da die Azubis künftig im sozialen Bereich arbeiten wollen, passt das natürlich gut und wir freuen uns, dass die Schule so toll mit uns kooperiert. Aber auch auf Projektmessen, an der Fachhochschule und an der Uni werben wir für "Balu und Du". Ganz viel läuft aber über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Kann jeder Studierende oder Azubi ein "Balu" werden?

Wir haben eine ganz bunt gemischte Truppe an "Balus". Viele wollen später im sozialen Bereich arbeiten, andere sind hingegen ganz artfremd in ihren Berufen. Wir hatten schon Anwälte, Security-Mitarbeiter, Sachbearbeiter, da ist alles dabei. Es ist auch nicht Voraussetzung, dass man eine Erzieherausbildung oder ein entsprechendes Studium absolviert. Theoretisch kann jeder im Alter zwischen 17 und 30 Jahren, der sich sozial und ehrenamtlich engagieren will, zu uns kommen.

Wir führen aber mit jedem potenziellen "Balu" sehr ausführliche Gespräche, bevor wir ihn in unser Team aufnehmen. Wichtig ist vor allem Verlässlichkeit. Die Kinder in unserem Programm haben diese Verbindlichkeit zu Hause leider nicht immer. Umso wichtiger ist es, dass sie sich zu über hundert Prozent auf ihre "Balus" verlassen können. Nur so können sie Vertrauen in Erwachsene gewinnen. Jedem, der bei uns mitmachen will, muss klar sein, dass er Verantwortung für ein Kind übernimmt und nichts schlimmer ist, als seinen "Mogli" zu enttäuschen.

Wie läuft so eine Patenschaft ab? 

"Balu" und "Mogli" treffen sich einmal wöchentlich in der Freizeit – also außerhalb von Schule und Familie – um gemeinsam ein paar schöne Stunden zu verbringen. Häufig erinnern sich unsere "Balus" daran, was sie in der Kindheit gerne gemacht haben und unternehmen das dann mit den Kindern.

Was passiert nach der einjährigen Patenschaft?

95 Prozent unserer Erfurter "Balus" treffen sich auch später noch weiterhin mit ihren "Moglis". Das freut uns sehr. Kinder und Eltern wissen zwar, dass die Patenschaft zeitlich begrenzt ist, aber die "Moglis" können das natürlich gar nicht richtig fassen. Deswegen ist es auch für sie gut, wenn die Treffen nicht von heute auf morgen abgebrochen werden, sondern langsam auslaufen.

Einige "Balus" halten auch Schriftkontakt zu den Kindern. Viele Studierende und Azubis kehren nach ihrer Ausbildung wieder in die Heimat zurück oder ziehen weiter. Manche kommen dann extra nochmal nach Erfurt, um ihre "Moglis" zu besuchen. Das spiegelt auch die enge Beziehung wider, die zwischen den Kindern und den jungen Leuten während der Patenschaft entsteht.

Wie viele Patenschaften gibt es derzeit in Erfurt?

Zurzeit haben wir fünf aktive "Balus". In der kommenden Woche lernen sich aber wieder Paare kennen. So haben wir dann – wenn alles klappt – neun weitere Gespanne in Erfurt. Wir freuen uns aber auch weiterhin über Interessierte. Viele Kinder könnten noch in das Programm aufgenommen werden. Das steht und fällt aber mit dem Engagement der jungen Leute.

Was erhoffen Sie sich von der Kampagne "Held des Monats"?

Ich finde es ganz toll, dass wir uns auf diesem Weg bei allen "Balus" bedanken und ihre Arbeit würdigen können. Die jungen Leute sind ja noch in der Ausbildung und könnten manchmal vielleicht sogar selbst noch einen "Balu" gebrauchen. Umso schöner ist es, dass sie sich für die Kinder sowohl in Erfurt als auch bundesweit engagieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Disclaimer: Das Nachrichtenportal t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group, in deren Zusammenarbeit die Plakataktion entstanden ist. 

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Karola Kochinke

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