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"Held des Monats": Erfurterin setzt sich für Menschen mit Behinderung ein


Menschen mit Behinderung: "Redet mit statt über uns"

  • Anne-Sophie Schakat
Von Anne-Sophie Schakat

01.01.2021Lesedauer: 3 Min.
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Erfurts "Helden des Monats": Nancy Frind und Rene Strobach setzen sich für die Belange von Menschen mit Behinderung ein. (Quelle: Landeshauptstadt Erfurt)

Um die Situation von Menschen mit Behinderung in Erfurt zu verbessern, setzt sich Nancy Frind für Betroffene ein. "Kämpfen lohnt sich", erklärt die 36-Jährige im Gespräch mit t-online.

Noch immer bekommen Menschen mit Behinderung, ihre Wünsche und Sorgen im Alltag zu wenig Aufmerksamkeit – auch in der Corona-Krise. Um das zu ändern, setzen sich Nancy Frind und Rene Strobach in Erfurt für die Belange von Betroffenen ein. Von der Stadt werden beide im Januar als "Helden des Monats" für ihr Engagement geehrt.

Der Hotelbetriebswirt Strobach ist Mitglied der Freien Wähler und engagiert sich seit Jahren in der Arbeitsgruppe "Barrierefreies Erfurt". Außerdem ist er als Erheber im Rahmen des Projektes "Reisen für Menschen mit Behinderung" aktiv. Nancy Frind arbeitet als Werkstatträtin und Frauenbeauftragte in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung im Christophoruswerk. Als aktives Mitglied der LAG Linke Selbstbestimmte Behindertenpolitik kämpft sie für die Belange von Betroffenen.

Im Gespräch mit t-online erzählt Frind von ihrer Arbeit und Herausforderungen durch die Corona-Pandemie. An Politik und Gesellschaft stellt die 36-Jährige eine wichtige Forderung.

t-online: Frau Frind, Sie arbeiten in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, sind dort Werkstatträtin und Frauenbeauftragte. Was genau sind Ihre Aufgaben?

Ich kümmere mich um die Rechte der Beschäftigten, besonders auch um die der Frauen. Ich setze mich sehr stark für Gleichstellung ein. Als Werkstatträtin ist es mir wichtig, den Beschäftigten bei Fragen und Sorgen zu helfen und diese auch an unsere Chefs weiterzutragen.

Brauchen Frauen mit Behinderung besondere Zuwendung?

Definitiv! Gerade über das Thema Gewalt gegen Frauen mit Behinderung wird wenig gesprochen. Wir selbst bekommen das in unserer täglichen Arbeit immer wieder mit. Deshalb versuche ich als Frau mit Behinderung auf das Thema aufmerksam zu machen. Das ist mir sehr wichtig. Ich möchte zeigen: "Wir sind auch noch da!"

Erfahren die Betroffenen Gewalt eher bei der Arbeit oder im privaten Raum?

Bei uns in der Werkstatt sind mir solche Fälle nicht bekannt. Meist erfahren die Frauen Gewalt eher im Privatleben. Es ist deshalb besonders wichtig, dass die Betroffenen selbst auf mich zukommen und von ihren Problemen berichten. Ich kann sie schließlich nicht bedrängen.

Vor welche Herausforderungen stellt die Corona-Pandemie Sie und Ihre Kollegen?

Der erste Lockdown war für uns sehr schwer. Es kam zu vielen Rückschlägen. Das lag daran, dass psychische Erkrankungen noch nicht so stark im Mittelpunkt stehen wie andere Behinderungen. An uns Menschen mit psychischen Erkrankungen wurde damals nicht genug gedacht.

Das größte Problem war die Einsamkeit. Viele der Menschen, um die ich mich kümmere, haben kaum Freunde und Familie. Ich selbst konnte mich glücklicherweise gut ablenken, weil ich viele Menschen kenne und Freunde habe. Dieses Glück haben die meisten mit psychischer Erkrankung aber nicht.

Mittlerweile sind die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Thüringen aber wieder geöffnet – auch jetzt im zweiten Lockdown. Dafür haben wir als Werkstattrat sehr gekämpft und ich bin stolz darauf, dass wir das durchgesetzt bekommen haben.

Finden Sie, dass Menschen mit Behinderung in der Krise vergessen wurden?

Zu Beginn der Krise auf jeden Fall. Ohne Vorwarnung wurden die Werkstätten über Monate geschlossen. Das war für uns alle ein Schock. Doch dann habe ich mich bei den Verantwortlichen dafür eingesetzt, dass die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen wieder geöffnet werden. Ich habe so lange genervt, bis ich mein Ziel erreicht habe. Es macht mich sehr stolz, dass wir das geschafft haben und die Einrichtungen auch im zweiten Lockdown offenbleiben können. Kämpfen lohnt sich!

Was hätte anders laufen müssen? Was sollten wir aus der Krise lernen?

Die Inklusion ist während des ersten Lockdowns hinten runtergefallen. Das war angesichts der schwierigen Lage verständlich, sollte aber auf keinen Fall nochmal passieren. Auch in der Krise muss an Menschen mit Behinderung gedacht werden.

Am wichtigsten ist meiner Meinung nach, mit den Betroffenen zu sprechen. Die Verantwortlichen können uns doch ganz einfach fragen, was wir brauchen. Die Politik muss dringend mit statt über uns reden. Dafür setze ich mich auch in Zukunft weiter ein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Disclaimer: Das Nachrichtenportal t-online ist ein Angebot der Ströer Content Group, in deren Zusammenarbeit die "Held des Monats"-Aktion entstanden ist.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Nancy Frind
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