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Kiel: So wollen Künstler Gaarden attraktiver machen

Kunst oder Schmierereien?  

Wie Graffitis Gaarden attraktiver machen sollen

14.07.2021, 10:15 Uhr
Kiel: So wollen Künstler Gaarden attraktiver machen. Streetart auf dem Iltisbunker: Streetart macht Menschen neugierig auf den Stadtteil. (Quelle: Büro Soziale Stadt Gaarden)

Streetart auf dem Iltisbunker: Streetart macht Menschen neugierig auf den Stadtteil. (Quelle: Büro Soziale Stadt Gaarden)

Dem schlechten Ruf des Stadtviertels wollen Künstler mit Streetart entgegenwirken. Ein Straßenführer stellt jetzt die Kunstwerke vor. So sollen auch Bewohner vom Westufer über die Förde gelockt werden.

Wenig Kultur, dafür Schmutz in den Straßen und Schmierereien an den Wänden – das ist Gaarden in den Augen vieler Kieler, die mit dem Stadtteil weiter nichts zu tun haben. Ganz von der Hand weisen lässt sich das Vorurteil sicher nicht. Doch wer genauer hinschaut, dem zeigt sich: Kunst gibt es auch hier überall in den Straßen.

Zwischen den "Schmierereien" findet man aufwendige Graffiti, neben verbotenen Verunstaltungen legale Streetart. Um auf diese positive Seite aufmerksam zu machen, hat das Büro Soziale Stadt Gaarden zusammen mit dem Wirtschaftsbüro einen Stadtteilführer herausgegeben, der auf einer Tour die markantesten Straßenkunstwerke vorstellt.

Ein Bild von Jimi Hendrix in der Elisabethstraße: Die Gitarrenlegende spielte 1967 im Club "Star Palast" in Gaarden-Ost. (Quelle: Büro Soziale Stadt Gaarden)Ein Bild von Jimi Hendrix in der Elisabethstraße: Die Gitarrenlegende spielte 1967 im Club "Star Palast" in Gaarden-Ost. (Quelle: Büro Soziale Stadt Gaarden)

In der Werftstraße nahe der Gaardener Brücke erinnern Schwarzweiß-Graffiti mit rauchenden Fabrikschloten und Verladekran an Gaardens Geschichte als Werftstandort. Vor dem Künstler-Café Jupiter führen bunte Muster an den Mauern das kreative Treiben aus dem Inneren fort. In der Elisabethstraße ist Jimi Hendrix an einer Häuserfassade "verewigt" – die Gitarrenlegende spielte 1967 im Club "Star Palast" in Gaarden-Ost.

Lösung gegen beschmierte Wände

"Gaarden hat ja mit seinem Stigma zu kämpfen. Da haben wir gemerkt, dass Streetart ein Thema ist, das die Menschen immer wieder neugierig macht und auch wunderbar zu Gaarden passt", erklärt Lea Lükemeier vom Büro Soziale Stadt Gaarden, die den Stadtteilführer mit entwickelt hat. "Die Idee war, diese vielen Projekte sichtbar zu machen und die Gaardener, aber auch Leute von außerhalb einzuladen, den Stadtteil kennenzulernen und sich ein eigenes Bild zu machen."

Was Kunst ist und was Schmiererei – darüber könnte man bei Graffiti lange streiten. Bei den Motiven des Stadtteilführers lässt sich der Unterschied darauf herunterbrechen: Sie sind allesamt legal. "Vor ein paar Jahren entstand die Idee", sagt Lükemeier. "Damals stellten wir uns die Frage: Was machen wir mit den ganzen beschmierten Wänden?"

Die Lösung brachten verschiedene Hauseigentümer selbst ein. Sie taten sich mit Graffiti-Künstlern zusammen und beauftragten diese damit, ihre Fassaden zu verschönern. Die so gestalteten Flächen würden von anderen Sprayern in aller Regel respektiert, so Lükemeier.

Maritime Motive schmücken ein Haus auf der Reeperbahn: Viele Hauseigentümer lassen ihre Fassanden von Künstlern verschönern. (Quelle: Büro Soziale Stadt Gaarden)Maritime Motive schmücken ein Haus auf der Reeperbahn: Viele Hauseigentümer lassen ihre Fassanden von Künstlern verschönern. (Quelle: Büro Soziale Stadt Gaarden)

Die Reaktionen auf die legale Straßenkunst seien überwiegend positiv, so Lükemeier. "Viele mögen es, dass es schön bunt ist, und manche wünschen sich sogar noch mehr. Besonders Kinder finden es super spannend." Nur einige ältere Menschen seien manchmal etwas kritischer. Graffiti träfe da nicht immer den persönlichen Geschmack. "Beim letzten Rundgang, den wir im Oktober angeboten hatten, waren von 20 bis 70 Jahren Leute da. Man merkt also, dass Interesse von allen Altersgruppen da ist."

Auch die Polizei in Gaarden begrüßt das Projekt. "Es ist immer hilfreich, wenn solche Projekte Dinge fördern, die sonst drohen, ins Dunkle abzurutschen", so Hauptkommissar Buttler. "Legale Flächen entzerren den Druck auf die jungen Menschen und führen auch zu Verständnis untereinander" – also zwischen Bürgern, Hausbesitzern und Künstlern.

Legale Möglichkeiten für Sprayer sind begrenzt

Ein Sonderfall unter den Straßenkunst-Stationen bildet der Skatepark an der Preetzer Straße: Es ist der einzige öffentliche Ort in Gaarden, an dem legal gesprayt werden darf. Entsprechend häufig wechseln hier die Motive und Schriftzüge. Alle anderen Motive der Route sind mit den Privatbesitzern abgesprochen.

Graffitis auf dem Skatepark an der Preetzer Straße: Hier darf legal gesprayt werden. (Quelle: Büro Soziale Stadt Gaarden)Graffitis auf dem Skatepark an der Preetzer Straße: Hier darf legal gesprayt werden. (Quelle: Büro Soziale Stadt Gaarden)

Außerhalb von Gaarden ist das legale Sprayen nur an zwei weiteren Orten in Kiel möglich: an der Schwentinebrücke am Ostufer. Und auf der Westseite an der Veloroute 10 in Höhe des Graswegs – hier allerdings ebenfalls nur mit Genehmigung der Privateigentümer der jeweiligen Wände.

In den Augen von Christoph Kröger ist das zu wenig. Er ist selbst professioneller Sprayer und auf der Streetart-Map mit einem Motiv von einer bunten Unterwasserwelt im Kirchenweg vertreten. Er selbst habe genügend Möglichkeiten, weil er Vereinbarungen mit verschiedenen Haus- und Grundstückseigentümern getroffen habe. "Aber für alle anderen wäre es schon schön, wenn es noch weitere Flächen geben würde. Kiel hat ja eigentlich genug Flächen, auf denen man so etwas machen könnte."

Eine Unterwasserlandschaft in der Kaiserstraße: Die Künstler hoffen, dass noch mehr Hauseigentümer ihre freien Flächen für die Kunst zur Verfügung stellen. (Quelle: Büro Soziale Stadt Gaarden)Eine Unterwasserlandschaft in der Kaiserstraße: Die Künstler hoffen, dass noch mehr Hauseigentümer ihre freien Flächen für die Kunst zur Verfügung stellen. (Quelle: Büro Soziale Stadt Gaarden)

Weitere Flächen überall in Kiel

Auf die Möglichkeiten, nach Absprache auf Flächen von Privatbesitzern zu sprühen, verweist auch die Stadt Kiel. Davon gebe es jede Menge, so Kulturreferenten Rainer Pasternak. Darüber hinaus hätten die Stadtwerke damit angefangen, die Verteilerkästen überall in der Stadt bemalen zu lassen. Allerdings gilt für beide Fälle: Was hierbei besprüht oder angemalt ist, bleibt auch meist so und ist für weitere Streetart-Ambitionen tabu.

Weitere Flächen dafür seien bereits seit letztem Jahr geplant. An den Jugendtreffs soll es künftig – sobald Corona dort Versammlungen wieder zulässt – Flächen für Graffiti-Künstler geben. Zudem prüfe die Kulturverwaltung weitere Möglichkeiten, legale Streetart zu fördern, etwa mit einem Graffiti-Kulturpreis oder öffentlichen Veranstaltungen, bei denen Künstler vor Publikum ihre Bilder erschaffen.

Weitere Stadtteilführer in Planung

Die Streetart-Map ist per Download oder bei den Büros für Stadtteilentwicklung in Gaarden (Vinetaplatz 2) und im Welcome Center am Stresemannplatz kostenlos erhältlich. Sie soll den Auftakt zu einer ganzen Kartenserie bilden, mit dem die Büros für Stadtteilentwicklung Werbung machen wollen für die attraktiven Seiten des Ostufers. Die nächste Karte, so Lükemeier, sei bereits in Arbeit. Thema hier: die Architektur in Ellerbek-Wellingdorf.

Verwendete Quellen:
  • Gespräche mit
  • Lea Lükemeier vom Büro Soziale Stadt Gaarden
  • Christoph Kröger, Graffiti-Künstler
  • Rainer Pasternak, Kulturreferent
  • Polizeihauptkommissar in Gaarden, Buttler 
  • weitere Quellen
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