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Kirchenaustritt: StandesÀmter melden gesteigertes Interesse

Von dpa
27.01.2022Lesedauer: 2 Min.
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Nach der Vorstellung eines Gutachtens zu sexueller Gewalt im katholischen Erzbistum MĂŒnchen und Freising haben erste StĂ€dte in Rheinland-Pfalz ein gesteigertes Interesse an
Kirchenaustritten registriert. Das hierfĂŒr zustĂ€ndige Standesamt in Mainz könne aktuell nicht alle AustrittswĂŒnsche zeitnah bedienen, teilte ein Sprecher mit. Es werde noch einige Zeit dauern, bis alle AntrĂ€ge entgegengenommen seien. Der Kirchenaustritt mĂŒsse persönlich erklĂ€rt werden, allerdings werde dabei nicht nach GrĂŒnden gefragt. Bislang sind demnach im Januar dieses Jahres 209 Menschen sowohl aus der katholischen als auch der evangelischen Kirche ausgetreten. Im Januar des vergangenen Jahres waren es 134 Austritte. Das Bistum Mainz Ă€ußerte sich hierzu auf Anfrage nicht.

Bereits frĂŒhere Skandale hĂ€tten oft zu einem "Sippenhaft-Effekt" in der evangelischen Kirche gefĂŒhrt, hieß es von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Darmstadt. Die Berichterstattung differenziere oft nicht ausreichend, zudem machten hĂ€ufig die Menschen keinen Unterschied mehr zwischen evangelischer und katholischer Kirche. Insbesondere nach dem Skandal um den katholischen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst vor neun Jahren seien auch bei ihnen die Austrittszahlen merklich nach oben gegangen.

Auch beim Standesamt in Worms gab es bereits vermehrt Anfragen fĂŒr
Kirchenaustritte. HĂ€ufig seien als Grund die aktuellen
Geschehnisse angefĂŒhrt worden, teilte eine Sprecherin der Stadt mit. Von einer "Flut" an AntrĂ€gen könne man jedoch nicht sprechen. Trier verzeichnete ebenfalls ein gesteigertes Interesse, laut Mitteilung kann der Bedarf an Terminen aber noch gut abgedeckt werden.

Das vom Erzbistum MĂŒnchen und Freising selbst in Auftrag gegebene
Gutachten der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) kommt zu
dem Ergebnis, dass FĂ€lle von sexuellem Missbrauch in der Diözese ĂŒber Jahrzehnte nicht angemessen behandelt wurden. Das vergangene Woche veröffentlichte Dokument wirft den KardinĂ€len und
ehemaligen Erzbischöfen Friedrich Wetter und Joseph Ratzinger sowie
dem aktuellen Erzbischof Reinhard Marx Fehlverhalten vor.

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