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Stuttgarter Hitzebus rückt an heißen Tagen aus


Stuttgarter Hitzebus rückt an heißen Tagen aus

von Marta Popowska

Aktualisiert am 08.08.2022Lesedauer: 3 Min.
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Carolin Götz und Nadja Michler vom Deutschen Roten Kreuz in Stuttgart: An heißen Tagen versorgen sie mit dem Hitzebus Obdachlose in der Stadt mit Wasser und Sonnencreme.
Carolin Götz und Nadja Michler vom Deutschen Roten Kreuz in Stuttgart: An heißen Tagen versorgen sie mit dem Hitzebus Obdachlose in der Stadt mit Wasser und Sonnencreme. (Quelle: Marta Popowska)
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Es ist ein Projekt mit Vorzeigecharakter: In der aktuellen Hitzephase versorgt ein Bus in Stuttgart Obdachlose mit dem Wichtigsten: Wasser und Sonnencreme.

Als Carolin Götz gegen 14 Uhr aus der Garage fährt, zeigt das Thermometer 29 Grad an. Für den Stuttgarter Hitzebus ist das eigentlich zu kühl. Aber im Talkessel ist es schwül und schon am Cannstatter Bahnhof, der ersten Station der Tour, sitzen Menschen auf dem Vorplatz, die dankbar eine Flasche Wasser annehmen. Die meisten trinken nämlich Bier oder Härteres.

Dieser Montag ist für Carolin Götz und ihre Kollegin Nadja Michler vom Deutschen Roten Kreuz ein besonderer Tag. Es ist der erste offizielle Einsatz des neuen Hitzebusses nach der Testphase. Eine Woche zuvor waren die DRK-Mitarbeitenden täglich für das Pilotprojekt unterwegs, um bei den Hitzetemperaturen vor allem wohnungslose Menschen mit Wasser und Sonnencreme zu versorgen. Das Stuttgarter Modell könnte beispielhaft für alle Großstädte in ganz Deutschland sein.

Stuttgarter Projekt ermöglicht Zugang zu Getränken

"Ich kann mich jederzeit abkühlen und habe Zugang zu Getränken. Das trifft aber nicht für alle Menschen zu", betont Götz. Damit das zumindest während der heißesten Stunden des Tages auch Menschen auf der Straße zuteilwird, bezuschusst das Stuttgarter Sozialamt den Einsatz. Jedoch nur an Tagen, an denen der Deutsche Wetterdienst mindestens 32 Grad voraussagt und damit eine Hitzewarnung ausspricht. "Wenn wir aber das Gefühl haben, es ist heiß, fahren wir trotzdem los", sagt Carolin Götz.

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Und der Tag hat sich gleich doppelt gelohnt, denn ein Drogeriemarkt hat kurz vor der Abfahrt eine Spende zugesagt. Und so stoppen die beiden auf dem Weg in die Innenstadt am Ostendplatz, um den Kofferraum bis unter die Decke mit Wasserflaschen zu bestücken. Das dürfe für diese Woche reichen, befinden sie.

Die Tour hat sich doppelt gelohnt: Bei einem Drogeriemarkt können die DRK-Mitarbeiterinnen gespendetes Wasser und Sonnencreme abholen.
Die Tour hat sich doppelt gelohnt: Bei einem Drogeriemarkt können die DRK-Mitarbeiterinnen gespendetes Wasser und Sonnencreme abholen. (Quelle: Marta Popowska)

DRK Stuttgart: "Es ist auch Sozialarbeit"

Gegenüber auf einem halbschattigen Plätzchen erblickt Götz eine zehnköpfige Gruppe, die ihren Durst mit Bier löscht. Die Männer und Frauen, schätzungsweise zwischen 50 und 60, sind sichtlich dankbar über die Abwechslung und die Aufmerksamkeit. Einer der Männer hilft beim Tragen und verspricht, die beiden Gebinde fair an alle zu verteilen. "Es ist auch Sozialarbeit, was wir hier machen. Die Leute freuen sich, dass man sie nicht vergisst", sagt Nadja Michler.

Wichtig ist beiden zu betonen, dass es ein niederschwelliges Angebot ist. "Wir drängen uns nicht auf", sagt Carolin Götz. Doch die Resonanz sei überwiegend positiv. Sie erinnert sich an einen Mann, den sie an einem Hitzetag mit einem Whisky-Cola angetroffen hat: "Er freute sich total über das Wasser. Er wusste, dass er Wasser trinken sollte." Aber wenn man den ganzen Tag auf der Straße totschlage, betäube man sich lieber. Der Durst ist dann schnell vergessen – und für Sonnencreme fehle oft das Geld.

Für viele der Obdachlosen in Stuttgart ist das Signal wichtig, dass sie nicht vergessen werden.
Für viele der Obdachlosen in Stuttgart ist das Signal wichtig, dass sie nicht vergessen werden. (Quelle: Marta Popowska)

Helfen steckt an

Während man auch den Kältebus, der im Winter vor allem nachts bei unter null Grad ausrückt, bereits seit Langem in der Landeshauptstadt kennt, muss der Hitzebus sich noch etablieren. Passanten und Passantinnen sind ebenfalls neugierig.

Eine ältere Dame beäugt das Auto erst aus sicherer Entfernung, kommt dann aber auf Nadja Michler zu und fragt, was sie da mache. Am Ende drückt sie ihr zehn Euro als Spende in die Hand. "Helfen steckt an", freut sich die DRK-Mitarbeiterin.

Ehrenamtliche gesucht

Was das Team noch gut gebrauchen könnte, seien Ehrenamtliche, die den Bus an den heißen Tagen fahren. Das Angebot beschränkt sich nur auf die Sommermonate. Da der Bus für circa zwei Stunden am Nachmittag unterwegs sei, finde man laut Götz jedoch schwer Ehrenamtliche: "Es wäre aber etwas für Studentinnen und Studenten in den Semesterferien, die sich engagieren möchten." Melden kann man sich per E-Mail unter sozialarbeit@drk-stuttgart.de.

Wer an einem Hitzetag eine bedürftige Person sieht oder einen Platz ausmacht, an dem sich mehrere Wohnungslose aufhalten, kann laut Carolin Götz die Hotline des Hitzebusses wählen: 07 11/21 95 47 76. "Oder man drückt dem Menschen einfach eine Flasche Wasser in die Hand", sagt sie.

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Verwendete Quellen
  • Reporterin vor Ort
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