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CD-Kritik: Jean-Michel Jarre "Electronica" klingt sehr bemüht

CD-Kritik: "Electronica - 1 The Time Machine"  

Jean-Michel Jarre hat sich bemüht

15.10.2015, 12:00 Uhr | fen, t-online.de

CD-Kritik: Jean-Michel Jarre "Electronica" klingt sehr bemüht. Jean-Michel Jarre hat für sein neues Album mit vielen Künstlern zusammengearbeitet. (Quelle: Sony)

Jean-Michel Jarre hat für sein neues Album mit vielen Künstlern zusammengearbeitet. (Quelle: Sony)

Viele Musikfans werden außer den längst vergangenen Alben Oxygene, Equinoxe oder Magnetic Fields kaum etwas von Jean-Michel Jarre, dem französischen Meister des Synthesizers, kennen – und das auch nur, wenn sie selbst in die Jahre gekommen sind. Alle, die diese Ära zurückholen wollen, sollten lieber etwas anderes tun, als sich die neue CD anzuhören.

Seit über 40 Jahren macht Jean-Michel Jarre elektronische Musik. Das gilt auch für das neue Album "Electronica", bei dem der Musiker bereits im Titel verkündet, worum es geht. Fiel dem Meister nichts besseres ein?

Der Vollständigkeit halber sei noch der Untertitel erwähnt: "1 The Time Machine" bedeutet, dass es einen zweiten Teil geben wird. Dieser soll 2016 erscheinen.

Der rote Faden fehlt

16 Stücke befinden sich auf dem ersten Teil des Doppelalbums, das längste dauert gerade einmal 7:13 Minuten. Jean-Michel Jarre hat auch schon Alben mit nur einem Titel bespielt, der mehrere Teile enthielt und das musikalische Hauptthema immer wieder aufnahm. Wer auf der aktuellen CD den roten musikalischen Faden sucht, wird ihn nicht finden. 

Bei allen Tracks von "Electronica" arbeitete Jarre mit anderen Künstlern zusammen. Dabei scharte er eine illustre Runde an jungen und alten Künstlern zusammen wie Moby, Pete Townshend, Vince Clark, Laurie Anderson oder den Klaviervirtuosen Lang Lang. Doch einen großen Einfluss auf die Stücke haben sie wohl selten gehabt, Elektronikklänge Jarre'scher Prägung dominieren durchweg. Die Hoffnung auf künstlerische Vielfalt können die meisten Stücke leider nicht einlösen. 

Bisweilen wirken die Gastmusiker wie ein Fremdkörper, etwa wenn Lang Lang bei den Synthie-Klängen dazwischenklimpert oder Laurie Anderson Textphrasen einstreut, die sich in den Synthie-Klängen verlieren. 

Elektropop ist der Tiefpunkt

Bei anderen Gastmusikern wie der Sängerin "Little Boots" wünscht man sich dagegen, sie wäre besser im Hintergrund geblieben. Das bereits vorab veröffentlichte Stück  "If..!" ist der Tiefpunkt dieses wenig beachtenswerten Albums. Bei diesem Elektropop erster Güte sucht der echte Fan den Ausschaltknopf. Diese Art von Musik mag ihre Berechtigung haben, auf einem Album von Jean-Michel Jarre hat sie nichts zu suchen.

An Ideen mangelt es nicht

An Ideen schien es Jean-Michel Jarre nicht gemangelt zu haben, denn immer wieder blitzen Momente des Glanzes auf, die den Franzosen einst bekannt machten – so etwa bei "A Question of Blood". Man kann dem Altmeister wahrlich nicht vorwerfen, er hätte sich nicht bemüht. Doch die meisten Stücke sind nach dem Hören sofort wieder vergessen, keine der Melodien bleibt haften.

Wer darauf hoffte, dass der Franzose an die alten Zeiten anknüpft, wird mit "Electronica 1" enttäuscht. Vielleicht gelingt das ja mit dem zweiten Teil... Bis dahin sollten die Fan lieber die alten Scheiben wieder hervorkramen. Wahrscheinlich wurden die seit langer Zeit vergessen – es lohnt, sie wieder neu zu entdecken.

"Electronica (1 The Time Machine)" von Jean-Michel Jarre erscheint am 16. Oktober 2015. 


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