Interview
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Der GesprĂ€chspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

"Sex heißt, Ekstase zuzulassen – egal in welchem Alter"

  • Jennifer Buchholz
Von Jennifer Buchholz

Aktualisiert am 01.03.2022Lesedauer: 3 Min.
Älteres PĂ€rchen im Bett
IntimitÀt: Die SexualitÀt Àndert sich in den jeweiligen Lebensphasen. (Quelle: Jacob Wackerhausen/getty-images-bilder)
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Die eigene SexualitĂ€t gehört fĂŒr viele zu ihrer Persönlichkeit. Allerdings kann mit der Zeit das psychische und physische Befinden das eigene Liebesleben stark verĂ€ndern – bei MĂ€nnern und besonders bei Frauen. Ist das ein Grund, auf IntimitĂ€t zu verzichten? Gibt es eine Altersgrenze fĂŒr Sex? Ein Experte im Interview klĂ€rt auf.

Der Tod des Partners, große medizinische Eingriffe oder lediglich die natĂŒrlichen VerĂ€nderungen des eigenen Körpers können dazu fĂŒhren, dass das Thema SexualitĂ€t mit zunehmenden Alter nach und nach in den Hintergrund rĂŒckt – unbewusst, teilweise aber auch absichtlich. Dr. med. Christian Albring, Frauenarzt in Hannover, spricht mit t-online ĂŒber die SexualitĂ€t Ă€lterer Frauen.

Laut Kinsey-Report sind Frauen ab 50 pro Jahr 5 Prozent weniger sexuell aktiv – also mit 60 Jahren nur noch 54 Prozent, mit 70 Jahren 32 Prozent. Woran liegt das?

Achtung
Auch wenn fĂŒr Sie SchwangerschaftsverhĂŒtung ab einem bestimmten Lebensabschnitt nicht mehr relevant ist, sollten Sie weiterhin bei jedem Partnerwechsel Kondome nutzen. Eine Übertragung von Krankheiten beim Geschlechtsverkehr ist in jedem Alter möglich.

Von der Evolution ist die SexualitÀt einzig als Mittel zur Fortpflanzung gedacht. Es ist biologisch weder vorgesehen, so lange zu leben bis die Wechseljahre kommen, noch ab dieser Lebensphase weiter Sex zu haben, um erneut schwanger zu werden. Darum wird in den Wechseljahren allmÀhlich die Hormonproduktion bei der Frau eingestellt. Dass Menschen trotzdem weiter Lust auf Sex haben, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Wie verÀndert sich die SexualitÀt im Alter?

In Langzeitbeziehungen nimmt die sexuelle Spannung bei beiden Partnern im Lauf der Jahrzehnte hĂ€ufig ab, ohne dass das zwangslĂ€ufig einen Verlust an Liebe und ZĂ€rtlichkeit bedeuten wĂŒrde. Außerdem gehört nach allgemeiner Auffassung zum Sex, dass man sich und den Partner attraktiv findet. Wenn beides mit zunehmendem Alter nachlĂ€sst, weil die Haut faltiger und das Gewebe weniger fest ist, muss das Paar lernen, mit dem Verlust an AttraktivitĂ€t umzugehen. Sonst geht die sexuelle Spannung verloren.

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Sex bedeutet zudem, Ekstase zuzulassen, und vielen Menschen wird das mit zunehmendem Alter schlicht zu mĂŒhselig, nicht nur körperlich, sondern auch psychisch.

Gibt es medizinische GrĂŒnde, warum Frauen mit 60 keinen Sex mehr haben können oder wollen?

Bei Frauen lĂ€sst durch den Hormonmangel in und nach den Wechseljahren die Libido nach. Durch den Hormonmangel wird beispielsweise die Vagina trockener, schmerzender und schneller verletzlich, da ihre Hautschichten immer dĂŒnner werden. ZusĂ€tzlich können Operationen oder die örtliche Bestrahlung und Nachbehandlung bei GebĂ€rmutterhalskrebs oder GebĂ€rmutterkrebs, zur Unlust fĂŒhren – und sogar die UnfĂ€higkeit, Sex zu haben, verstĂ€rken.

Ein Problem, das mit dem Alter zunimmt, ist auch die Harninkontinenz. Wenn eine Frau ihren Urinabgang beim Sex nicht mehr sicher kontrollieren kann, wird sie diese Situationen zunehmend vermeiden.

Sowohl bei Frauen als auch bei MĂ€nnern erschweren die abnehmende körperliche Belastbarkeit sowie Gelenkigkeit, Schmerzen im RĂŒcken und in HĂŒft- und Kniegelenken die sexuelle AktivitĂ€ten. Zudem dĂŒrfen sich Patienten mit Herzerkrankungen oder nach SchlaganfĂ€llen beim Sex nicht zu stark körperlich verausgaben. ZusĂ€tzlich lassen Nebenwirkungen von Blutdrucksenkern, Antihormontherapien nach Brustkrebs, aber auch Diabetes die Lust vorĂŒbergehend oder dauerhaft völlig versiegen.

Was sind die Sorgen und Ängste der Patientinnen?

Nicht alle Frauen sind durch die VerÀnderung ihres Sexuallebens besorgt. Mit einem liebevoll und vertrauten Partner, mit dem NÀhe und ZÀrtlichkeit möglich ist, kann das trotz der Begrenzung eine Partnerschaft mit einer hohen LebensqualitÀt sein.

Ist dagegen der Partner fordernd, formuliert seine EnttĂ€uschung ĂŒber die nachlassende AttraktivitĂ€t und Bereitschaft seiner Partnerin zum Sex abwertend und kann er selbst sich mit den abnehmenden sexuellen AktivitĂ€ten nicht zufriedengeben – warum auch immer –, dann suchen die Frauen schon eher um Rat.

Das Gleiche gilt natĂŒrlich ebenfalls fĂŒr Frauen, die sich bisher stark ĂŒber ihre AttraktivitĂ€t und ihre sexuelle AktivitĂ€t definiert haben. Sie können das allmĂ€hliche Versiegen ihrer SexualitĂ€t als KrĂ€nkung erleben und alle Möglichkeiten suchen, sich hier entgegen zu stemmen.

Wie versuchen Mediziner ihren Patienten diese Ängste und Sorgen zu nehmen?

Tipps fĂŒr Sie
Gehen Sie offen mit den VerĂ€nderungen Ihrer SexualitĂ€t gegenĂŒber sich selbst und gegenĂŒber Ihrem Partner um.
Probieren Sie neue, vielleicht weniger anstrengende Techniken, Stellungen oder verschiedene Hilfsmittel aus, anstatt auf Altbekanntes zu setzen.

Ersetzen Frauen beim Eintritt in die Wechseljahre sofort die fehlenden Botenstoffe, werden die meist hormonbedingten AusfĂ€lle nicht auftreten. Wenn die Frau den Wunsch hat, ihre frĂŒhere Libido wiederherzustellen beziehungsweise die Folgen des Hormonmangels auszugleichen, ist das unter Beachtung von Gegenanzeigen möglich.

Vor allem ist zu prĂŒfen, ob Krankheiten oder Medikamente sich negativ auf die SexualitĂ€t auswirken und ob diese ZustĂ€nde beseitigt werden können. Eine trockene, schmerzende Vagina kann meist sehr gut mit lokal wirkenden HormonprĂ€paraten behandelt werden. Wichtig ist zudem, dass in der Partnerschaft Vertrauen und Zuneigung herrschen, sodass zusammen ĂŒber die Situation und ĂŒber die begrenzten Möglichkeiten gesprochen werden kann.

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Warum ist es ein Tabu, seine sexuelle Lust auch noch im Alter von 60 oder 70 Jahren zuzugeben?

In der frauenĂ€rztlichen Sprechstunde ist das kein Tabu, sondern zĂ€hlt bereits zur Routinefrage. Wenn eine Frau ihren GynĂ€kologen fragt, ob es möglich ist, wieder zu einer intensiver gelebten SexualitĂ€t mit ihrem Partner zu kommen, wird sie dazu ausfĂŒhrlich beraten und gegebenenfalls eine Therapie erhalten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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