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Achtung, Schimmelgefahr! Heizkörpernischen nachträglich dämmen

Achtung, Schimmelgefahr!  

Heizkörpernischen nachträglich dämmen

17.10.2020, 13:33 Uhr | rw, jb, t-online

Achtung, Schimmelgefahr!  Heizkörpernischen nachträglich dämmen. Heizung: Die Dämmplatten hinter dem Heizkörper schaden eher als dass sie nutzen. (Quelle: Getty Images/Evgen_Prozhyrko)

Heizung: Die Dämmplatten hinter dem Heizkörper schaden eher als dass sie nutzen. (Quelle: Evgen_Prozhyrko/Getty Images)

Um Heizkosten zu sparen werden im Baumarkt häufig Dämmplatten oder Dämmfolie angeboten, die in den Räumen hinter den Heizkörper geklebt werden. Doch sind diese wirklich sinnvoll oder richten sie eher Schaden an?

In Häusern mit schlecht gedämmten Außenwänden geht im Bereich der Heizkörpernischen viel wertvolle Energie verloren. Eine Dämmung an dieser Stelle kann sich in weniger als vier Jahren rentieren. Viele der im Baumarkt angebotenen Dämmtapeten und Dämmfolien taugen jedoch nichts. Thomas Weber, Bauherrenberater beim Verband privater Bauherren (VPB), erklärt, worauf es beim Dämmen der Heizkörpernische ankommt.

"Grundsätzlich ist die nachträgliche Dämmung umso sinnvoller, je schlechter die wärmetechnische Ausgangssituation der Heizkörpernische ist", erläutert der Experte, warnt aber zugleich vor Schnellschüssen. "Ich rate dringend, sich vor Beginn der Arbeiten mit einem unabhängigen Energieberater in Verbindung zu setzen, damit keine bauphysikalischen Fehler passieren."

Was bringen Dämmfolien und Dämmtapeten?

Sowohl die Auswahl falscher Materialien als auch deren fehlerhafte Verarbeitung können nämlich mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen, so Weber. Ein Dorn im Auge sind dem VPB beispielsweise Dämmfolien und Dämmtapeten aus dem Baumarkt, die einfach hinter den montierten Heizkörper geschoben werden. Sie suggerieren dem Verbraucher, Wärmeverluste beinahe ohne Aufwand und zu sehr geringen Kosten reduzieren zu können. Auch auf die angebotenen Dämmplatten sollten Verbraucher laut Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) nicht zurückgreifen. "Echte Dämmplatten hinter den Heizkörper geschoben behindern die Wärmeabgabe des Heizkörpers", sagt der Pressesprecher gegenüber t-online. Auch Weber rät von dieser Methode ab: "Sehr oft sind diese Dämmplatten nur wenige Millimeter stark." 

Wie gut die Dämmung Wärmeverluste reduzieren kann, ergibt sich aber immer aus der Kombination von der Wärmeleitfähigkeit des verwendeten Materials und der Dicke, in der es verbaut wird. "Eine wenige Millimeter dicke Wärmedämmung kann nicht zu einem nennenswerten Einspareffekt führen", stellt der Bausachverständige klar.

Schimmelgefahr bei fehlerhafter Dämmung der Heizkörpernische

Noch gravierender wirken sich Verarbeitungsfehler aus. "Jede Form der Innendämmung muss sehr sorgfältig und vollflächig verklebt werden, um zu verhindern, dass feucht-warme Raumluft zwischen Wärmedämmung und alter Wandoberfläche eindringt", erklärt Weber. Anderenfalls drohe verdeckter Schimmelpilzbefall. "Die vollflächige Verklebung hinter einem noch montierten Heizkörper ist allerdings schwierig bis unmöglich."

Außerdem müssten zur Vermeidung späterer Schimmelprobleme unbedingt auch die Unterseite der Fensterbank und die Laibungen der Nische mit demselben Dämmstoff versehen werden, der auch auf der Rückseite des Heizkörpers verwendet wird. Die Dämmung der Heizkörpernische sollte daher ausschließlich von einem Fachmann vorgenommen werden, appelliert der ZVSHK. 

Wann ist die Dämmung der Heizkörpernische sinnvoll?

Sowohl Weber als auch der ZVSHK empfehlen, die Dämmung der Heizkörpernischen mit einer generellen Heizkörpersanierung zu koppeln. "Dann kann man eine nennenswerte Dämmstoffdicke aufbringen und die Nische ist gut zugänglich", so Weber. Richtig ausgeführt, kann ein bestehendes Schimmelproblem durch die bessere Dämmung der Heizkörpernische sogar beseitigt werden.

Weil die Außenwand an dieser Stelle dünner ist, kühlt sie auch schneller aus als die übrigen Außenwände. Wird dies nicht durch den ständigen Betrieb des in der Nische installierten Heizkörpers ausgeglichen, sprießen die Schimmelsporen. "Unterbleibt der Heizungsbetrieb, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der gesamten Nischenfläche mit Schimmelpilzbefall zu rechnen", bestätigt der VPB-Experte. "In dieser Situation ist eine nachträgliche Wärmedämmung sehr sinnvoll."

Der ZVSHK rät daher zu einer Innendämmung oder einer Totalsanierung. In letzterem Fall ist "die ohnehin angebrachte Dämmung auf der Außenseite so gut, dass die Nische nicht mehr gedämmt werden müsste."

Kosten und Nutzen der Heizkörpernischendämmung

Zumal sich bei sinnvoller Auswahl der verwendeten Dämmmaterialien und richtiger Verarbeitung durchaus lukrative Energieeinsparungen realisieren lassen. Wie groß das Sparpotenzial genau ist, hängt natürlich von der gegebenen Ausgangssituation ab. Thomas Weber macht eine Beispielrechnung für einen typischen unsanierten 60er-Jahre-Altbau auf:

Bei einer fachgerecht ausgeführten Wärmeisolierung mit einer fünf Zentimeter dicken Polyurethan-Dämmung ließen sich bei einer Ölheizung und einem angenommenen Heizölpreis von etwa 40 Cent pro Liter demnach jährlich rund 10,27 Euro pro Quadratmeter Heizkörpernische einsparen. Hochgerechnet auf ein ganzes Haus mit zehn bis 15 Heizkörpernischen einer Fläche von je zwei Quadratmetern beziffert sich die Gesamtersparnis auf etwa 200 bis 300 Euro pro Jahr, wenn alle Heizkörper über die gesamte Heizperiode hinweg in Betrieb sind.

Demgegenüber steht der Investitionsaufwand. Pro Quadratmeter liegen die Kosten für die Wärmedämmung mit Polyurethan inklusive Verkleidung und Arbeitskosten laut Weber bei etwa 54 Euro. Hochgerechnet auf ein ganzes Haus mit 15 Heizkörpernischen von je zwei Quadratmetern käme man also auf Gesamtkosten von 1.600 Euro. Bei einer Ersparnis von maximal 300 Euro pro Jahr hätte sich diese Ausgabe nach etwas mehr als fünf Jahren amortisiert.

Voraussetzung ist, dass die Heizkörpernischendämmung wie empfohlen mit einer generellen Sanierung der Heizkörper gekoppelt wird. Sonst müsste man die Arbeitskosten für deren Demontage und den erneuten Einbau nach der Dämmmaßnahme bei den Gesamtkosten noch hinzurechnen.

Lohnt sich die Investition?

Wie bei allen Sanierungen und Dämmmaßnahmen hängen die genauen Kosten und Einsparpotenziale aber immer vom individuellen Einzelfall ab. Eine wichtige Rolle für die zu erzielenden Kostensenkungen spielen der gegebene Dämmstandard, der Heizenergieträger und die aktuellen Heizstoffkosten, sowie die Effizienz der Heizungsanlage.

Außerdem sollte eine rentable Heizkörpernischendämmung immer in einen Gesamtfahrplan für die energetische Modernisierung des Hauses eingebettet sein. Es bringt zum Beispiel nichts, die Heizkörpernischen zu dämmen, wenn in zwei Jahren ohnehin eine komplette Fassadendämmung durchgeführt werden soll.

Um herauszufinden, ob und wie schnell sich die Heizkörpernischendämmung überhaupt lohnt, sollte man sie also vorher mit einem Energieberater abstimmen. Unabhängige Fachleute in Ihrer Nähe vermitteln neben dem VPB beispielsweise der Bauherrenschutzbund oder die örtlichen Verbraucherzentralen.

Wie wird ein Raum optimal und schneller warm?

Wer auf die Dämmung der Heizkörpernische aus Kostengründen oder – weil es sich um eine Mietwohnung handelt – aus rechtlichen Gründen nicht dämmen möchte beziehungsweise darf, kann dennoch einige Maßnahmen ergreifen, damit sich die Heizungsluft optimal im Raum verteilt. 

Der Raum wird schneller warm, wenn

  • die Wärmeabgabe des Heizkörpers nicht behindert wird – beispielsweise durch Verkleidungen, Dämmplatten hinter dem Heizkörper oder Möbelstücke,
  • die Heizelemente richtig positioniert sind. Sie sollten unter dem Fenster stehen. Der Grund: Durch das Fenster gelangt trotz guter Isolierung kalte Luft in den Raum, die nach unten sinkt. Dadurch strömt sie über den heißen Heizkörper, der sie sodann wärmt. Sie steigt nach oben. Eine Luftzirkulation entsteht, durch die die Wärme im gesamten Raum verteilt wird. 
  • die Türen geschlossen sind.

"Dann hat der Verbraucher nichts mehr zu tun", so der ZVSHK.

Zusätzlich können Sie als Kälteschutz dicke Vorhänge vor die Fenster hängen. Sie sollten dabei jedoch nicht die Heizung verdecken. Auch Teppiche sind sinnvoll. Sie isolieren die kalten Fliesen etwas. Eine der wichtigsten Maßnahmen für einen schnell aufgeheizten Raum ist es jedoch, Zugluft zu vermeiden. Machen Sie also die entsprechenden Quellen hierfür ausfindig und versuchen Sie, diese zu dämmen. Und: Überprüfen Sie unbedingt die Funktionsfähigkeit Ihrer Heizung und der Heizkörper. Die Lamellen sollten gleichmäßig warm sein. Ist dies nicht der Fall, sollte die Heizung entlüftet und Wasser aufgefüllt werden.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Interview Thomas Weber, Verband privater Bauherren (VPB)
  • Interview Frank Ebisch, Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK)
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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