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Lüftungsanlage einbauen und nachrüsten: Das sollte man wissen

Fenster nicht kippen  

Lüften, ohne dass die Hitze reinkommt

15.03.2019, 11:06 Uhr | dpa-tmn, jb, t-online.de

Lüftungsanlage einbauen und nachrüsten: Das sollte man wissen. Lüftungsanlage auf dem Dach (Quelle: imago/photoshot/Construction Photography)

Lüftungsanlage auf dem Dach (Quelle: imago/photoshot/Construction Photography)

Damit im Winter möglichst wenig Wärme entweicht, werden Dächer und Fassaden in Neubauten gedämmt sowie Fenster und Türen abgedichtet. Der Nachteil ist, dass kein ausreichender Luftaustausch stattfindet. Wird nicht regelmäßig gelüftet, droht Schimmel. Mit einer Lüftungsanlage ist man auf der sicheren Seite, oder? 

Ekelige schwarze Schimmelflecken ziehen sich die Wand entlang: Das passiert selbst in Neubauten häufiger als man denkt. Oft ist das Problem kein Baumangel wie etwa eine Kältebrücke, sondern das Resultat einer schlechten Belüftung. Immerhin verursacht eine vierköpfige Familie pro Tag acht bis elf Liter Feuchtigkeit durch Atmen, Kochen, Duschen und Waschen. Wenn die feuchte Luft im Raum nicht regelmäßig entweichen kann, durchfeuchten auf Dauer die Wände, und es bildet sich Schimmelpilz.

Gekippte Fenster nicht die beste Lösung

Für den Luftaustausch das Fenster zu kippen, ist keine gute Lösung. Dadurch entweicht unnötig viel Wärme. Das lässt nicht nur den Energieverbrauch steigen, sondern kühlt auch die Wände stark aus. An den kalten Wänden schlägt sich die Feuchtigkeit nieder und bietet Schimmel ideale Bedingungen. Richtig ist, dreimal täglich auch in einem Neubau und bei sanierten Gebäuden zu lüften. Am besten dabei ist stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern.

Keine Zeit für ausreichende Lüftung

Gerade für Berufstätige ist Lüften in dieser Häufigkeit kaum umzusetzen. Für sie können Lüftungsanlagen eine Lösung sein, die automatisch regelmäßig die Luft im Raum austauschen. In gut gedämmten Neubauten und energetisch sanierten Altbauten sind Lüftungsanlagen eine sinnvolle Alternative zur klassischen Fensterlüftung. Denn sie sorgen für eine gleichbleibend hohe Qualität der Luft und führen zudem Schadstoffe ab. Lüftungsanlagen sind aber nur in einem sehr gut abgedichteten Haus wirklich effektiv.

Zentrale oder dezentrale Lüftungsanlage?

Die Anlagen gibt es in verschiedenen Ausführungen. Zentrale Lüftungsanlagen können eine optimale Lösung bieten. Sie ziehen mit Hilfe von Ventilatoren die verbrauchte Luft aus Küche, Bad oder Toiletten ab. In diesen Räumen ist die Belastung durch Gerüche und Luftfeuchtigkeit sehr hoch. Neue Außenluft ströme über Durchlässe in Wohn- und Schlafräumen nach. Auf diese Weise wird die Luft gleich in mehreren Räumen getauscht. Klug ist es, die Lüftungsanlage schon in der Entwurfsphase des Neubaus zu planen. Die Montagekosten halten sich in Grenzen, wenn die Lüftungsrohre gleich im Rohbau in den Estrich oder Beton eingelassen werden.

Die Kosten für eine zentrale Abluftanlage in einem Einfamilienhaus liegen bei etwa 25 bis 45 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei einer Fläche von 150 Quadratmetern entspricht das Kosten von 3.750 bis 6.750 Euro. Der Einbau einer Lüftungsanlage wird über die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) mit einem Zuschuss staatlich gefördert.

Im Altbau sind zentrale Anlagen schwieriger

Schwieriger umzusetzen, aber doch machbar ist eine zentrale Lüftungsanlage in einem Altbau. Denn in diesen Gebäuden muss die Luftzu- und abfuhr an einer geeigneten Stelle in der Fassade platziert werden. Allerdings lassen sich die Luftkanäle einfach und diskret unter einer abgehängten Decke gut verstecken.

Für sanierte und modernisierte Wohnungen bieten sich neben zentralen auch dezentrale Lüftungssysteme an, die raumweise in einzelnen Zimmern über Kernbohrungen in der Fassade, etwa ober- oder unterhalb der Fenster, installiert werden. Ihr Nachteil ist, dass sie immer nur einen einzelnen Raum lüften. Oft sind diese Anlagen im Hintergrund zu hören, was insbesondere im Schlafzimmer stören kann. Leisere Anlagen kosten nach Angaben des Experten zwischen 200 und 1.000 Euro.

Mit Wärmerückgewinnung Heizkosten sparen

Wenn Sie eine besonders effiziente Lüftungsanlagen möchten, sollten Sie auf Modelle mit Wärmerückgewinnung setzen. Sie geben die Wärme aus der verbrauchten Luft an die frische kalte Luft weiter. Diesen Effekt gibt es auch als zentrale und dezentrale Variante. Wenn die Abluft durch die Anlage strömt, passiert sie einen Wärmetauscher, der die vorhandene Wärme aufnimmt. Damit heizt das Gerät die von außen angesogene kalte Frischluft vor und leitet sie erst dann in das Haus. Mithilfe dieser Technik können die Heizkosten um 30 bis 50 Prozent gesenkt werden. Dabei ist jedoch zwischen Zulufträumen wie Schlaf- und Arbeitszimmer und Räumen und Küche und Bad zu unterscheiden. In letzteren entsteht viel feuchte Luft, die dann abtransportiert werden muss. Eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für ein Einfamilienhaus ist ab 8.000 Euro erhältlich.

Vor- und Nachteile von Lüftungsanlagen

Die Vorteile von Lüftungsanlagen liegen auf der Hand: Man verbessert das Raumklima, ohne regelmäßig die Fenster öffnen zu müssen. Das hat zusätzlich den positiven Nebeneffekt, dass Straßenlärm und Abgase draußen bleiben. Auch Einbrechern bietet sich seltener die Gelegenheit, durch geöffnete oder gekippte Fenster in das Haus einzusteigen.

Allerdings sollten Sie Ihre Lüftungsanlage regelmäßig warten. Der Filter muss zwei- bis viermal im Jahr gereinigt oder ausgetauscht werden. Das können Sie nach einer Einweisung sogar selbst erledigen. Alle zwei Jahre ist zusätzlich ein Routinecheck vom Fachmann angebracht. Wer einen Dienstleister beauftragt, kann die Kosten dafür nach Angaben des VPB als haushaltsnahe Dienstleistung oder als Handwerkerleistung von der Steuer absetzen.

Lüftungsanlagen nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll

Eine Lüftungsanlage sei bei energiesparenden Neubauten und sanierten Gebäuden nicht zwingend vorgeschrieben. Doch die Verordnung DIN 1946-6 sieht bei Neubauten ein Lüftungskonzept vor. Das bedeutet, dass der Architekt oder ein Energieberater den Bewohnern eine Handlungsanleitung gibt, wie das Haus belüftet wird – von Hand oder mit einer Anlage. Auch bei älteren Einfamilienhäusern muss ein entsprechendes Konzept erstellt werden, wenn mehr als ein Drittel der vorhandenen Fenster oder der Dachfläche erneuert wird.

Für das Lüftungskonzept ermittelt ein Planer, wie viel Luft durch Infiltration in das Gebäude gelangt. Je stärker das Gebäude gedämmt ist, umso geringer ist der Wert. Danach wird berechnet, welche Lüftungstechnik erforderlich ist, um die Vorschriften einzuhalten.


Diese Maßnahmen müssen nicht immer mit großem Aufwand verbunden sein. Beispielsweise gibt es passive Lüftungssysteme,. Sie bestehen aus einer kleinen Öffnung an der Wand bestehen. In der Öffnung ist eine Klappe angebracht, die offen steht und durch die frische Luft in das Haus strömt. Bei starkem Wind und Regen von außen schließt sie sich selbst. Die Öffnungen können sehr dezent in Fensterbänken liegen, so dass sie gar nicht zu sehen sind. Das Öffnen und Schließen der Fenster per Hand fällt aber nicht unter die zugelassenen lüftungstechnischen Maßnahmen, denn das ist nicht nutzerunabhängig – wie vorgeschrieben.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa-tmn


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