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Bettwanzen bekämpfen mit einen Spürhund – Schädlingsbekämpfer berichtet

INTERVIEWSchädlingsbekämpfer berichtet  

Terrier Taylor wird gegen Bettwanzen eingesetzt

Von Ana Grujić

09.05.2019, 21:47 Uhr
 (Quelle: t-online.de / Getty Images / Imago)
Achtung Bettwanzen: Was bei dem Parasitenbefall zu tun ist

Bettwanzen sind auf dem Vormarsch. Schädlingsbekämpfer haben wegen der kleinen Parasiten immer mehr Einsätze. So erkennen Sie, ob Sie betroffen sind und das sollten Sie dann tun. (Quelle: t-online.de / Getty Images / Imago)

Achtung Bettwanzen: So erkennen Sie, ob Sie betroffen sind und das sollten Sie dann tun. (Quelle: t-online.de / Getty Images / Imago)


Bettwanzen sind lästig – und schwer loszuwerden. Immer öfter müssen Schädlingsbekämpfer ausrücken um die Parasiten zu bekämpfen. Nun unterstützen sie auch Hunde bei der Arbeit.

"Er ist quasi ein Azubi", sagt Adam Tesmer lachend über seinen Arbeitskollegen Taylor. Der Spürhund spielt dabei gerade vor seinen Füßen. Der Terrier ist knapp ein Jahr alt und unterstützt den Berliner Schädlingsbekämpfer beim Kampf gegen Bettwanzen. 

Um zu demonstrieren, wie Taylor einen Fund von Bettwanzen anzeigt, versteckt Tesmer ein Röhrchen mit Luftschlitzen und voller lebender Bettwanzen in der Couch einer Kundin. Dann gibt er dem Terrier einen Suchbefehl und der junge Hund jagt los und beschnüffelt das Möbelstück von allen Seiten. Als Taylor das Röhrchen findet, zeigt er das an, indem er mit den Vorderpfoten auf der Stelle tritt. Tatsächlich: Er hat die Bettwanzen aufgespürt.

Im Interview erzählt uns Tesmer, wie die Arbeit mit Taylor abläuft und gibt Tipps, wie Sie Bettwanzen loswerden. 

Terrier Taylor untersucht Couch: Der knapp einjährige Hund wird zum Auffinden von Bettwanzen eingesetzt.  (Quelle: t-online.de)Terrier Taylor untersucht Couch: Der knapp einjährige Hund wird zum Auffinden von Bettwanzen eingesetzt. (Quelle: t-online.de)

t-online.de: Wie läuft so ein Termin mit Taylor ab? 

Adam Tesmer: Wir gucken uns die Räumlichkeiten an – ohne Hund. Wir rücken das Bett ein bisschen vor und machen für den Hund alle Bereiche zugänglich, wo Bettwanzen sein könnten. Dann holen wir den Hund dazu und fangen an, mit ihm zu arbeiten. Der Hund riecht lebende Bettwanzen und spürt die an den üblichen Stellen, wo die Wanzen leben, auf. Er bekommt ein Kommando von mir und fängt seine Arbeit an. Er fährt mit der Nase über die Stellen und untersucht sie auf den Geruch der Bettwanzen. 

Sie sprachen von "üblichen Stellen" an denen sich die Schädlinge verstecken. Wo nisten Bettwanzen sich ein?

Die Wanze nistet gerne in Rohholz, in Tapeten beziehungsweise auch in Spalten, wo sie sich gut verstecken kann. Bettwanzen bewegen sich im Bett und in Bettnähe. Mit Taylor untersuchen wir meistens Lattenrost, Bett und den Bettbereich. Wenn der Befall im Bett sehr stark ist, gibt es das Risiko, dass er sich ausweitet. Sachen, die neben dem Bett stehen, untersuchen wir, wenn der Lattenrost aus Metall ist und die Wanze dort keinen Lebensraum hat. 

Können auch Menschen den Geruch von Bettwanzen wahrnehmen?

Nein. Bettwanzen sind für unsere Nase nicht zu riechen. Der Geruch ist zu fein und für uns deshalb nicht wahrnehmbar.

Wie haben Sie Ihren Hund auf diesen besonderen Geruch der Bettwanzen trainiert? 

Taylor war schon ausgebildet, als wir ihn übernommen haben. Er ist acht Monate lang in Baden-Baden zum Spürhund geschult worden. Unsere Aufgabe als Hundeführer ist es nun, ständig mit ihm zu trainieren und den Geruch mit ihm zu üben, indem wir auch ähnliche Gerüche verwenden oder leere Röhrchen verstecken. 

Adam Tesmer ist als Schädlingsbekämpfer mit seiner Firma "GTS Schädlingsbekämpfung" in Berlin unterwegs. Mit seinem Terrier Taylor kann er Bettwanzenbefall bei Kunden aufspüren.

Was passiert, wenn Taylor bei einem Kunden Bettwanzen erschnüffelt? 

Wenn Taylor anschlägt und uns ein Zeichen gibt, untersuchen wird die Stelle noch einmal selbst. Wir stellen fest, ob tatsächlich Bettwanzenspuren zu erkennen sind. Je nach Ergebnis empfehlen wir, umgehend eine Behandlung durchzuführen, damit die Ausbreitung so schnell wie möglich verhindert wird. Man geht davon aus, dass eine Bettwanze alle drei bis vier Tage maximal zehn Eier legt. Innerhalb von drei bis vier Wochen haben wir dann das vier- oder fünffache an Bettwanzen, wenn nicht eingegriffen wird. 

Bettwanzen waren lange Zeit kein Problem. Nun hört man immer wieder von starkem Befall. Woran liegt das? 

Wir beobachten als Schädlingsbekämpfer seit Jahren einen steigenden Zuwachs an Bettwanzenbehandlung. Der Seniorchef, mein Vater, ist vor sechs, sieben Jahren etwa dreißigmal pro Jahr ausgerückt, um Bettwanzen zu bekämpfen. Mittlerweile habe ich drei Kunden – am Tag. Der Grund ist ein großer Kulturaustausch in Berlin: Ein Zuwachs an Studenten und an Touristen, die natürlich aus der ganzen Welt zu uns kommen. Und somit dann Bettwanzen zu uns bringen. Das ist, glaube ich, das größte Problem.

Taylor beschnüffelt die Matratze: Bettwanzen nisten sich meist im und ums Bett ein.  (Quelle: t-online.de)Taylor beschnüffelt die Matratze: Bettwanzen nisten sich meist im und ums Bett ein. (Quelle: t-online.de)

Wie sieht die Bekämpfung von Bettwanzen konkret aus? 

Wir empfehlen, eine Spritzbehandlung mit Insektiziden durchzuführen. Durch die Langzeitwirkung der Mittel können wir so alle Stadien der Bettwanze zerstören. Ein Problem sind nämlich die Eier der Bettwanze: Die können wir derzeit mit keinem Mittel direkt zerstören. Bei Insektiziden warten wir einfach, bis die Bettwanzen schlüpfen. Sie vergiften sich, wenn sie mit dem Mittel in Berührung kommen. Es gibt außerdem die Wärme- und Kältebehandlung, die bei bewohnten Räumen aber sehr schwer umzusetzen ist. 

Wie gefährlich sind diese Langzeitmittel für Menschen? 

Insektizide sind nicht gefährlich für Menschen. Insekten haben ein ganz anderes Nervensystem als Menschen oder Katzen und Hunde. Die einzige Gefahr, die bei diesen Mitteln besteht, sind Allergien, die entstehen können. Das äußert sich dann durch Schnupfen oder Husten. 

Terrier Taylor: Der Spürhund ist acht Monate lang in Baden-Baden ausgebildet worden.  (Quelle: t-online.de)Terrier Taylor: Der Spürhund ist acht Monate lang in Baden-Baden ausgebildet worden. (Quelle: t-online.de)

Gibt es Risikofaktoren, die Bettwanzen begünstigen – etwa mangelnde Hygiene?

Bettwanzen haben nichts mit Hygiene zu tun. Es ist einfach nur Pech. Wichtig ist nur, schnell zu handeln, weil Bettwanzen sich schnell vermehren. Es gibt keine direkte Vorbeugungsmaßnahme. Wenn man in Hotels ist, kann man dort bestimmte Dinge tun. Etwa Sachen, die man schon getragen hat, eintüten beziehungsweise irgendwo aufhängen, sodass die Bettwanzen die Wäsche nicht erreichen. 

Warum muss man die getragene Wäsche besonders vor Bettwanzen schützen?

Die Bettwanze kann den menschlichen Körper nicht von getragener Kleidung unterscheiden. Unsere Gerüche, etwa auf getragener Kleidung, und die Atmung ziehen die Bettwanzen an. Deshalb klettern die Bettwanzen in die getragene Kleidung und kommen so aus dem Urlaub ins Zuhause. 

Es gibt Empfehlungen, den Koffer nach einer Reise in die Badewanne zu legen. Wie sinnvoll ist diese Maßnahme? 

Das funktioniert. Wenn man die Kleidung nach einiger Zeit ausschüttelt, sollten die Bettwanzen rausfallen. Die Badewanne ist auch gut, weil die Wände so glatt sind und Bettwanzen können da nicht hochklettern und abhauen. Die Schwierigkeit sehe ich aber wieder bei den Eiern. Wenn die Bettwanze in getragener Kleidung Eier abgelegt hat, was durchaus passieren kann, gibt es keine Chance, diese zu erkennen. Die einzige Lösung wäre dann, die Kleidung bei sechzig Grad durchzuwaschen und so die Eier zu zerstören. 

Was ist mit Textilien, die man nicht so heiß waschen darf?

Da gibt es die zweite Alternative: das Einfrieren der Kleidung bei -15 °C. Bei dieser Temperatur sterben auch die Eier ab. 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Tesmer. 

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