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Schon zu Lebzeiten an die Beerdigung denken

dpa-tmn, Bernadette Winter

17.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Friedhof: Man kann sich bei einem Spaziergang ĂŒber den Friedhof mit dem Thema beschĂ€ftigen.
Friedhof: Man kann sich bei einem Spaziergang ĂŒber den Friedhof mit dem Thema beschĂ€ftigen. (Quelle: Kirchner-Media/imago-images-bilder)
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Der Tod? Bloß weg mit dem Gedanken daran. Dabei kann es nicht nur fĂŒr Angehörige entlastend sein, wenn man sich schon frĂŒh Gedanken ĂŒber das Ende macht – es bereichert auch das eigene Leben

Sterben wird jeder, das ist sicher. Doch mit dem Tod, gar mit der eigenen Beerdigung, mag sich kaum einer wirklich befassen. Dabei kann genau das sehr entlastend sein, glauben Fachleute.


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Im Vergleich zu anderen LĂ€ndern sei der Tod in Deutschland noch ein Tabu-Thema, sagt Barbara Till, Bestatterin in Berlin. Zwar habe sich in den vergangenen Jahren bereits einiges getan und eine gewisse Offenheit etabliert, gleichwohl sei der Tod negativ behaftet. "Man schiebt ihn gerne von sich weg." Und das, obwohl er ein ganz wichtiger und fester Bestandteil des Lebens sei.

"Den Gedanken an sich ranzulassen"

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"Es gibt Menschen, die wollen nicht darĂŒber reden", sagt auch Pfarrerin Stefanie Schardien. Das könne ganz unterschiedliche GrĂŒnde haben. Manchmal stecke die irrationale Furcht dahinter, dass man den Tod herbeirede, wenn man sich mit dem Sterben beschĂ€ftige. FĂŒr diese Menschen sei die eigene Beerdigung etwas, was dann nur noch die Angehörigen anginge.

Andere machen sich im Vorfeld Gedanken, schreiben auf, was ihnen wichtig ist und wollen ihre Angehörigen dadurch entlasten. FĂŒr viele sei es tröstlich, sich damit zu beschĂ€ftigen, haben die Expertinnen festgestellt. Schon Gedankenspiele könnten ausreichen, sagt Schardien. Zum Beispiel bei einem Spaziergang ĂŒber den Friedhof zu schauen, was einem gefĂ€llt. "Es geht darum, den Gedanken an sich ranzulassen", erklĂ€rt die Pfarrerin aus FĂŒrth.

Online-Vorsorge-Kurse und Partys

Es sei noch nicht angekommen, dass man locker mit Freunden ĂŒber sein eigenes Ende sprechen könne, unabhĂ€ngig vom Alter, sagt Anne Kriesel. Sie hat die Online-Plattform Bohana gegrĂŒndet, und informiert dort ĂŒber Trauer, alternative Bestattungen und Vorsorgemöglichkeiten. Unter anderem gibt es dort einen Online-Kurs zum Thema Tod, in dem sich die Teilnehmenden mit ihrem eigenen Ende auseinandersetzen können.

Bestatterin Till wiederum hat Vorsorge-Partys ins Leben gerufen. In lockerer AtmosphĂ€re kann jeder mit Freunden oder der Familie ĂŒber den Tod sprechen. Till kommt als fachliche UnterstĂŒtzung dazu, manche kochen etwas oder spielen. Die Themen sind verschieden: Welche Vollmachten sind sinnvoll, wie kann eine Beerdigung aussehen, welche Rolle spielt Nachhaltigkeit?

Unumkehrbare Entscheidungen

Aus Erfahrung weiß Till: "Die wirklichen Dramen entstehen zum Großteil, weil nichts geregelt und vorbereitet ist." Etwa weil bei unverheirateten Paaren dann auf einmal die Eltern zustĂ€ndig sind und essenzielle Dinge entscheiden sollen, obwohl sie vielleicht seit Jahren gar kein enges VerhĂ€ltnis mehr zu ihrem Kind hatten.

"Das wĂ€re zu Lebzeiten ganz einfach verhindert worden, indem man das TotenfĂŒrsorgerecht dem Partner oder der Partnerin ĂŒbertrĂ€gt", erlĂ€utert Till.

Die meisten kĂŒmmerten sich vorab um nichts, stellt auch Anne Kriesel fest. Dann sĂ€ĂŸen die Liebsten bei einem Bestatter oder einer Bestatterin, und wĂŒssten nicht, ob der oder die Angehörige eine Erd- oder Feuerbestattung wollte. "Man muss in diesem Moment Entscheidungen treffen, die nicht mehr umkehrbar sind."

FreirÀume lassen

Eine BestattungsverfĂŒgung kann hier helfen. Sie regelt, wie man konkret beerdigt werden möchte. Feuer-, See-, oder Erdbestattung? Wie sĂ€he die ideale Trauerfeier aus? "Vielen ist das egal, aber genau das ist eine ausschlaggebende Info. Dann können die Zugehörigen entscheiden, was sie fĂŒr sich als wichtig empfinden", sagt Till.

Kriesel rĂ€t zu einem Notfall-Ordner, der den wichtigsten Papierkram enthĂ€lt: Darunter etwa das Testament, die SorgerechtsverfĂŒgung, eine Betreuungsvollmacht, eine PatientenverfĂŒgung, einen Bestattungsvorsorgeplan und eine Bankenvollmacht sowie diverse Kopien.

Info
Checklisten finden Interessierte zum Beispiel bei der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas, dem Verbraucherschutzministerium oder den Verbraucherzentralen.

Doch bei allen Vorabfestlegungen hĂ€lt Kriesel es fĂŒr wichtig, den Angehörigen FreirĂ€ume zur eigenen Gestaltung zu lassen – und nichts schier Unmögliches zu fordern. Wenn es beispielsweise fĂŒr die Familie wichtig ist, einen Ort fĂŒr ihre Trauer zu haben, dann sollte es diese Option geben.

Erinnerungen schaffen

Auch Erinnerungen lassen sich vor dem Ableben gestalten. Ob als Schatzkiste oder mit Briefen, den Lieblingsrezepten der Familie, den wichtigsten BĂŒchern oder Stofftieren, am besten versehen mit einer kleinen Notiz. "Etwas ohne Bezug und Geschichte zu behalten, das macht fĂŒr die Angehörigen keinen Sinn", sagt Kriesel. Es erhalte jedoch eine Bedeutung, wenn sie wĂŒssten, warum es einem selbst wichtig war.

Es muss natĂŒrlich nicht alles perfekt geplant sein. Schardien will hier vor allem den Druck rausnehmen. "Es kann auch eine schöne und wĂŒrdige Beerdigung sein, wenn niemand etwas vorbereitet hat im Vorfeld."

Die BeschĂ€ftigung mit dem Tod bereichert auch das eigene Leben, darin sind sich die Frauen einig. "Weil man es anders genießt und weiß, wie kostbar es ist", sagt Till. Im Sterben habe dann jeder die Chance, sich wirklich diesem Prozess zu widmen. Denn der fordere die ganze Kraft.

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