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Jugendliche m├╝ssen bei der Hausarbeit helfen

t-online, dpa, Simone Bla├č

Aktualisiert am 03.03.2017Lesedauer: 6 Min.
Hausarbeit: Kinder und Jugendliche sollten feste Aufgaben ├╝bernehmen.
Dass Jugendliche auch mal den M├╝ll rausbringen ist das Mindeste - bis zu sieben Stunden Hausarbeit sind zumutbar. (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Kleine Kinder helfen noch gern bei der Hausarbeit. Bei Jugendlichen sieht es schon anders aus. Was viele nicht wissen: Kinder und Jugendliche sind gesetzlich zur Mithilfe im Haushalt verpflichtet. Erziehungsberater geben Tipps, wie Eltern ihre Kinder zum Anpacken bewegen und welcher Aufgaben zumutbar sind.

"Kinderarbeit ist verboten!", grinst der 14-j├Ąhrige Roman seiner Mutter frech ins Gesicht, als diese ihn dazu auffordert, den Tisch abzur├Ąumen. Doch damit kommt er nicht weit, denn Andrea kennt sich aus mit den Gesetzen. Das Jugendarbeitsschutzgesetz verbietet zwar die Kinderarbeit, erlaubt aber ausdr├╝cklich "die Besch├Ąftigung durch die Personensorgeberechtigten im Familienhaushalt".

Ältere Kinder dürfen mehr

Ab der Grundschule ist es realistisch, dass Kinder kleine Aufgaben im Haushalt ├╝bernehmen. Dazu geh├Âren Dinge wie M├╝ll entsorgen, den Tisch abr├Ąumen oder den Boden im Kinderzimmer f├╝r das Staubsaugen zu entr├╝mpeln. "Am besten spricht man die Aufgabenverteilung in der Familie ab und fragt das Kind, welche es ├╝bernehmen w├╝rde", r├Ąt Maria Gro├če Perdekamp, Leiterin der Onlineberatung der Bundeskonferenz f├╝r Erziehungsberatung (bke).

Je ├Ąlter die Kinder sind, desto gr├Â├čer wird das Spektrum: T├Ątigkeiten in Haushalt und Garten, Boteng├Ąnge, die Betreuung von Kindern oder Senioren sowie Einkaufst├Ątigkeiten sind ihnen zuzumuten.

Ab 14 sind sieben Stunden pro Woche angemessen

Das B├╝rgerliche Gesetzbuch (┬ž1619 BGB) sieht das Mithelfen gar als Gegenleistung f├╝r den Erziehungsauftrag und das Dach ├╝ber dem Kopf. Dass man den Nachwuchs dabei nicht zum Aschenputtel macht, versteht sich von selbst und auch der Entwicklungsstand und die Kr├Ąfte des Kindes m├╝ssen von den Eltern ber├╝cksichtigt werden. Nach Vollendung des 14. Lebensjahres betrachtet der Bundesgerichtshof sieben Stunden Mithilfe im Haushalt pro Woche als angemessen. Ist jemand krank, besteht ein Notfall oder m├╝ssen beide Eltern voll arbeiten, dann kann sich die Stundenzahl noch erh├Âhen.

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Mit seiner pers├Ânlichen Haushaltshilfe darf man aber auch einen Jugendlichen nicht verwechseln. F├╝hlt dieser sich ausgenutzt, so steht ihm n├Ąmlich der Gang zum Jugendamt offen.

Es muss nicht immer Geld zur Belohnung sein

Roman entscheidet sich dann doch lieber murrend f├╝rs Tisch abr├Ąumen, versucht es aber noch auf einem anderen Weg: "Moritz bekommt immer Geld, wenn er mithilft. Das k├Ânnten wir doch auch mal einf├╝hren?" Seine Mutter ist davon nicht begeistert. Sie bekommt ja auch kein Geld daf├╝r, wenn sie seine Sportsocken w├Ąscht.

Ob man Kindern und Jugendlichen Leistungen im Haushalt bezahlen sollte oder nicht, dar├╝ber scheiden sich die Geister. Es gibt zahlreiche Varianten: Die einen zahlen kleine Betr├Ąge f├╝r die Hilfe und geben daf├╝r kein Taschengeld. Die anderen erwarten kleine Arbeiten wie Tischabr├Ąumen und entlohnen Zusatzaufgaben wie Autowaschen.

Weitere entscheiden sich f├╝r eine Putzfrau, zu deren Bezahlung Jugendliche seinen Teil beitragen muss. Die Variante, au├čergew├Âhnliche Arbeiten mit Au├čergew├Âhnlichem zu belohnen, wird von Erziehungsberatern als "p├Ądagogisch wertvoll" empfohlen. Zur Belohnung muss es nicht immer Geld geben, denkbar sind auch ein Ausflug, eine Zeitschrift oder f├╝r die Kleinen eine Extra-Vorlesestunde.

"Wenn man als Jugendlicher wie ein Erwachsener behandelt werden will, dann sollte man sich auch wie einer benehmen", findet Norbert, Vater von zwei S├Âhnen und einer Tochter. "Dazu geh├Ârt f├╝r mich, ein paar kleinere Aufgaben im Haushalt zu ├╝bernehmen - ohne monet├Ąre Gegenleistung." Zwischen den Geschlechtern macht er keinen Unterschied: "Ich finde es einfach wichtig, dass Theresa auch einen Nagel in die Wand schlagen kann und die Jungs die Funktionen der Waschmaschine kennen."

Die Schule darf nicht zu kurz kommen

Eleonore meint dagegen: "Ein bisschen mithelfen ist okay, mal den Tisch abr├Ąumen oder so, aber eigentlich finde ich, dass die Kids von heute genug zu tun haben. Wenn ich mir das Schulpensum meiner Gro├čen anschau, das entspricht doch einer 40-Stunden-Woche. Ich finde, sie sollte ihre Freizeit lieber mit Sport und Freunden verbringen. Putzen muss sie doch noch fr├╝h genug!"

Jugendliche haben bei der Mithilfe im Haushalt nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte. Wenn die famili├Ąren Aufgaben ihren schulischen Erfolg verhindern, etwa weil kaum Zeit f├╝r das Lernen bleibt, sind sie nicht zul├Ąssig. Denn der Schulbesuch sollte analog zum Jugendarbeitsschutzgesetz auch bei Familienarbeit als gesch├╝tzt gesehen werden, erkl├Ąrt Gerd Engels von der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ). Auch h├Ąusliche Arbeit vor und w├Ąhrend der Schulzeit sei demnach verboten.

Hauptanteil der Hausarbeit sollte bei Eltern liegen

Zwischen Pflichten im Haushalt und Freizeit muss ein passender Mittelweg gefunden werden. Grunds├Ątzlich sollten sich Jugendliche angemessen beteiligen. "Zwei Drittel des Zeitkontingents sollten aber die Eltern ├╝bernehmen", sagt Klaus Neumann, Psychologe aus M├╝nchen.

Aber es ist auch nicht sinnvoll, die Kinder vor der Hausarbeit zu verschonen. Denise musste zu Hause nie mithelfen und bereut es jetzt: "Es ist mir nicht bekommen. Ich habe echt ein Problem, Ordnung zu machen und sie auch beizubehalten."

Das Elternhaus: Hotel oder Zuhause?

Letztendlich muss jede Familie f├╝r sich entscheiden, wie der Haushalt gehandhabt wird. "Es gibt nur selten Grund, die t├Ągliche Praxis zu ver├Ąndern, wenn die Erwachsenen fr├Âhlich und zufrieden sind ÔÇô unabh├Ąngig davon, was wir Experten meinen oder schreiben", sagt dazu der Familientherapeut Jesper Juul. Er wundert sich aber ├╝ber Eltern, die sich beklagen, ihre Kinder ben├Ąhmen wie in einem Hotel. "Meine - zugegeben - ein wenig schroffe Antwort lautet meistens, dass Jugendliche dies in der Regel tun, wenn ihre Eltern ihnen auch nicht mehr angeboten haben, als ein Hotel seinen G├Ąsten anbietet, n├Ąmlich guten Service."

Helfen hei├čt nicht nur putzen

Kleine Aufgaben in der Familie haben eine gro├če Bedeutung: Es tut jedem Menschen gut, wenn er etwas f├╝r die Gemeinschaft tun kann und merkt, dass er gebraucht wird. Das muss nicht hei├čen, dass jedes Kind sp├╝lt oder Waschbecken putzt. "Meine Tochter kann Hausarbeit ├╝berhaupt nicht leiden. Aber sie passt gerne auf ihre kleineren Geschwister auf, spielt mit ihnen oder erkl├Ąrt ihnen die Hausaufgaben. Auch geht sie immer klaglos einkaufen, wenn ich Kleinigkeiten vergessen habe", freut sich Eleonore.

Wenn Kinder auf die j├╝ngeren Geschwister aufpassen m├╝ssen, ist das grunds├Ątzlich okay. Eltern haben aber nach wie vor f├╝r alle Kinder die F├╝rsorgepflicht. Wenn sich Jugendliche vom Babysitten ├╝berfordert f├╝hlen, muss das offen besprochen werden.

Kindern feste Aufgaben zuteilen

Am sinnvollsten ist, gemeinsam zu ├╝berlegen, welche Aufgaben das Kind ├╝bernehmen kann und m├Âchte, wie der zeitliche Rahmen aussieht und unter welchen Umst├Ąnden Arbeit aufgeschoben werden kann. Bei der Umsetzung ist Konsequenz n├Âtig. Ist eine Absprache f├╝r einen nicht mehr in Ordnung, dann muss neu verhandelt werden. Bindet man das Kind bereits wenn es klein ist in altersgerechte Aufgaben ein, wird es sp├Ąter ganz selbstverst├Ąndlich seinen Teil zum Familienhaushalt beitragen.

Trotzdem darf man sich nicht darauf verlassen, denn es gibt bei fast allen Jugendlichen eine Zeit, in der alles andere wichtiger ist als das Wischen einer Treppe oder das Leeren des M├╝lleimers. Teenager befinden sich in einer Phase der Selbstfindung. Hinter Provokation versteckt sich das Austesten von Grenzen, hinter frechen Spr├╝chen Unsicherheit. Aber wenn Eltern sowieso schon gereizt sind, fallen schnell die falschen Worte. Besser ist es, sich kurz zur├╝ckzuziehen und das Thema sp├Ąter noch einmal anzusprechen.

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Wer ernst genommen werden will, muss auch andere ernst nehmen

Wutausbr├╝che und Strafen haben selten Erfolg. Nat├╝rlich kann man Kinder und Jugendliche mit dem Resultat ihres Verhaltens konfrontieren. Man kann ihnen abends das Essen auf dem zur├╝ckgebliebenen Teller vom Mittag servieren, den stinkenden Abfalleimer ins Zimmer stellen oder darauf verzichten, ihnen saubere W├Ąsche in den Schrank zu r├Ąumen.

Aber letztendlich muss man sich klarmachen: Ein Machtkampf wird nichts bringen. Man wird ihn langfristig verlieren, selbst wenn man mal eine Schlacht gewinnt. Besser ist es, sich gespr├Ąchsbereit zu zeigen, einen sachlichen Ton anzuschlagen und zu signalisieren, dass man den Jugendlichen ernst nimmt und ihm zuh├Ârt. Gleiches aber auch von ihm erwartet. Dass beim Ausf├╝hren der Arbeit gemault wird, ist oft unumg├Ąnglich. Hier sollte man auf Durchzug schalten und auf keinen Fall das Gemosere damit belohnen, dass man dem Nachwuchs die ├╝bertragene Aufgabe einfach so abnimmt.

Eltern m├╝ssen es aushalten, wenn es l├Ąnger dauert

Oft passiert es, dass Kinder die Aufgaben nicht dann erledigen, wenn Eltern es f├╝r n├Âtig halten, oder viel l├Ąnger daf├╝r brauchen. "Es ist dann aber kontraproduktiv, wenn Eltern die Dinge wieder an sich rei├čen", warnt Gro├če Perdekamp. An Kinder sende das eine widerspr├╝chliche Botschaft. Das hei├čt: Eltern m├╝ssen es aushalten, dass Geschirr einmal stehenbleibt oder rund ums Sp├╝lbecken alles unter Wasser steht. Beim Aufteilen der Hausarbeit sei ja nicht Ziel, dass Kinder die Aufgaben genauso schnell erledigten wie die Eltern. "Sie sollen lernen: Familie ist eine Gemeinschaft, zu der jeder etwas beitr├Ągt."

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