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Silver Sex: Gibt es eine Altersgrenze beim Liebesleben?


Frauenarzt über Silver Sex
"Sex heißt, Ekstase zuzulassen – egal in welchem Alter"

  • Jennifer Buchholz
InterviewVon Jennifer Buchholz

Aktualisiert am 18.07.2024Lesedauer: 4 Min.
Interview
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Der Gesprächspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

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Älteres Pärchen im BettVergrößern des Bildes
Intimität: Die Sexualität ändert sich in den jeweiligen Lebensphasen. (Quelle: Jacob Wackerhausen/getty-images-bilder)

Die eigene Sexualität gehört für viele zu ihrer Persönlichkeit. Allerdings kann mit der Zeit das psychische und physische Befinden das eigene Liebesleben stark verändern – bei Männern und besonders bei Frauen. Ist das ein Grund, auf Intimität zu verzichten? Gibt es eine Altersgrenze für Sex? Ein Experte im Interview klärt auf.

Der Tod des Partners, große medizinische Eingriffe oder lediglich die natürlichen Veränderungen des eigenen Körpers können dazu führen, dass das Thema Sexualität mit zunehmenden Alter nach und nach in den Hintergrund rückt – unbewusst, teilweise aber auch absichtlich. Dr. med. Christian Albring, Frauenarzt in Hannover, spricht mit t-online über die Sexualität älterer Frauen.

t-online: Laut Kinsey-Report sind Frauen ab 50 pro Jahr 5 Prozent weniger sexuell aktiv – also mit 60 Jahren nur noch 54 Prozent, mit 70 Jahren 32 Prozent. Woran liegt das?

Achtung
Auch wenn für Sie Schwangerschaftsverhütung ab einem bestimmten Lebensabschnitt nicht mehr relevant ist, sollten Sie weiterhin bei jedem Partnerwechsel Kondome nutzen. Eine Übertragung von Krankheiten beim Geschlechtsverkehr ist in jedem Alter möglich.

Dr. med. Christian Albring: Von der Evolution ist die Sexualität einzig als Mittel zur Fortpflanzung gedacht. Es ist biologisch weder vorgesehen, so lange zu leben, bis die Wechseljahre kommen, noch ab dieser Lebensphase weiter Sex zu haben, um erneut schwanger zu werden. Darum wird in den Wechseljahren allmählich die Hormonproduktion bei der Frau eingestellt. Dass Menschen trotzdem weiter Lust auf Sex haben, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Wie verändert sich die Sexualität im Alter?

In Langzeitbeziehungen nimmt die sexuelle Spannung bei beiden Partnern im Lauf der Jahrzehnte häufig ab, ohne dass das zwangsläufig einen Verlust an Liebe und Zärtlichkeit bedeuten würde. Außerdem gehört nach allgemeiner Auffassung zum Sex, dass man sich und den Partner attraktiv findet. Wenn beides mit zunehmendem Alter nachlässt, weil die Haut faltiger und das Gewebe weniger fest ist, muss das Paar lernen, mit dem Verlust an Attraktivität umzugehen. Sonst geht die sexuelle Spannung verloren.

Sex bedeutet zudem, Ekstase zuzulassen, und vielen Menschen wird das mit zunehmendem Alter schlicht zu mühselig, nicht nur körperlich, sondern auch psychisch.

Gibt es medizinische Gründe, warum Frauen mit 60 keinen Sex mehr haben können oder wollen?

Bei Frauen lässt durch den Hormonmangel in und nach den Wechseljahren die Libido nach. Durch den Hormonmangel wird beispielsweise die Vagina trockener, schmerzender und schneller verletzlich, da ihre Hautschichten immer dünner werden. Zusätzlich können Operationen oder die örtliche Bestrahlung und Nachbehandlung bei Gebärmutterhalskrebs oder Gebärmutterkrebs, zur Unlust führen – und sogar die Unfähigkeit, Sex zu haben, verstärken.

Ein Problem, das mit dem Alter zunimmt, ist auch die Harninkontinenz. Wenn eine Frau ihren Urinabgang beim Sex nicht mehr sicher kontrollieren kann, wird sie diese Situationen zunehmend vermeiden.

Sowohl bei Frauen als auch bei Männern erschweren die abnehmende körperliche Belastbarkeit sowie Gelenkigkeit, Schmerzen im Rücken und in Hüft- und Kniegelenken die sexuellen Aktivitäten. Zudem dürfen sich Patienten mit Herzerkrankungen oder nach Schlaganfällen beim Sex nicht zu stark körperlich verausgaben. Zusätzlich lassen Nebenwirkungen von Blutdrucksenkern, Antihormontherapien nach Brustkrebs, aber auch Diabetes die Lust vorübergehend oder dauerhaft völlig versiegen.

Was sind die Sorgen und Ängste der Patientinnen?

Nicht alle Frauen sind durch die Veränderung ihres Sexuallebens besorgt. Mit einem liebevoll und vertrauten Partner, mit dem Nähe und Zärtlichkeit möglich ist, kann das trotz der Begrenzung eine Partnerschaft mit einer hohen Lebensqualität sein.

Ist dagegen der Partner fordernd, formuliert seine Enttäuschung über die nachlassende Attraktivität und Bereitschaft seiner Partnerin zum Sex abwertend und kann er selbst sich mit den abnehmenden sexuellen Aktivitäten nicht zufriedengeben – warum auch immer –, dann suchen die Frauen schon eher um Rat.

Das Gleiche gilt natürlich ebenfalls für Frauen, die sich bisher stark über ihre Attraktivität und ihre sexuelle Aktivität definiert haben. Sie können das allmähliche Versiegen ihrer Sexualität als Kränkung erleben und alle Möglichkeiten suchen, sich hier entgegen zu stemmen.

Wie versuchen Mediziner ihren Patienten diese Ängste und Sorgen zu nehmen?

Tipps für Sie: Gehen Sie offen mit den Veränderungen Ihrer Sexualität gegenüber sich selbst und gegenüber Ihrem Partner um. Probieren Sie neue, vielleicht weniger anstrengende Techniken, Stellungen oder verschiedene Hilfsmittel aus, anstatt auf Altbekanntes zu setzen.

Ersetzen Frauen beim Eintritt in die Wechseljahre sofort die fehlenden Botenstoffe, werden die meist hormonbedingten Ausfälle nicht auftreten. Wenn die Frau den Wunsch hat, ihre frühere Libido wiederherzustellen beziehungsweise die Folgen des Hormonmangels auszugleichen, ist das unter Beachtung von Gegenanzeigen möglich.

Vor allem ist zu prüfen, ob Krankheiten oder Medikamente sich negativ auf die Sexualität auswirken und ob diese Zustände beseitigt werden können. Eine trockene, schmerzende Vagina kann meist sehr gut mit lokal wirkenden Hormonpräparaten behandelt werden. Wichtig ist zudem, dass in der Partnerschaft Vertrauen und Zuneigung herrschen, sodass zusammen über die Situation und über die begrenzten Möglichkeiten gesprochen werden kann.

Warum ist es ein Tabu, seine sexuelle Lust auch noch im Alter von 60 oder 70 Jahren zuzugeben?

In der frauenärztlichen Sprechstunde ist das kein Tabu, sondern zählt bereits zur Routinefrage. Wenn eine Frau ihren Gynäkologen fragt, ob es möglich ist, wieder zu einer intensiver gelebten Sexualität mit ihrem Partner zu kommen, wird sie dazu ausführlich beraten und gegebenenfalls eine Therapie erhalten.

Verwendete Quellen
  • Dr. med. Christian Albring, niedergelassener Frauenarzt in Hannover
  • Berufsverband der Frauenärzte e. V.
  • Sexual desire and sexual activity of men and women across their lifespans: results from a representative German community survey – Studie
  • Eigne Recherche
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