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Plastikmüll: Wie der niedrige Ölpreis das Recycling in Deutschland gefährdet

Plastikmüll  

Wie der niedrige Ölpreis das Recycling gefährdet

Von Juliane Wellisch

23.06.2020, 19:24 Uhr
Plastikmüll: Wie der niedrige Ölpreis das Recycling in Deutschland gefährdet. Ein Müllwerker wirft gelbe Säcke in ein Müllauto: Das Müllaufkommen ist in der Coronakrise gestiegen. (Quelle: imago images/photothek)

Ein Müllwerker wirft gelbe Säcke in ein Müllauto: Das Müllaufkommen ist in der Coronakrise gestiegen. (Quelle: photothek/imago images)

Während des Corona-Lockdowns ist der Anteil an Plastikmüll deutlich gestiegen. Effektives Recycling kommt jedoch kaum zustande. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Ölpreis.

Im Rahmen des Corona-Lockdowns ist das Müllaufkommen von Privathaushalten in Deutschland deutlich gestiegen. Das betrifft insbesondere Verpackungs- und Plastikmüll. Viel davon landet in der gelben Tonne. Eine gute Nachricht für das Recycling ist das dennoch nicht.

Denn gleichzeitig ist durch das drastisch gesunkene Verkehrsaufkommen und die Schließung vieler Industriezweige der Ölpreis gesunken. Zeitweise erreichte der Preis für amerikanisches Rohöl sogar einen negativen Wert. In der Folge ist es für viele Unternehmen günstiger auf Plastik zu setzen, das aus Rohöl hergestellt wurde – und nicht aus recyceltem Plastik.

Die Kosten für die Herstellung von Plastikprodukten aus Rohöl und recyceltem Material unterscheiden sich derzeit erheblich. Wie t-online.de aus Branchenkreisen erfuhr, kostet beispielsweise neues PET nur etwa halb so viel wie PET aus Recyclat. Viele Unternehmen verwenden daher aus Kostengründen Plastik aus Rohöl. 

Viele Produkte noch nicht recyclingfähig

Erschwerend kommt hinzu, dass noch immer viele Plastikverpackungen für das Recycling ungeeignet sind. Insbesondere Verpackungen aus verschiedenen Plastikarten können nur schwer oder gar nicht verwertet werden.

Darüber hinaus gibt es zwar gesetzliche Recyclingquoten, also Mindestmengen an Müll, der gesammelt, sortiert und verwertet werden muss, solcherlei Vorgaben existieren jedoch nicht für die Herstellung. Das neue Verpackungsgesetz von 2019 hat hier nicht nachgebessert, auch der Koalitionsvertrag spricht nur von einer Prüfung möglicher gesetzlicher Pflichten.

Was können Verbraucher tun

Auch wenn noch zu wenige Verpackungen aus recyceltem Material hergestellt werden, ist es wichtig, dass Privathaushalte weiter den Müll trennen und recyclen. Das gilt nicht nur für Plastik, sondern ebenso für Papier, Glas, Aluminium und andere Wertstoffe.

Gleichzeitig können Verbraucher beim Einkauf auf Hinweise zu recycelten Materialien achten,  wie "hergestellt aus 100 Prozent recyceltem Plastik". Dadurch werden auch andere Hersteller ermutigt, auf recyceltes Plastik umzusteigen.

Würde sich die Einsatzquote von recycelten Materialien in Deutschland verdoppeln, könnten etwa 60 Millionen CO2-Äquivalente pro Jahr eingespart werden. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 entsprach der Treibhausgasausstoss in Deutschland 866 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Unter CO2-Äquivalenten versteht man die Gesamtheit aller klimaschädlichen Treibhausgase – nicht nur Kohlenstoffdioxid – also beispielsweise auch Methan und Lachgas und ihre Wirkung auf den Treibhauseffekt. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Bundesumweltamt

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