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CORSIA: Wie sich die Luftfahrtbranche mit Corona dem Klimaschutz entzieht


Wie sich die Luftfahrtbranche mit Corona dem Klimaschutz entzieht

Von Juliane Wellisch

02.07.2020Lesedauer: 3 Min.
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Ein Flugzeug landet in Sydney: Der Luftverkehr ist in der Corona-Krise drastisch eingebrochen.
Ein Flugzeug landet in Sydney: Der Luftverkehr ist in der Corona-Krise drastisch eingebrochen. (Quelle: Jason Reed/Reuters-bilder)
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Durch die Corona-Pandemie ist die Luftverschmutzung durch die Luftfahrt drastisch zurückgegangen. Doch für das Klima ist das keine gute Nachricht: Mittelfristig wird der CO2-Ausstoß dadurch weniger reduziert.

Wenige Wochen nach dem Beginn der Corona-Beschränkungen mehrten sich die Berichte über positive Effekte des Lockdowns auf die Umwelt – Delfine tauchten wieder vermehrt am Bosporus oder vor Triest auf, da der Schiffsverkehr weitgehend zum Erliegen gekommen war. Die Wasserqualität hatte sich verbessert und auch die Luftqualität erlebte eine deutliche Erholung.

Tatsächlich ist infolge der Corona-Beschränkungen der CO2-Ausstoß weltweit merklich zurückgegangen. Weniger Menschen waren mit Autos und Flugzeugen unterwegs, auch der Warenverkehr wurde eingeschränkt und viele Industriebetriebe ganz oder teilweise stillgelegt. So lagen die CO2-Emissionen Anfang April weltweit 17 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. In der Luftfahrt war der Rückgang besonders hoch. Hier erreichte der CO2-Ausstoß am 7. April einen Tiefststand von minus 60 Prozent gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt. Doch die niedrigeren Emissionen im Jahr 2020 könnten dem Klima in den nächsten Jahren zum Verhängnis werden.

Klimaschutzinstrument CORSIA durch Corona aufgeweicht

Die UN-Luftfahrtorganisation ICAO hat 2016 ein eigenes Klimaschutzinstrument beschlossen. Die Vereinbarung CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) regelt, wie viel Kohlenstoffdioxid die Luftfahrtunternehmen ab 2021 einsparen bzw. kompensieren sollen. Das Abkommen gilt allerdings nur für internationale Flüge, Inlandsflüge sind dadurch nicht abgedeckt.

Ursprünglich sollten die beiden Jahre 2019 und 2020 als Basis für die Einsparungen gelten. Alle Emissionen, die über dem Mittel dieser Jahre liegen, sollten ab 2021 kompensiert werden, beispielsweise durch Investitionen in CO2-senkende Klimaschutzprojekte. Nun konnte sich jedoch der internationale Airlineverband Iata mit einem Vorschlag durchsetzen, der allein das Jahr 2019 für die Berechnung der CO2-Emissionen berücksichtigt.

Für die Luftfahrtunternehmen bedeutet dies, dass sie wahrscheinlich kaum Anstrengungen zur Reduzierung oder Kompensation von Emissionen in den ersten Phasen des Projekts anstrengen müssen. Denn auch wenn der internationale Luftverkehr in den nächsten Monaten wieder zunimmt, wird es wahrscheinlich noch Jahre dauern, bis das Niveau von 2019 erreicht ist. Die Unternehmen argumentieren, dass die Corona-Krise sie ohnehin bereits finanziell stark belaste – Ausgaben für den Klimaschutz stellen dabei einen zusätzlichen Kostenfaktor dar.

Auch mit 2020 kaum Kompensation notwendig

Es ist jedoch fraglich, ob die Unternehmen viel in den Klimaschutz hätten investieren müssen, wenn das Jahr 2020 ebenfalls in die Berechnung des Basis-Ausstoßes einbezogen worden wäre. Berechnungen des Öko-Instituts ergeben, dass die Luftfahrtunternehmen auch mit der ursprünglichen Emissionsbasis in der Pilotphase (2021-2023) kein CO2 hätten kompensieren müssen.

Durch die Konzentration auf das Jahr 2019 werden die notwendigen Kompensationsmaßnahmen hingegen auch in der ersten Phase (2024-2026) halbiert und in der zweiten Phase (2027-2029) um ein Viertel reduziert. Dabei gehen die Forscher von einer schnellen Erholung des Luftfahrtverkehrs aus. Sollte es länger dauern, bis der internationale Luftverkehr auf das Vor-Corona-Niveau zurückkehrt, sind die Auswirkungen der neuen Richtlinie noch gravierender – dann entfallen sowohl in der Pilot- als auch in der ersten Phase die Kompensationen komplett, in der dritten Phase werden sie um drei Viertel reduziert.

Die ICAO feiert die geänderte Richtlinie derweil als Erfolg. Als "großartige Nachrichten für die Umwelt" bezeichnet die Behörde die jetzt beschlossene Änderung.

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CORSIA war bereits vor der jetzigen Aufweichung in der Kritik, da das Abkommen von vornherein nur eine langsame Reduktion bzw. Kompensation von CO2 vorsah. Zudem berücksichtigt die Vereinbarung andere Emissionen nicht, die ebenfalls den Treibhauseffekt verstärken. Andererseits ist das Abkommen das erste derartige Klimaschutzinstrument einer Industriebranche. Durch die jetzt verabschiedete Regelung bleibt dieses Instrument jedoch zahnlos.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Nature.com
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