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Nachhaltigkeit: Was bringt ein gutes Gewissen bei der Geldanlage?


Was bringt ein gutes Gewissen bei der Geldanlage?

Von dpa
10.02.2021Lesedauer: 3 Min.
Der Klimawandel hat bei vielen das Bewusstsein f├╝r nachhaltige Anlagen gesch├Ąrft.
Der Klimawandel hat bei vielen das Bewusstsein f├╝r nachhaltige Anlagen gesch├Ąrft. Erneuerbare Energien zum Beispiel bieten durchaus Chancen. (Quelle: Tom Weller/dpa/dpa-tmn./dpa)
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Ein Begriff macht Karriere: Nachhaltigkeit ist in fast aller Munde. Spielte das Wort noch vor wenigen Jahren allenfalls in der Umweltbewegung eine Rolle, gewinnt es inzwischen f├╝r immer breitere Bev├Âlkerungsteile an Bedeutung ÔÇô egal ob beim Einkaufen, Essen, Reisen, Einkleiden oder bei der Geldanlage.

Kein Wunder, denn beschrieben wird damit ein gutes Prinzip: Die eigenen Bed├╝rfnisse befriedigen, ohne dabei zuk├╝nftigen Generationen die Lebensgrundlagen zu entziehen. Glaubt man Umfragen, wird genau das f├╝r viele Menschen immer wichtiger. Nicht zuletzt wegen Corona.

Seit Beginn der Pandemie ist Nachhaltigkeit f├╝r 18 Prozent der Bundesb├╝rger bedeutender geworden, wie eine Umfrage der Puls Marktforschung im Auftrag der Quirin Privatbank zeigt. F├╝r fast 67 Prozent ist das Thema demnach noch genauso wichtig.

Wachstumsraten sind enorm

"Das ist l├Ąngst kein Nischenthema mehr", sagt Carlo Funk, beim Verm├Âgensverwalter State Street Global Advisors verantwortlich f├╝r nachhaltige Investmentstrategie. "Das Bewusstsein f├╝r das Thema ist da. Damit besch├Ąftigen sich viele Kunden."

Und der Markt w├Ąchst. Allein 2019 investierten Privatanleger 18,3 Milliarden Euro in entsprechende Produkte, wie der letzteMarktbericht des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG)zeigt. Das entspricht einer Wachstumsrate von 96 Prozent. 2018 lag diese Summe noch bei rund 9,4 Milliarden Euro. Dass die Zahlen f├╝r 2020 schlechter ausgefallen sind, ist kaum zu erwarten.

Im Gegenteil: "Auch im vergangenen Jahr war das Wachstum im Volumen nachhaltiger Anlagen rasant", sagt Reinhard Pfingsten, Chief Investment Officer bei der Bethmann Bank. "W├Ąhrend in den Vorjahren der Markt im Wesentlichen von institutionellen Geldern gepr├Ągt war, spielt nun auch der Privatkundenmarkt eine immer gr├Â├čere Rolle."

"Nachhaltige Kapitalanlagen sind der Megatrend auf dem globalen B├Ârsenmarkt", erkl├Ąrt Lena Lochner, Portfoliomanagerin Bayerische Verm├Âgen Management AG. "Nachhaltige Fonds und ETFs haben 2020 nicht nur ihr Handelsvolumen ausbauen k├Ânnen, sondern auch eine au├čerordentlich positive Wertentwicklungen gezeigt."

Einheitliche Kriterien fehlen

Trotz dieser guten Entwicklung gibt es ein Problem: Was als nachhaltig gilt, ist nicht einheitlich festgelegt. "Der Begriff verschwimmt zudem immer mit der Definition von ESG - also den Kriterien f├╝r eine gute Umwelt (E), f├╝r die Ber├╝cksichtigung sozialer Aspekte (S) und f├╝r eine gute Unternehmensf├╝hrung (G)", erkl├Ąrt Frank Wieser, Gesch├Ąftsf├╝hrer von PMP Verm├Âgensmanagement.

Gerade f├╝r Privatanleger ist es deshalb oft nicht einfach, passende Produkte zu finden. So nahm dieStiftung Warentestnachhaltige Fonds, die weltweit investieren, unter die Lupe. Die Tester wollten unter anderem wissen, welche Branchen und Gesch├Ąftspraktiken die Anbieter ausschlie├čen und ob das auch f├╝r T├Âchter, Beteiligungen und Zulieferer der Firmen gilt. Ein Ergebnis: In ihrer Anlagestrategie unterscheiden sich die Fonds mitunter deutlich.

Analyse erfordert viel Wissen

Oft geben sich Firmen oder Anbieter nur einen nachhaltigen Anstrich, weil sie sich davon bessere Chancen erhoffen. In Wirklichkeit arbeiten sie aber gar nicht so umweltbewusst oder sozial wie dargestellt. "Privatanleger haben kaum die M├Âglichkeit, dieses sogenannte "greenwashing" zu durchschauen", sagt Carlo Funk.

Denn die Recherche ist sehr aufwendig: "Im Prinzip m├╝ssen Sie ihre klassische Wertpapieranalyse verdoppeln f├╝r die nachhaltige Analyse", sagt Reinhard Pfingsten. Die allermeisten Kleinanleger sind hier vermutlich ├╝berfordert.

Angebot soll f├╝r Anleger transparenter werden

Trotzdem wird der Markt nachhaltiger Anlagen weiter wachsen, da sind sich die viele Experten sicher. Dazu beitragen wird neben einem gewachsenen Bewusstsein auch die Regulierung: Durch die neue Offenlegungsregulierung der EU soll das Thema nachhaltige Geldanlage f├╝r Anleger und ihre Berater in 2021 ein fester Bestandteil werden.

"Hintergrund ist die Umsetzung des EU-Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums", erkl├Ąrt Mathias Lebtig, Gesch├Ąftsf├╝hrer der FP Asset Management GmbH. "Wer k├╝nftig einen Kunden zur Geldanlage ber├Ąt, muss seine Nachhaltigkeitspr├Ąferenzen abfragen." F├╝r Carlo Funk steht fest: "Das wird die Landschaft ver├Ąndern." Denn Nachhaltigkeit werde jetzt in jedem Beratungsgespr├Ąch ein Thema.

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