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Wangerooge in Finanznot: Insel sucht Fachkräfte – mit drastischen Folgen


Wangerooge will Anschluss ans Festland – Wer nimmt die Insel auf?

Von t-online, stk

Aktualisiert am 04.10.2023Lesedauer: 3 Min.
Die Insel Wangerooge kämpft mit dem Fachkräftemangel (Symbolbild).Vergrößern des BildesDie Insel Wangerooge kämpft mit dem Fachkräftemangel (Symbolbild). (Quelle: imago)
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Seit 140 Jahren ist die Insel Wangerooge eine eigenständige Gemeinde, doch damit könnte bald Schluss sein. Jetzt haben die Bürger das letzte Wort.

Die Entscheidung ist eindeutig: Mit sechs zu drei Stimmen entschieden die Verantwortlichen des Wangerooger Rates am späten Dienstagabend, sich zukünftig einer Gemeinde am Festland anschließen zu wollen. Die Insel könnte somit seine Eigenständigkeit verlieren, was einem Novum gleichkommen würde. Keine zu Niedersachsen gehörende Insel hat einen solchen Schritt bislang je gewagt. Nun sind die Bürger an der Reihe, sie sollen über eine finale Entscheidung abstimmen.

Vorausgegangen waren der Entscheidung des Rates hitzige Debatten, berichten mehrere Medien übereinstimmend. Laut "Nordwest-Zeitung" (NWZ) hatten sich Dienstagabend etwa 150 Menschen in der Dünenhalle zusammengefunden, nur wenige Plätze blieben demnach frei. Dort fällte der Rat dann die Entscheidung: Die Insel wolle Verhandlungen zum Anschluss mit Kommunen auf dem Festland führen.

Verliert die Insel ihre Identität?

Die Ratsmitglieder der Insel Wangerooge, die zum Landkreis Friesland gehört, könnten sich beispielsweise einen Zusammenschluss mit der Gemeinde Wangerland vorstellen. Aber auch andere Gemeinden seien denkbar, um künftig zu einer Samtgemeinde zu verschmelzen, berichtet der "NDR". Favoriten gebe es keine.

Hintergrund der Bestrebungen sei die anhaltend schlechte wirtschaftliche Situation. Wangerooges Kassen sind laut mehrerer Medienberichte leer, der Fachkräftemangel tue sein Übriges. Durch den möglichen Zusammenschluss versprechen sie die Ratsmitglieder sogenannte Synergieeffekte. Die Idee: Schließe sich Wangerooge einer anderen Kommune an, würde der Austausch von Fachkräften besser gelingen, Wissen ausgetauscht und letztlich zu einem neuerlichen Aufschwung auf der beliebten Ferieninsel sorgen. Vor allem im Verwaltungsapparat brauche es demnach neue Mitarbeiter, hieß es.

Davon sind jedoch nicht alle politischen Vertreter überzeugt. Im Gegenteil: Dr. Fritz Peters, Ratsmitglied und Zahnarzt auf der Insel, befürchtet laut "NWZ", Wangerooge könnte durch einen Zusammenschluss seine Eigenständigkeit und Identität verlieren. Andere argumentierten, auch auf dem Festland seien kaum Fachkräfte zu akquirieren. Hinsichtlich der erhofften Angestellten von dort dürfe man sich nicht zu viel versprechen.

Ein möglicher Zusammenschluss könnte unter anderem bedeuten, dass die Insel ihren eigenständigen Gemeinderat aufgeben müsste. Auch wäre ein eigener Haushalt – und die Möglichkeit, darüber unabhängig zu entscheiden – dann Geschichte.

Wangerooge aktuell ohne Bürgermeister

In einer Beschlussvorlage für die Ratssitzung am Dienstag heißt es unter anderem, dass die Zustimmung zum Anschluss ans Festland "grundsätzlich bedeuten würde, dass ergebnisoffene Gespräche mit möglichen Kooperationspartner geführt werden" würden. Zudem würde die Wahl eines Bürgermeisters oder einer Bürgermeisterin zunächst für zwei Jahre ausgesetzt.

Wangerooge steht zurzeit ohne Oberhaupt dar, nachdem der zuletzt verantwortliche Bürgermeister Marcel Fangohr (parteilos) von seinem Posten zurückgetreten war. Der Rat hatte ein Abwahlverfahren gegen ihn eingeleitet. Fangohr kam diesem jedoch zuvor und legte sein Amt nieder.

Antrag bei der Kommunalaufsicht notwendig

Final sollen die Bürgerinnen und Bürger der Insel nun über einen möglichen Anschluss entscheiden. Dazu werde es zunächst eine Befragung geben, in einem weiteren Schritt dann womöglich einen Bürgerentscheid. Nähere Details, geschweige denn ein konkretes Datum dafür, liegen noch nicht vor.

Für die Dauer des Verfahrens werde die Wahl eines neuen Inselbürgermeisters zunächst ausgesetzt, berichtet der "NDR". Damit hätten Interessenten für das Amt, auch von der Insel, erstmal keine Chance zu kandidieren. Bis zum 30. September muss in einem nächsten Schritt bei der niedersächsischen Kommunalaufsicht der Antrag gestellt werden, die Wahl eines hauptamtlichen Bürgermeisters für zwei Jahre auszusetzen. Andernfalls würde die Wahl nötig.

Verwendete Quellen
  • wangerooge-aktuell.de: Presseerklärung zur Ratssitzung am 26. September 2023 (deutsch, PDF)
  • ndr.de: "Leere Kassen: Wangerooger Rat stimmt für Anschluss ans Festland" (deutsch)
  • nwzonline.de: "Wangerooge verabschiedet sich (noch nicht) von der Selbstständigkeit" (deutsch, kostenpflichtig)
  • Eigene Recherche
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