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LNG-Terminal in Wilhelmshaven wird weiterhin mit Chlor gereinigt – Kritik


Reinigung des LNG-Terminals: Chlor landet in der Nordsee

Von dpa
08.12.2023Lesedauer: 3 Min.
urn:newsml:dpa.com:20090101:231208-99-222708Vergrößern des BildesDie "Höegh Esperanza" liefert das Flüssigerdgas. (Quelle: Sina Schuldt)
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Wenn das Rohrsystem auf dem LNG-Schiff "Höegh Esperanza" gereinigt wird, kommt Chlor zum Einsatz. Das landet dann in der Nordsee – doch der Verzicht auf das Biozid ist nicht so einfach.

Das schwimmende Terminal für den Import von Flüssigerdgas (LNG) in Wilhelmshaven kommt vorerst nicht ohne die umstrittene Einleitung von chlorhaltigem Abwasser in die Jade aus. Das geht aus einem noch unveröffentlichten Minimierungskonzept hervor, das der Terminalbetreiber Uniper im Sommer vorlegte und über das die "Neue Osnabrücker Zeitung" kürzlich zuerst berichtete.

In dem Konzept, das auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, beschreibt Uniper die Prüfung von mehr als 20 alternativen Reinigungsverfahren für die Seewassersysteme des Spezialschiffes "Höegh Esperanza". Doch keine Variante sei besser geeignet, um Leitungen von Muscheln oder Seepocken freizuhalten, als die Chlorierung, heißt es darin.

Mit Biozid in Form von aktivem Chlor wird das sogenannte Biofouling verhindert. Denn um das von Tankern angelieferte verflüssigte Erdgas auf der "Höegh Esperanza" wieder in Gas umzuwandeln, wird es an Bord etwa mithilfe von Nordseewasser erwärmt. Damit die Seewassersysteme des Schiffes nicht etwa mit Algen und Muscheln zuwachsen, wird Chlor eingesetzt. Dazu wird das im Seewasser enthaltene Natriumchlorid mithilfe von Elektrolyse in aktives Chlor umgewandelt.

Bis zu 178 Millionen Kubikmeter chlorhaltige Abwässer dürfen mit der Reinigung der Seewassersysteme jährlich in die Jade eingeleitet werden. Umweltschutzverbände, Anwohner und Muschelfischer kritisieren das. Sie fürchten durch eine kontinuierliche Einleitung des Biozids Schäden für Natur und Lebewesen – auch im angrenzenden Wattenmeer.

Uniper schlägt Umstellung auf Stoßchlorierung vor

Wasserproben zum Umweltschutz waren laut Behörden zuletzt meist unter dem Chlor-Grenzwert geblieben. In der wasserrechtlichen Erlaubnis für das Terminal hatte die Genehmigungsbehörde NLWKN aber ein sogenanntes Minderungsgebot festgeschrieben und gefordert, dass der Einsatz von Chlor "auf ein Mindestmaß beschränkt werden muss". Auch dafür musste der Betreiber Uniper bis zum Sommer das Minimierungskonzept vorlegen.

In diesem Konzept schlägt Uniper nun vor, die Reinigung auf eine sogenannte Stoßchlorierung umzustellen – also nur dann Chlor einzusetzen, wenn der Bewuchsdruck von Algen und Muscheln das erfordert. 30 bis 50 Prozent der Menge Chlor, die sonst bei dem kontinuierlichen Verfahren verwendeten wird, könnte laut dem Unternehmen so eingespart werden. Dazu sollen noch Tests folgen.

Zweites Terminalschiff soll 2024 in Betrieb gehen

Eine Umrüstung auf ein Ultraschall-Verfahren, wie es Umweltschützer fordern und wie es das Konsortium um das Unternehmen Tree Energy Solution (TES) für das zweite geplante LNG-Terminalschiff in Wilhelmshaven plant, lehnt Uniper vorerst ab. Viele Fragen in der Anwendung seien noch ungeklärt. Stattdessen schlägt der Konzern in dem Konzept vor, den Einsatz des Ultraschall-Verfahrens auf dem zweiten Terminalschiff, das 2024 in Betrieb gehen soll, abzuwarten.

Das Umweltministerium in Hannover drängt dagegen auf eine möglichst rasche Umrüstung auf ein chlorfreies Reinigungsverfahren. "Das Ziel muss sein, auch bei der «Höegh Esperanza" den Chloreinsatz weiter zu minimieren», sagte Umweltminister Christian Meyer (Grüne). Falls sich die Ultraschalltechnik bewähre, sollte zügig umgerüstet werden. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte für so eine Umrüstung bereits Gelder zur Verfügung gestellt.

Erprobungsphase soll zwölf Monate andauern

Laut Meyer sollte als erster Schritt die Biozidmenge wie vorgeschlagen durch die Stoßchlorierung halbiert werden. Noch prüft aber der zuständige Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) das Uniper-Konzept.

Uniper schlägt in dem Minimierungskonzept eine zwölf Monate dauernde Erprobungsphase vor, die Anfang 2024 beginnen könnte. Uniper machte auf Anfrage zum Inhalt des Konzeptes keine Angaben.

Das LNG-Terminal in Wilhelmshaven war vor rund einem Jahr als Erstes in Deutschland in Betrieb gegangen. Über das Terminal können laut Uniper rund sechs Prozent des deutschen Gasbedarfs gedeckt werden.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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