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Norddeutschland: Fachmann in Sorge um Wildtiere – "Bestände ausgelöscht"


"Ganze Bestände ausgelöscht"
Biologe stellt düstere Prognose für den Sommer auf

Von t-online, stk

Aktualisiert am 12.01.2024Lesedauer: 3 Min.
imago images 0263144088Vergrößern des BildesErdhummeln bei der Paarung: Der Dauerregen und das Hochwasser hat den Tieren schwer zugesetzt (Symbolbild). (Quelle: IMAGO/Maximilian Koch/imago-images-bilder)
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Werden im kommenden Sommer wesentlich weniger Bienen, Hummeln und andere Wildtiere die Natur im Norden bevölkern? Es gibt Grund zu großer Sorge.

Viele Tiere finden Unterschlupf, verkriechen sich oder werden durch ihr dickes Fell vor den Wassermassen geschützt. Doch es gibt auch große Verlierer des Hochwassers in Norddeutschland: Zahlreiche Wildtiere könnten sterben, "ganze Bestände" würden "ausgelöscht", warnt die Deutsche Wildtier Stiftung. Werden wir im kommenden Sommer kaum noch Insekten sehen?

Trotz der extremen Verhältnisse, die noch immer an zahlreichen Orten in Niedersachsen vorherrschen, würden es viele Tierarten verhältnismäßig gut durch die Überschwemmungen schaffen. Doch gerade Tiere, "die nicht flüchten können – entweder weil sie zu langsam sind oder vom Wasser überrascht wurden – haben so gut wie keine Chance", sagt Prof. Klaus Hackländer, Wildtierbiologe und Vorstand der Deutschen Wildtier Stiftung.

Hummeln und Bienen womöglich flächendeckend tot

Besonders betroffen sind unter anderem Hummeln: Junge Hummelköniginnen graben sich im Winter in kleine Erdhöhlen ein. Komme dann das Wasser, "sind sie verloren", so Hackländer. Ebenso ergehe es der Brut von im Boden nistenden Wildbienen. Auch sie überleben eine Überschwemmung nicht, prognostiziert der Biologe. Zudem würden zahlreiche Käferarten sterben. Das biologische Gleichgewicht könnte entschieden durcheinander gebracht werden.

Wie groß die Auswirkungen auf die Insektenvielfalt im kommenden Frühling und Sommer sein könnte, darüber gab Hackländer keine konkrete Auskunft.

Nicht nur Insekten, auch Säugetiere leiden massiv unter den Folgen des mittlerweile mehrere Wochen andauernden Hochwassers. Besonders gefährdet seien laut Hackländer Feldhamster, Igel und Haselmäuse. Die Tierarten vertragen Wasser, auch viel Wasser sei grundsätzlich kein Problem. Da sie jedoch Winterschlaf halten, koste es enorme Energie, aufzuwachen und sich eine neue Behausung zu suchen.

Die Größe machts: Kleine Vögel in Gefahr

Gleiches gelte für den Maulwurf. Zwar halte das Tier keinen Winterschlaf und könne gut schwimmen, doch "wenn das Hochwasser zu schnell kommt, kommen viele Maulwürfe auch nicht rechtzeitig aus ihrem Bau heraus" und sterben.

Viele Tiere sind laut Wildtier Stiftung Überschwemmungen gewohnt: Rehe, Hirsche, Wildschweine und Füchse ziehen sich dann an halbwegs trockene Orte im Wald zurück – zumindest in Gebieten, wo das möglich ist. Dennoch haben Experten bereits vor einigen Wochen vor den Folgen der Wassermassen gewarnt. Insbesondere der Stress, dem die Tiere ausgesetzt seien, setze ihnen enorm zu. Tierschützer fürchten ein "Worst-Case-Szenario". Mehr dazu lesen Sie hier:

Hochwasser sei für die meisten Vögel außerhalb der Brutzeit kein Problem, wohl aber Dauerregen, sagt Vogelexperte Martin Rümmler vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie könnten sich zwar lange an geschützten Stellen aufhalten, müssten diese zur Nahrungssuche aber auch bei Dauerregen verlassen.

"Je kleiner der Vogel ist, desto leichter kühlt er aus, wenn sein Gefieder durchnässt ist. Meisen sind gefährdeter als Tauben." Dauerregen sei nicht unbedingt bestandsgefährdend, jedoch gefährlich oder ungünstig für einzelne Tiere.

Wer einen kranken, unterkühlten Vogel finde, sollte sich laut Rümmler vorsichtig nähern und ihn in eine trockene, auf einer Seite offene Box setzen. Diese sollte draußen an einen möglichst warmen Ort gestellt werden. In Innenräumen sei für Vögel die Verletzungsgefahr zu hoch, wenn sie wieder losfliegen.

Regenwürmer trotzen den Überschwemmungen

Regenwürmer könnten Überschwemmungen erstaunlich gut überdauern, erklärt zudem Johann Zaller von der Universität für Bodenkultur Wien. "Es gibt Berichte, dass Regenwürmer Überschwemmungen mehrere Wochen, ja sogar mehrere Monate überleben können." Es gebe dabei zwar Unterschiede zwischen den fast 50 verschiedene Regenwurmarten in Deutschland. Sie könnten aber über die Hautatmung Sauerstoff bis zu einem gewissen Umfang auch direkt aus dem Wasser aufnehmen.

"Zu dieser Jahreszeit verbleibt wohl ein großer Teil der Populationen im Kokonstadium ohnehin unbeweglich im Boden", sagt Zaller. Diese Kokons könnten sehr lange überdauern.

Verwendete Quellen
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • Eigene Recherche
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