• Home
  • Regional
  • Dortmund
  • Dortmund: Neonaziszene trotz Schw├Ąchung weiter gef├Ąhrlich


Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild f├╝r einen TextOligarch tot im Pool gefundenSymbolbild f├╝r einen TextLufthansa-Mitarbeiter schreiben BrandbriefSymbolbild f├╝r ein VideoErstaunliche Studie: Pille statt Sport?Symbolbild f├╝r einen TextFrauen-EM: Spielplan zum AusdruckenSymbolbild f├╝r ein VideoUkrainer machen Schrott zu KampfmobilenSymbolbild f├╝r einen TextRiesiges Hakenkreuz in Feld gem├ĄhtSymbolbild f├╝r einen TextDrohne liefert dringende MedikamenteSymbolbild f├╝r einen TextDiese Rufnummern sollten Sie blockierenSymbolbild f├╝r einen TextPremiere bei NDR-TalkshowSymbolbild f├╝r einen TextHerzogin Kate "nahm Auftrag sehr ernst"Symbolbild f├╝r einen TextPfleger soll Behinderte vergewaltigt habenSymbolbild f├╝r einen Watson TeaserMario G├Âtze bereut wichtige EntscheidungSymbolbild f├╝r einen TextSpielen Sie das Spiel der K├Ânige

Neonaziszene trotz Erfolgen weiter gef├Ąhrlich

Von David Peters

Aktualisiert am 31.03.2021Lesedauer: 5 Min.
Ein Haus im sogenannten "Nazi-Kiez" in Dortmund: Die Szene ist laut der Polizei geschw├Ącht, nach Expertenmeinungen aber weiter gef├Ąhrlich.
Ein Haus im sogenannten "Nazi-Kiez" in Dortmund: Die Szene ist laut der Polizei geschw├Ącht, nach Expertenmeinungen aber weiter gef├Ąhrlich. (Quelle: Peters)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Die Dortmunder Neonaziszene gilt als geschw├Ącht. Mehrere Rechte sind inhaftiert oder haben der Szene den R├╝cken gekehrt. Dennoch warnen Experten davor, die Neonazis zu untersch├Ątzen.

Lange Jahre galt Dortmund und besonders der Stadtteil Dorstfeld als Neonazihochburg. Allm├Ąhlich wandelt sich das Bild. Die Dortmunder Neonaziszene steckt in der Krise. Sehr zur Freude der Polizei und Zivilgesellschaft. Mehrere f├╝hrende K├Âpfe der Szene, wie der Bundesvorsitzende der Neonazi-Kleinstpartei "Die Rechte", Sascha Krolzig, sitzen in Haft, andere haben Dortmund verlassen.

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag erkl├Ąrte Dortmunds Polizeipr├Ąsident Gregor Lange: "Die Dortmunder Neonaziszene ist personell und organisatorisch geschw├Ącht und so schwach wie seit Jahrzehnten nicht." Insgesamt haben laut WDR in den letzten Monaten zehn Personen die Dortmunder Neonaziszene verlassen, darunter auch Ex-AfD-ler Bernd Schreyner, der f├╝r "Die Rechte" als Oberb├╝rgermeisterkandidat bei der Kommunalwahl antrat.

Ein Graffitik├╝nstler ├╝berspr├╝ht Nazi-Schmierereien an einem Haus im Stadtteil Dorstfeld (Archivbild): Der Kiez in Dortmund wurde von Neonazis als "Nazi-Kiez" deklariert.
Ein Graffitik├╝nstler ├╝berspr├╝ht Nazi-Schmierereien an einem Haus im Stadtteil Dorstfeld (Archivbild): Der Kiez in Dortmund wurde von Neonazis als "Nazi-Kiez" deklariert. (Quelle: Strauch/dpa-bilder)

Besonders lobt Lange die Bilanz der "SoKo Rechts", die er 2015 eingerichtet hat. Die Ermittlungsverfahren haben dazu beigetragen, dass zwischen 2015 und 2020 Dortmunder Neonazis insgesamt zu rund 34 Jahren Haft und 60.000 Euro Geldstrafen verurteilt wurden. Durch den hohen Druck der Beh├Ârde sei die Zahl der rechten Straftaten in den f├╝nf Jahren zudem um rund 50 Prozent auf 203 zur├╝ckgegangen ÔÇô bei den Gewalttaten liegt die Quote sogar bei fast 75 Prozent. Dabei setzte die Dortmunder Polizei auf ein Intensivt├Ąterkonzept, bei dem auff├Ąlligen Neonazis jeweils ein Beamter zugeteilt wurde, der die Ermittlungen gegen die Person b├╝ndeln soll.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Daniela Katzenberger war mit einem Fan im Bett
Daniela Katzenberger: Der TV-Star packt ├╝ber fr├╝here Beziehungen aus.


Erfolgreiche Arbeit gegen Rechts fortf├╝hren

Dieses Konzept werde auch zuk├╝nftig verfolgt, k├╝ndigte Robert Herrmann, der am Donnerstag als neuer Leiter der Kriminalinspektion Staatsschutz vorgestellt wurde, an. Herrmann hatte diese Funktion bereits drei Jahre lang in Gelsenkirchen inne. Der neue Leiter des Staatsschutzes betont zudem, wie wichtig es f├╝r die erfolgreiche Arbeit gegen Rechts sei, Zeugenaussagen und Hinweise aus der Bev├Âlkerung zu erhalten und verspricht: "Wir ruhen uns nicht auf Erfolgen aus."

Zu den Erfolgen, die die Polizei im Kampf gegen die Neonazis verbucht, z├Ąhlt sie auch juristische Siege im Zusammenhang mit Demonstrationen. Der Auflagenbescheid, der f├╝r die rechten Versammlungen in Dortmund gilt, umfasst inzwischen 40 Seiten und verbietet etliche rassistische, antisemitische und menschenverachtende Parolen, die zum Teil einen klaren Bezug zum Nationalsozialismus herstellen.

"Mit seinem propagierten Kampf um die Stra├če, die Parlamente und die K├Âpfe ist der organisierte Rechtsextremismus in Dortmund in allen Punkten vorerst gescheitert", bilanziert Lange. Der Kampf um die Stra├če umfasste auch den selbstpropagierten "Nazi-Kiez" in Dorstfeld. Die Neonazis versuchten mit riesigen Graffitis, Aufklebern und einer Drohkulisse den Stadtteil f├╝r sich zu vereinnahmen. Die Polizei reagierte darauf mit einem Pr├Ąsenzkonzept. Zwischen 2016 und 2020 waren fast 10.000 mal Streifenwagen im Einsatz, "um die Einsch├╝chterungsstrategie zu zerschlagen." Die Stadt lie├č 2019 ein symboltr├Ąchtiges "Nazi-Kiez"-Graffiti mit "our colours are beautiful" ├╝bermalen.

Szene nicht f├╝hrungslos

Die Schw├Ąche auf der Stra├če wird bei den Versammlungen besonders deutlich: W├Ąhrend die Neonazis Dortmund jahrelang, teils w├Âchentlich, mit Demonstrationen ├╝berzogen hatten, liegt die letzte Kundgebung inzwischen fast ein halbes Jahr zur├╝ck. Der letzte Gro├čaufmarsch mit lediglich 350 Teilnehmern fand im Mai 2019 statt. Das Mobilisierungspotenzial der Rechten in Dortmund habe stark nachgelassen, berichtet Leroy B├Âthel von der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus. "Vor zehn Jahren kamen teils bis zu 1.000 Neonazis zu Demonstrationen nach Dortmund."

Michael Br├╝ck spricht auf einer Kundgebung (Archivbild): Er galt als F├╝hrungsperson in der Dortmunder Naziszene, nun ist er aber nach Chemnitz gezogen.
Michael Br├╝ck spricht auf einer Kundgebung (Archivbild): Er galt als F├╝hrungsperson in der Dortmunder Naziszene, nun ist er aber nach Chemnitz gezogen. (Quelle: Peters)

Dieser Einbruch der rechten Aktivit├Ąten sei nur zum Teil auf die Inhaftierungen zur├╝ckzuf├╝hren, so B├Âthel: "Die Szene ist so breit aufgestellt, dass einige Haftstrafen durchaus verkraftbar sind." Die Dortmunder Neonazis haben im vergangenen Jahr mit Michael Br├╝ck eine ihrer F├╝hrungsfiguren verloren. Der ehemalige Dortmunder Stadtrat ist inzwischen nach Chemnitz gezogen ÔÇô ebenfalls eine Stadt mit einer starken rechten Szene. "Michael Br├╝ck war sowas wie das Sprachrohr der Dortmunder Szene und hat ├╝ber seine Provokationen im Stadtrat viel Aufmerksamkeit schaffen k├Ânnen", erkl├Ąrt B├Âthel.

Im Gegensatz zur Dortmunder Polizei h├Ąlt er die Szene weiterhin nicht f├╝r f├╝hrungslos. Kader wie der inhaftierte Sascha Krolzig, Stadtratsmitglied Matthias Deyda oder "Kampf der Nibelungen"-Organisator Alexander Deptolla seien mindestens genauso wichtig wie Br├╝ck und nehmen seine Position ein.

Kampf auf der Stra├če?

Durch die neuen K├Âpfe k├Ânnte sich ein erneuter Wandel der Szene andeuten. B├Âthel bef├╝rchtet, dass F├╝hrungskr├Ąfte wie Deptolla und Deyda eher den Kampf auf der Stra├če anstreben. Eine Entwicklung, die zur├╝ck zu Aktionsformen des Nationalen Widerstands Dortmund (NWDO) f├╝hre, sei nicht auszuschlie├čen. Der NWDO wurde als Neonazikameradschaft 2012 von Nordrhein-Westfalens damaligem Innenminister Ralf J├Ąger (SPD) verboten. Die Kameradschaft und ihr Umfeld waren f├╝r brutale Gewalttaten bekannt. Dazu z├Ąhlen unter anderem der Mord an dem Punker Thomas Schulz 2005, Angriffe auf eine alternative Kneipe, bei dem ein Neonazi einen Gast mit einem Messer verletzte oder der Angriff auf eine Gewerkschaftsdemonstration 2009.

Rechtsextremismus-Experte B├Âthel lobt die Arbeit der Dortmunder Polizei im Kampf gegen Rechts, die sei aber teils ein Resultat eines gesellschaftlichen Drucks innerhalb der Stadtgesellschaft gewesen. Die Erfolge seien nur ein Etappensieg: "Man tut sich keinen Gefallen, wenn man jetzt einen Abgesang anstimmt. Man kann sich aber ├╝ber die Entwicklung freuen, die nat├╝rlich auch ein Verdienst der antifaschistischen Arbeit in Dortmund ist."

"Wir reden weiterhin ├╝ber die gr├Â├čte und aktivste Neonaziszene in Westdeutschland. Das Gewaltpotenzial der Szene hat sich nur minimal ge├Ąndert", gibt Leroy B├Âthel zu bedenken. Zuletzt griffen Dortmunder Neonazis im Dezember Duisburger Antifaschisten auf dem Weg zu einer "Querdenken"-Demonstration in D├╝sseldorf an oder beteiligten sich an gewaltsamen Ausschreitungen bei einer ├Ąhnlichen Demonstration im November in Leipzig. Der Experte weist zudem darauf hin, dass es bei den polizeilichen Kriminalit├Ątsstatistiken im Bereich der rechten Gewalt ein hohes Dunkelfeld gebe. Manche Opfer zeigen Straftaten nicht an, weil sie Racheaktionen aus der Neonaziszene bef├╝rchten.

Anti-Nazi-B├╝ndnis will sich nicht "zur├╝cklehnen"

├ähnliche T├Âne schl├Ągt das antifaschistische B├╝ndnis BlockaDO an. Das B├╝ndnis aus Gewerkschaften, Parteien und Antifagruppierungen protestiert seit Jahren gegen Neonaziaufm├Ąrsche und die Aktivit├Ąten der Rechten in Dortmund. "So ganz trauen wir der Ruhe nicht. Es gibt erste Anzeichen, dass sich neue Strukturen entwickeln", erkl├Ąrt Iris Bernert-Leushacke von BlockaDO und spielt auf das neugegr├╝ndete "Tremonia-Kollektiv" an, das versucht, der Dortmunder Neonaziszene einen neuen, modernen Anstrich zu verpassen.

Eine Demo gegen Nazis und Rechte im Oktober 2019 (Archivbild): Gegen die Pr├Ąsenz der Nazis in der Stadt gibt es immer wieder auch Gegenproteste.
Eine Demo gegen Nazis und Rechte im Oktober 2019 (Archivbild): Gegen die Pr├Ąsenz der Nazis in der Stadt gibt es immer wieder auch Gegenproteste. (Quelle: Schaper/imago-images-bilder)
Loading...
Loading...
Loading...

Das "Kollektiv" trat au├čerhalb ihrer Internetpr├Ąsenzen und Stickern im Dortmunder Stadtbild bisher noch nicht gro├č in Erscheinung. Eine weitere Gefahr gehe von bestehenden rechtsterroristischen Strukturen aus, die nicht ├Âffentlich sichtbar seien, warnt die Autonome Antifa 170, die Teil von BlockaDO ist. Teile der Dortmunder Neonazis unterhalten Kontakte zu verbotenen, militanten Organisationen, wie "Blood and Honour" oder "Combat18" oder sind sogar Teil von diesen.

Trotz der ruhiger gewordenen Neonaziszene wolle man sich "nicht zur├╝cklehnen", so Bernert-Leushacke. "Das w├Ąre das falsche Signal. Es gibt weiterhin eine starke Szene vor Ort." Auch Polizeipr├Ąsident Gregor Lange betonte, dass man sich auf einem guten Weg befinde und die Arbeit fortsetzen werde: "Wir kennen die Gefahr und wir kennen die Personen, die das Heft an sich ziehen. Wir werden nicht nachlassen."

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
AfDGelsenkirchenPolizei

t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website