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Erfurt: Der Altstadtherbst ist auch ein Testlauf für den Winter

Weihnachtsmarkt trotz Corona?  

Der Altstadtherbst ist auch ein Testlauf für den Winter

Von Dr. Sebastian Haak

25.09.2020, 15:44 Uhr
Erfurt: Der Altstadtherbst ist auch ein Testlauf für den Winter. Blick aus einer Riesenradgondel auf den Domplatz, wo mehrere Fahrgeschäfte stehen: Das Erfurter Oktoberfest wurde wegen Corona durch einen Altstadtherbst ersetzt.  (Quelle: dpa/Martin Schutt/dpa-Zentralbild)

Blick aus einer Riesenradgondel auf den Domplatz, wo mehrere Fahrgeschäfte stehen: Das Erfurter Oktoberfest wurde wegen Corona durch einen Altstadtherbst ersetzt. (Quelle: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa)

Weil das Erfurter Oktoberfest coronabedingt nicht stattfinden kann, gibt es auf dem Domplatz nun wenigstens einen Altstadtherbst. Doch in den nächsten Tagen geht es um viel mehr als nur gute Laune.

Das Riesenrad steht schon mitten auf dem Domplatz und nur ein paar Meter davon entfernt schleppen am Freitag zwei Männer Absperrgitter an ihren Platz. Über die Reihen, die aus dem Gewirr dieser Gitter entstehen, werden ab Samstag die Menschen in Erfurt zu einem Volksfest gelangen können, das nicht nur das traditionelle Erfurter Oktoberfest ersetzen soll, das in diesem Jahr coronabedingt ausfällt. 

Der sogenannte "Erfurter Altstadtherbst" ist, nach Angaben von Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein, vor allem auch ein Testlauf für eine Veranstaltung, die für die Stadt – ja für ganz Thüringen – von großer Bedeutung ist: den Erfurter Weihnachtsmarkt. Er ist traditionell der größte Weihnachtsmarkt Thüringens und einer der größten Mitteldeutschlands.

Falls es gelingen sollte, den Altstadtherbst über den Domplatz zu bringen, ohne dass er sich als Beschleuniger für die Zahl der Corona-Infektionen in der Stadt erweist, steigen die Chancen deutlich, dass hier in der Vorweihnachtszeit auch der Weihnachtsmarkt stattfinden kann. „In gewisser Weise ist das auch eine Generalprobe für den Weihnachtsmarkt“, sagt Bausewein, als er vor dem Riesenrad und nur ein paar Meter von den zwei schleppenden Männern entfernt steht.

Schaustellerin, Madleen Koken, überreicht OB Andreas Bausewein (SPD) ein Lebkuchenherz: Der Altstadtherbst gilt auch als Generalprobe für den Erfurter Weihnachtsmarkt. (Quelle: dpa/Martin Schutt/dpa-Zentralbild)Schaustellerin, Madleen Koken, überreicht OB Andreas Bausewein (SPD) ein Lebkuchenherz: Der Altstadtherbst gilt auch als Generalprobe für den Erfurter Weihnachtsmarkt. (Quelle: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa)

Deutlich weniger Besucher erwartet

Damit der Altstadtherbst diese Erwartung erfüllen kann, ist er vor allem deutlich kleiner, als es das Oktoberfest gewesen wäre. Das schlägt sich auch in den erwarteten Besucherzahlen nieder. Habe das Oktoberfest in den vergangenen Jahren bis zu 750.000 Besucher gehabt, rechne man für den Altstadtherbst nun mit etwa 150.000 Gästen, heißt es während des Termins mit Bausewein. Das führt auch dazu, dass die finanziellen Erwartungen der 46 beteiligten Schausteller an dieses Fest nicht gerade groß sind. Obwohl bei ihnen doch zumindest die Hoffnung besteht, dass die Unternehmen am Ende des 16-tägigen Festes eine schwarze Null schreiben werden.

Immer wieder sagen die Schausteller Bausewein, es sei wichtig, dass sie ihre Fahrgeschäfte und Essensbuden überhaupt wieder öffnen dürften. Für sich, für ihre Mitarbeiter, für die Traditionen, die mit solchen Volksfesten verbunden seien, und auch für die Besucher. "Die Leute haben es sich verdient, auch mal wieder ein bisschen Spaß zu haben", sagt einer von ihnen. Von den 46 Schaustellern kommen nach Angaben der Stadtverwaltung 33 aus Thüringen, 13 sogar direkt aus der Landeshauptstadt.

Die Coronakrise hat die Branche mit voller Wucht getroffen. Viele der Unternehmen bangen um ihre Existenz, denn deutschlandweit sind Volksfeste in den vergangenen Monaten komplett ausgefallen oder konnten nur in deutlich reduziertem Umfang stattfinden. Dass die Corona-Infektionszahlen seit einigen Wochen – also noch vor dem Herbst und Winter – wieder deutlich gestiegen sind, beobachten die Schausteller deshalb mit besonderer Sorge. Sollten die Corona-Beschränkungen wieder verschärft werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass Menschenansammlungen, die die Branche zum Geldverdienen braucht, sehr zeitnah wieder verboten werden.

Hygienekonzept sorgt für zusätzliche Kosten

Um das Corona-Ansteckungsrisiko für die Besucher des Altstadtherbstes so gering wie möglich zu halten, gelten auf dem Domplatz während des Festes all die Regeln, die inzwischen allzu bekannt sind: Die Menschen dürfen nur in einer Richtung zwischen den Schaustellerbuden und Fahrgeschäften flanieren, sie müssen auf genügend Abstand zu anderen Menschen achten.

Außerdem sollen sich maximal bis zu 2.000 Menschen gleichzeitig auf dem Gelände aufhalten dürfen. Um Eskapaden zu vermeiden, wird es zudem keine alkoholischen Getränke geben. Besucher müssen ihre Kontaktdaten hinterlassen, um im Falle einer nachgewiesenen Corona-Infektion unter den Besuchern für die Behörden auffindbar zu sein. Die Registrierung kann sowohl vor Ort, als auch vorab online erfolgen.

Ob die Generalprobe für den Weihnachtsmarkt gelungen ist, wird sich ungefähr Mitte Oktober sagen lassen. Bis zum 11. Oktober soll der Altstadtherbst geöffnet sein. Dann wird sich auch zeigen, wie viel Geld die Stadt zusätzlich ausgegeben hat, um das Hygienekonzept umzusetzen. Dessen Kosten wird nach Angaben der Stadtverwaltung der Steuerzahler und nicht die Schausteller tragen. Die bisherigen Schätzungen gehen von Mehrkosten in fünfstelliger Höhe aus.

Verwendete Quellen:
  • Besuch vor Ort
  • Eigene Recherche

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