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Kiel: Start-Up bringt nachhaltiges SUP heraus

Trendsport  

Kieler Start-up bringt nachhaltiges SUP heraus

05.04.2021, 07:54 Uhr
Kiel: Start-Up bringt nachhaltiges SUP heraus. Michael Walther, Jannek Grocholl halten das besondere SUP in den Händen. Für die Produktion aus besonderem Holz entsteht eine eigene Plantage. (Quelle: Tom Körber/Michael Walther)

Michael Walther und Jannek Grocholl halten das besondere SUP in den Händen. Für die Produktion aus speziellem Holz entsteht eine eigene Plantage. (Quelle: Tom Körber/Michael Walther)

Nicht erst seit der Corona-Krise boomt der Markt fürs Stand-up-Paddeln. Die massenhaft verkauften Kunststoffbretter werden zum Problem für die Umwelt. Ein kleines Kieler Unternehmen will dagegen angehen.

Stand-up-Paddle-Boards sind spätestens seit dem vergangenen Jahr ein Massenphänomen geworden. Inzwischen gibt es die SUPs nicht nur in Fachgeschäften, sondern auch in Super- und Baumärkten zu kaufen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis ein weiterer Trend als Variante auf dem SUP-Markt auftaucht.

Das Kieler Start-up Board Lab arbeitet zurzeit an einem SUP, das durch Nachhaltigkeit glänzen soll – ein Alleinstellungsmerkmal in einem Sport, bei dem aufblasbare Plastikbretter beziehungsweise Profiboards aus Glasfaser oder Karbon bisher die Regel sind.

Anzahl der verkauften Boards verdoppelt

Seit Freizeitbeschäftigungen coronabedingt knapp geworden sind, boomt der Outdoor-Sport – und hier aus Sicht von Michael Walther, dem Kopf hinter dem Öko-SUP, vor allem zwei Bereiche: "Der Radsport und das Stand-up-Paddeln haben extrem von der Situation profitiert. Und Stand-up-Paddeln war ja schon vorher seit Jahren am Boomen." Der ohnehin sehr hohe Absatz in der SUP-Branche sei im vergangenen Jahr noch einmal deutlich gestiegen, wie er schätzt. "Es war bis Juli fast unmöglich, Stand-up-Boards im Laden zu bekommen", erinnert sich Walther.

Seine Einschätzung bestätigt der Sportgerätehändler Decathlon. "Die Anzahl der verkauften SUPs im vergangenen Jahr 2020 hat sich gegenüber dem Vorjahr 2019 verdoppelt. Mit einer ähnlichen Entwicklung rechnen wir auch in diesem Jahr 2021. Die Jahre zuvor wiesen ebenfalls ein überdurchschnittliches Wachstum auf, allerdings in einem geringerem Umfang", so Benjamin Lang, Commercial Director für Wassersport bei Decathlon Deutschland.

Als Gründe sieht er den seit Corona stärkeren Drang der Menschen, der Isolation daheim zu entfliehen und sich in der Natur aufzuhalten, die leichte Vereinbarkeit des Sports mit Social Distancing sowie die einfache Erlernbarkeit für jedermann.

Holzboard zu 95 Prozent natürlich abbaubar 

Für die Umwelt wird der Paddel-Boom allerdings zum Problem, denn die Boards sind aus kaum recycelbaren Materialien gefertigt. Das möchte Michael Walther ändern. "Unser Board ist zu 95 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen gebaut." Das betreffe etwa den Herstellungsprozess, bei dem auf möglichst wenig Verschnitt und Energieverbrauch sowie die Verwendung von Ökostrom und möglichst kurze Transportwege geachtet werde.

Vor allem aber ist das "Fanatic Ray Eco" komplett aus Holz gefertigt. "Das Kiri-Holz, das wir verwenden, ist ein besonders schnell wachsendes Holz, das etwa das Vierfache an CO2 eines konventionellen Mischwaldholzes binden kann", so Walther. Der Kiribaum kommt ursprünglich aus Asien, wird aber mittlerweile auch nahe Stuttgart angebaut, von wo die Jungs von Board Lab ihr Holz beziehen.

Jannek Grocholl von Board Lab arbeitet am SUP. (Quelle: Tom Körber/Michael Walther)Jannek Grocholl von Board Lab arbeitet am SUP. (Quelle: Tom Körber/Michael Walther)

Ein denkbar kurzer Transportweg ist das freilich nicht. "Irgendein Holz aus der Region zu nehmen, geht nicht, weil es die richtigen Eigenschaften haben muss", sagt Walther. "Wir legen aber grade eine eigene Kiri-Plantage an."

Das SUP von Board Lab ist nicht das erste Holzmodell auf dem Markt. "Die große Besonderheit bei unserem ist aber, dass wir auf einen Überzug aus Glasfaser verzichten", so Walther. Die Glasfaser macht SUPs robuster. Damit das Öko-SUP trotzdem stabil genug ist, muss bei der Holzauswahl sehr genau darauf geachtet werden, dass keine Aststellen oder sonstige ungünstige Faserstrukturen vorhanden sind. Zudem ist die die Pflege später für den Nutzer aufwendiger, weil er das Board zum Schutz immer mal wieder nachölen muss.

Nichts für Gelegenheitspaddler

Für Gelegenheitspaddler ist das "Fanatic Ray Eco" ohnehin nichts. Die aufwendige Handarbeit und das Bemühen um Nachhaltigkeit hat seinen Preis. Wenn die Testphase am Prototypen vorbei ist, soll das Brett Mitte des Jahres für knapp unter 7.000 Euro zunächst in einer kleinen Auflage an den Markt gehen.

Vergleichbare konventionelle Profibretter sind auch schon mal für die Hälfte zu haben. Wenn später die Serienproduktion anläuft, wolle man sich mit dem Preis der Konkurrenz annähern. "Wir hoffen, dass wir irgendwann bei 5.000 Euro landen", sagt Walther. "Aber wir werden immer ein bisschen teurer bleiben als herkömmliche Bretter."

Die Nachhaltigkeit hat ihren Preis

Das gute Umweltgewissen ist offenbar nicht gratis zu haben. "Die Idee zum Holzboard ist entstanden, weil ich die Nase voll davon hatte, dass alle Boards bisher meinem Anspruch an Nachhaltigkeit nicht genügen", sagt Michael Walther.

Der 40-jährige begeisterte Stand-up-Paddler setzt sich seit Langem dafür ein, Wassersportler für Umweltbelange zu sensibilisieren.Vor 13 Jahren hatte er dafür das Zero Emission Projekt gestartet. In seiner letzten PR-Aktion für die Umwelt paddelte er im vergangenen Jahr per SUP quer durch Deutschland, über Rhein, Elbe und den Nord-Ostsee-Kanal nach Kiel.

Nächster Schritt: Kompostierbarkeit

Vor einem Jahr tat Walther sich schließlich mit Board Lab zusammen, um seinen Traum vom natürlich abbaubaren SUP zu verwirklichen. Das Start-up bot bis dahin hauptsächlich Workshops zum Selberbauen von SUPs an.

Die fünf Prozent, die dem Öko-SUP zur vollständigen Nachhaltigkeit noch fehlen, liegen im verwendeten Klebstoff. "Das ist unser nächster großer Schritt zur 100-prozentigen Kompostierbarkeit", sagt Walther. "Hinter jeder Surfschule sieht man Bretter aus Kunststoff vergammeln. Unser Brett soll irgendwann so hergestellt sein, dass man es einfach im Wald oder auf dem Kompost verrotten lassen könnte."

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Michael Walther von Board Lab
  • Email-Verkehr mit Decathlon

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