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Kieler Start-up bringt nachhaltiges SUP heraus

Von Sven Raschke

Aktualisiert am 14.07.2021Lesedauer: 4 Min.
Michael Walther, Jannek Grocholl halten das besondere SUP in den HĂ€nden. FĂŒr die Produktion aus besonderem Holz entsteht eine eigene Plantage.
Michael Walther und Jannek Grocholl halten das besondere SUP in den HĂ€nden. FĂŒr die Produktion aus speziellem Holz entsteht eine eigene Plantage. (Quelle: Tom Körber/Michael Walther/leer)
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Nicht erst seit der Corona-Krise boomt der Markt fĂŒrs Stand-up-Paddeln. Die massenhaft verkauften Kunststoffbretter werden zum Problem fĂŒr die Umwelt. Ein kleines Kieler Unternehmen will dagegen angehen.

Stand-up-Paddle-Boards sind spÀtestens seit dem vergangenen Jahr ein MassenphÀnomen geworden. Inzwischen gibt es die SUPs nicht nur in FachgeschÀften, sondern auch in Super- und BaumÀrkten zu kaufen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis ein weiterer Trend als Variante auf dem SUP-Markt auftaucht.

Das Kieler Start-up Board Lab arbeitet zurzeit an einem SUP, das durch Nachhaltigkeit glĂ€nzen soll – ein Alleinstellungsmerkmal in einem Sport, bei dem aufblasbare Plastikbretter beziehungsweise Profiboards aus Glasfaser oder Karbon bisher die Regel sind.

Anzahl der verkauften Boards verdoppelt

Seit FreizeitbeschĂ€ftigungen coronabedingt knapp geworden sind, boomt der Outdoor-Sport – und hier aus Sicht von Michael Walther, dem Kopf hinter dem Öko-SUP, vor allem zwei Bereiche: "Der Radsport und das Stand-up-Paddeln haben extrem von der Situation profitiert. Und Stand-up-Paddeln war ja schon vorher seit Jahren am Boomen." Der ohnehin sehr hohe Absatz in der SUP-Branche sei im vergangenen Jahr noch einmal deutlich gestiegen, wie er schĂ€tzt. "Es war bis Juli fast unmöglich, Stand-up-Boards im Laden zu bekommen", erinnert sich Walther.

Seine EinschĂ€tzung bestĂ€tigt der SportgerĂ€tehĂ€ndler Decathlon. "Die Anzahl der verkauften SUPs im vergangenen Jahr 2020 hat sich gegenĂŒber dem Vorjahr 2019 verdoppelt. Mit einer Ă€hnlichen Entwicklung rechnen wir auch in diesem Jahr 2021. Die Jahre zuvor wiesen ebenfalls ein ĂŒberdurchschnittliches Wachstum auf, allerdings in einem geringerem Umfang", so Benjamin Lang, Commercial Director fĂŒr Wassersport bei Decathlon Deutschland.

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Als GrĂŒnde sieht er den seit Corona stĂ€rkeren Drang der Menschen, der Isolation daheim zu entfliehen und sich in der Natur aufzuhalten, die leichte Vereinbarkeit des Sports mit Social Distancing sowie die einfache Erlernbarkeit fĂŒr jedermann.

Holzboard zu 95 Prozent natĂŒrlich abbaubar

FĂŒr die Umwelt wird der Paddel-Boom allerdings zum Problem, denn die Boards sind aus kaum recycelbaren Materialien gefertigt. Das möchte Michael Walther Ă€ndern. "Unser Board ist zu 95 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen gebaut." Das betreffe etwa den Herstellungsprozess, bei dem auf möglichst wenig Verschnitt und Energieverbrauch sowie die Verwendung von Ökostrom und möglichst kurze Transportwege geachtet werde.

Vor allem aber ist das "Fanatic Ray Eco" komplett aus Holz gefertigt. "Das Kiri-Holz, das wir verwenden, ist ein besonders schnell wachsendes Holz, das etwa das Vierfache an CO2 eines konventionellen Mischwaldholzes binden kann", so Walther. Der Kiribaum kommt ursprĂŒnglich aus Asien, wird aber mittlerweile auch nahe Stuttgart angebaut, von wo die Jungs von Board Lab ihr Holz beziehen.

Jannek Grocholl von Board Lab arbeitet am SUP.
Jannek Grocholl von Board Lab arbeitet am SUP. (Quelle: Tom Körber/Michael Walther/leer)

Ein denkbar kurzer Transportweg ist das freilich nicht. "Irgendein Holz aus der Region zu nehmen, geht nicht, weil es die richtigen Eigenschaften haben muss", sagt Walther. "Wir legen aber grade eine eigene Kiri-Plantage an."

Das SUP von Board Lab ist nicht das erste Holzmodell auf dem Markt. "Die große Besonderheit bei unserem ist aber, dass wir auf einen Überzug aus Glasfaser verzichten", so Walther. Die Glasfaser macht SUPs robuster. Damit das Öko-SUP trotzdem stabil genug ist, muss bei der Holzauswahl sehr genau darauf geachtet werden, dass keine Aststellen oder sonstige ungĂŒnstige Faserstrukturen vorhanden sind. Zudem ist die die Pflege spĂ€ter fĂŒr den Nutzer aufwendiger, weil er das Board zum Schutz immer mal wieder nachölen muss.

Nichts fĂŒr Gelegenheitspaddler

FĂŒr Gelegenheitspaddler ist das "Fanatic Ray Eco" ohnehin nichts. Die aufwendige Handarbeit und das BemĂŒhen um Nachhaltigkeit hat seinen Preis. Wenn die Testphase am Prototypen vorbei ist, soll das Brett Mitte des Jahres fĂŒr knapp unter 7.000 Euro zunĂ€chst in einer kleinen Auflage an den Markt gehen.

Vergleichbare konventionelle Profibretter sind auch schon mal fĂŒr die HĂ€lfte zu haben. Wenn spĂ€ter die Serienproduktion anlĂ€uft, wolle man sich mit dem Preis der Konkurrenz annĂ€hern. "Wir hoffen, dass wir irgendwann bei 5.000 Euro landen", sagt Walther. "Aber wir werden immer ein bisschen teurer bleiben als herkömmliche Bretter."

Die Nachhaltigkeit hat ihren Preis

Das gute Umweltgewissen ist offenbar nicht gratis zu haben. "Die Idee zum Holzboard ist entstanden, weil ich die Nase voll davon hatte, dass alle Boards bisher meinem Anspruch an Nachhaltigkeit nicht genĂŒgen", sagt Michael Walther.

Der 40-jĂ€hrige begeisterte Stand-up-Paddler setzt sich seit Langem dafĂŒr ein, Wassersportler fĂŒr Umweltbelange zu sensibilisieren.Vor 13 Jahren hatte er dafĂŒr das Zero Emission Projekt gestartet. In seiner letzten PR-Aktion fĂŒr die Umwelt paddelte er im vergangenen Jahr per SUP quer durch Deutschland, ĂŒber Rhein, Elbe und den Nord-Ostsee-Kanal nach Kiel.

NĂ€chster Schritt: Kompostierbarkeit

Vor einem Jahr tat Walther sich schließlich mit Board Lab zusammen, um seinen Traum vom natĂŒrlich abbaubaren SUP zu verwirklichen. Das Start-up bot bis dahin hauptsĂ€chlich Workshops zum Selberbauen von SUPs an.

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Die fĂŒnf Prozent, die dem Öko-SUP zur vollstĂ€ndigen Nachhaltigkeit noch fehlen, liegen im verwendeten Klebstoff. "Das ist unser nĂ€chster großer Schritt zur 100-prozentigen Kompostierbarkeit", sagt Walther. "Hinter jeder Surfschule sieht man Bretter aus Kunststoff vergammeln. Unser Brett soll irgendwann so hergestellt sein, dass man es einfach im Wald oder auf dem Kompost verrotten lassen könnte."

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