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1. FC Köln: Friedhelm Funkel wegen Rassismusvorwürfen in Bedrängnis

Rassismusvorwurf  

Funkel gerät nach Derby-Pleite in Bedrängnis

Von Sonja Eich

18.04.2021, 12:37 Uhr
1. FC Köln: Friedhelm Funkel wegen Rassismusvorwürfen in Bedrängnis. FC-Trainer Friedhelm Funkel beim Interview nach der Derby-Pleite: Für seine Aussagen hagelte es Rücktrittsforderungen von den Fans. (Quelle: imago images/Chai v.d. Laage)

FC-Trainer Friedhelm Funkel beim Interview nach der Derby-Pleite: Für seine Aussagen hagelte es Rücktrittsforderungen von den Fans. (Quelle: Chai v.d. Laage/imago images)

Der 1. FC Köln verliert sein erstes Spiel unter dem neuen Trainer Friedhelm Funkel bei Bayer Leverkusen. Das größere Problem bereitete Funkel jedoch sich und dem Klub mit einer Aussage, die für Wirbel sorgte.

Der Schlusspfiff von Schiedsrichter Sören Storks war kaum verklungen, da lief Friedhelm Funkel bereits auf den Rasen der BayArena. Der neue Trainer des 1. FC Köln ging sofort zu seinen Spielern und redete insbesondere auf Kapitän Jonas Hector und Rafael Czichos ein. "Er hat gesagt, dass wir heute vieles richtig gemacht haben und die Gegentore schnellstmöglich analysieren müssen", verriet Czichos über das Gespräch mit dem Trainer auf dem Platz. Funkel selbst erzählte hinterher: "Ich habe Rafa und Jonas gesagt, dass wir heute keinen Grund haben, die Köpfe hängen zu lassen."

"Haben uns dämlich angestellt"

Funkel, der im Trainingsanzug und schwarzen Sportschuhen an die Bundesliga-Seitenlinie zurückgekehrt war, hatte mitansehen müssen, wie seine Spieler sich viel zu einfach um den möglichen Lohn gebracht hatten. "Das erste Gegentor war unglücklich, beim zweiten haben wir uns dämlich angestellt", urteilte der neue Cheftrainer über das Zustandekommen der frühen Gegentreffer jeweils zu Beginn der beiden Halbzeiten.

Auf der anderen Seite stand dem FC zweimal die Latte im Weg, Jonas Hector (37.) und Florian Kainz (63.) scheiterten am Aluminium. Oder aber die eigene Abschlussschwäche verhinderte ein FC-Tor. "Fußballspiele gewinnt man durch Tore, und wir haben heute keines gemacht", fiel Funkels gleichsam nüchterne wie ernüchternde Analyse aus.

Funkel hatte die 90 Minuten vergleichsweise stoisch an der Seitenlinie verbracht. Ob mit verschränkten Armen oder später mit den Händen in den Hosentaschen – das Trainer-Urgestein verzichtete auf gestenreiche Anweisungen oder Gefühlsausbrüche. Das frühe 0:1 nach nur vier Minuten nahm der Trainer nahezu regungslos hin.

Zwischenzeitlich war der Vierte Offizielle Marcel Unger ein Dauergesprächspartner neben Funkel, allerdings wurde es nur emotionaler, als der Unparteiische einen bereits für den FC gegebenen Elfmeter zurücknahm und auf Freistoß außerhalb des Strafraums entschied. Funkel blies die Wangen auf, pustete durch, hob die Arme aus Frustration. Doch der Vulkan brach nicht aus.

Funkel irritiert mit Interview

Letztlich endete Funkels Trainer-Rückkehr in die Bundesliga, wie sie bei Fortuna Düsseldorf im Januar 2020 aufgehört hatte: mit einer 0:3-Niederlage bei Bayer 04 Leverkusen. Wäre es dabei geblieben, hätte wohl schon in wenigen Tagen niemand mehr über das Spiel gesprochen. Doch dann gab Funkel bei Sky ein Interview, das hohe Wellen schlagen sollte.

Angesprochen auf die Leverkusener Qualitäten bei Kontern wollte der 67-jährige die "enorme Schnelligkeit" der Flügelspieler von Bayer 04 hervorheben. Funkel hätte einfach die Namen von Leon Bailey und Moussa Diaby nennen können. Stattdessen sagte er: "Sie haben eine enorme Schnelligkeit durch ihre, ihre – ja, den einen oder anderen Ausdruck darf man ja jetzt nicht mehr sagen – durch ihre Spieler, die halt so schnell sind."

In den Minuten nach dem Interview entstand ein Shitstorm in den sozialen Netzwerken, Funkel wurde Rassismus gegenüber den dunkelhäutigen Bailey und Diaby unterstellt. Der FC sah sich später am Abend genötigt, darauf zu reagieren und veröffentlichte ein Statement Funkels "zur Interpretation seiner Aussage", wie es in dem Tweet des Klubs hieß. "In dem Interview bezog ich mich einzig auf die enorme Schnelligkeit von Leverkusens Spielern, nichts anderes war gemeint, nichts anderes wollte ich damit sagen", sagte Funkel.

Das ging vielen FC-Fans aber nicht weit genug. Denn damit hatte der 67-jährige nicht erklärt, warum er offenbar in rassistischen Stereotypen gedacht hatte und mit einem vermeintlich lockeren Spruch versucht hatte sein Zögern während der Antwort auf allzu strikte Political Correctness zu schieben. Zahlreiche Fans im Netz forderten Funkel noch am Abend zum Rücktritt auf. Das Derby war also weder auf noch neben dem Platz ein gelungener Einstand für den Trainer-Rückkehrer des 1. FC Köln.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Beobachtungen des GEISSBLOG
  • Twitter

Sonja Eich schreibt seit 2016 für den GEISSBLOG.KOELN. Die unabhängige Onlinezeitung informiert die Fans des 1. FC Köln über alles rund um die Geißböcke. Eich ist Absolventin der Sporthochschule Köln. Die gebürtige Kölnerin arbeitet seit ihrer Zeit als Studentin als Sportreporterin.

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