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Leipziger Gründer trotzen der Corona-Krise – mit CBD-Produkten

Umstrittene Branche  

Leipziger Gründer trotzen der Corona-Krise

Von Lisa Konstantinidis

26.01.2021, 09:05 Uhr
Leipziger Gründer trotzen der Corona-Krise – mit CBD-Produkten. "Sanaleo"-Mitgründer Philipp Morkramer (links) und Paul Portius stehen in einem Hanffeld: Sie haben ihre Produzenten besucht, um die Qualität ihrer Produkte sicherzustellen.  (Quelle: Sanaleo)

"Sanaleo"-Mitgründer Philipp Morkramer (links) und Paul Portius stehen in einem Hanffeld: Sie haben ihre Produzenten besucht, um die Qualität ihrer Produkte sicherzustellen. (Quelle: Sanaleo)

In Corona-Zeiten blicken viele Menschen mit Sorge auf die Wirtschaft. Dennoch glaubt die Start-up-Szene an Chancen in der Krise. Drei junge Leipziger sind mit "Sanaleo" in den CBD-Markt vorgedrungen.

Als das Coronavirus Deutschland erreicht, ist das Unternehmen von Philipp Morkramer, Paul Portius und Franz Borchardt erst wenige Monate alt. Gemeinsam haben die Studienfreunde "Sanaleo" gegründet und sind damit in eine nicht unumstrittene Branche eingestiegen: Sie verkaufen CBD-Produkte – Aroma-Öle, Blüten, CBD-Artikel für Verdampfer.

Ihr erstes Geschäft eröffnen die drei Leipziger im Februar 2020 in Halle – kurz vor dem ersten Lockdown. Der hätte sie nicht allzu hart getroffen, weil vieles noch im Aufbau gewesen sei, sagt Morkramer. Trotzdem hätten sie ihr Konzept überdenken müssen: "CBD-Produkte sind erklärungsbedürftig und wir wollten eben nicht nur auf den Onlinehandel setzen, sondern auf Geschäfte vor Ort, wo wir auch beraten können. Das umzusetzen, ist durch Corona schwieriger geworden", sagt der 26-jährige Gründer. Sie hätten umdenken und "Sanaleo" umstrukturieren müssen.

"Sanaleo" steht auf einem Ladenschild: Das Start-up hat bereits zwei Geschäfte eröffnet. (Quelle: Sanaleo)"Sanaleo" steht auf einem Ladenschild: Das Start-up hat bereits zwei Geschäfte eröffnet. (Quelle: Sanaleo)

Erfolgreich durch Unterstützung und Startkapital

Zu Beginn, sagt Philipp Morkramer, hätten sie keine Ahnung gehabt, wie man ein Unternehmen aufbaut. Selbst zu gründen, sei eine spontane Idee gewesen; 2019 noch, auf dem Balkon bei einem Bier. Ohne Erfahrung, ohne Startkapital – dafür mit einer Geschäftsidee, die die drei Studenten begeistert habe. "Zweifel an einer Gründung hatten wir auf jeden Fall. Wir wussten nicht, wie man so etwas angeht und wo wir das ganze Know-How herbekommen sollten", sagt Morkramer. Überzeugt habe sie schließlich ein gemeinsamer Freund mit Gründungserfahrung, der ihnen sowohl mit seinem Wissen als auch seiner finanziellen Unterstützung den Schritt ermöglicht habe.

CBD steht für Cannabidiol. Es wird aus der Hanfpflanze gewonnen. CBD Produkte dürfen in der EU höchstens 0,2 Prozent THC enthalten. Der Verbraucherzentrale zufolge gibt es zwar Hinweise auf eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung von CBD, aber keine ausreichend gesicherten Erkenntnisse zu Nutzen oder Nebenwirkungen des Stoffs.

Heute hat "Sanaleo" nach eigenen Angaben zehn Mitarbeiter, betreibt zwei Geschäfte in Halle und Dresden, beliefert Kunden über den eigenen Onlineshop. "Ohne die Unterstützung von Freunden und dem Startkapital hätten wir nicht so schnell eigene Shops eröffnen können", sagt Morkramer. Das Unternehmen habe sich entwickelt, sei gewachsen – der erwirtschaftete Gewinn fließe dafür aber auch immer noch fast vollständig wieder zurück in die Firma.

Von Wachstum in der Krise können andere Gründer derzeit nur träumen: Neben Gewinnern in Corona-Zeiten gebe es auch unter den Leipziger Start-ups Verlierer, sagt Marco Weicholdt. Der Mitbegründer des "Basislager Coworking Leipzig" ist ein Kenner der Gründerszene der Messestadt. "Es gibt Leute, deren Geschäftsmodell über Nacht verschwunden ist und die mit dem Rücken zur Wand stehen", sagt er. Gerade zu Beginn der Krise hätten junge Unternehmen Investoren verloren – die herrschende Unsicherheit habe die Geldgeber abgeschreckt. "Unsicherheit ist für Start-ups aber nichts Neues. Daher sind sie auch im Gegensatz zu großen, bereits etablierten Unternehmen in der Lage, quasi über Nacht ein neues Geschäftsfeld aufzumachen und ein anderes liegen zu lassen, das gerade nicht funktioniert", sagt Weicholdt.

Flexibilität als Vorteil

Eine Stärke, die sich auch "Sanaleo" zu Nutze gemacht hat. Vor allem der zweite Lockdown sei für das Unternehmen zum Problem geworden, sagt Geschäftsführer Morkramer. "Einnahmen sind weggebrochen, unsere Fixkosten sind jetzt höher und die Mitarbeiter müssen bezahlt werden. Ganze Vertriebskanäle verkaufen weniger oder gar nichts mehr." Die Umstellung auf Lieferdienste, Abholservices und verschiedene Online-Shops, die das "Sanaleo"-Sortiment vertreiben, sorgten dennoch für Umsatz. Ein weiterer Pluspunkt: Die CBD-Branche ist weniger hart von der Krise getroffen als andere Wirtschaftszweige, wie Morkramer sagt. "Der Bedarf an CBD-Produkten ist nicht zurückgegangen. Die meisten Kunden bestellen im Internet oder lassen sich von Shops beliefern. So konnten wir der Krise entgegenwirken und unsere Vertriebskanäle auf den Onlinehandel ausrichten."

Der Zukunft von "Sanaleo" blickt Morkramer optimistisch entgegen. Und er glaubt an das Potenzial der Messestadt für Gründer – ebenso wie Szene-Kenner Weicholdt: "Leipzig hatte vor der Krise ein sehr dynamisches Gründergeschehen und viele Vorteile für Start-ups: junge, qualifizierte Menschen, verschiedene Uni- und Hochschulstandorte und moderate Lebenshaltungskosten."

Wie die Leipziger Gründerszene nach der Pandemie aussehen wird, sei jedoch schwer vorherzusagen. Aktuell sei definitiv ein Zögern unter Gründungswilligen festzustellen. "Wer jetzt gründen will, braucht noch mehr Selbstvertrauen als zuvor, muss sich noch stärker um Kontakte bemühen und die richtigen Leute digital ansprechen", sagt Weicholdt. Dennoch ist die Krise in seinen Augen auch eine Chance: "Eigentlich ist genau jetzt eine gute Zeit für Start-ups und Leute, die anders denken und an Probleme herangehen. Es ist der richtige Zeitpunkt, um mit Ideen aufzufallen und laut zu sein."

Verwendete Quellen:
  • Interview mit Philipp Morkramer und Marco Weicholdt
  • Website Verbraucherzentrale

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