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Stuttgart: Sexismus auf Frühlingsfest – wie die Debatte die ganze Stadt nervt


Wie eine Sexismus-Debatte die ganze Stadt nervt

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Von Michael Ströbel

06.05.2022Lesedauer: 4 Min.
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Ein Pferd reißt einer Frau die Kleider vom Leib: Die Motive sorgen für erregte Diskussionen.
Ein Pferd reißt einer Frau die Kleider vom Leib: Die Motive sorgen für erregte Diskussionen. (Quelle: Michael Ströbel/T-Online-bilder)
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Nach fast einer Woche Sexismus-Debatte rund um das Stuttgarter Frühlingsfest sind alle genervt. Der Bürgermeister, die Grünen, Schausteller und Besucher. Änderungen soll es nun aber trotzdem geben.

Zwei Wochen lang lief auf dem Stuttgarter "Frühlingsfest light" alles super. Die Sonne schien, die Besucher nutzten die Fahrgeschäfte eifrig und feierten friedlich. Die Katerstimmung nach zwei harten Jahren der Pandemie schien sich endlich zu lösen. Doch dann wurde Kritik an manchen Schaustellern laut, die Grünen-Fraktion im Stadtrat nahm sich ihr an und drückte damit etwas auf die Stimmung.

Der Vorwurf: Zu freizügig, diskriminierend, sexistisch seien manche der gezeigten Bilder. Vor einer Woche war das. Inzwischen sind nun wohl alle Argumente ausgetauscht. Doch auch wenn es am Donnerstag bei einem Treffen zu einer Aussprache kam, lebt die Diskussion weiter.

Dass das Thema so hochgekocht ist und bundesweit Beachtung gefunden hat, scheint viele zu nerven, allen voran die Schausteller und den Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Nopper (CDU). Die Grünen wiederum sind genervt vom OB und der Stadtverwaltung. Und selbst manche Journalisten monieren, dass "inzwischen alles gesagt" sei, "nur noch nicht von jedem", wie es dem Reporter vor Ort im Gespräch unter Kollegen zu entnehmen war.

Marko Roschmann vom Schaustellerverband und Grünen-Stadträtin Jitka Sklenářová schauen gemeinsam eine sexistische Malerei auf einer Go-Kart-Bahn an.
Marko Roschmann vom Schaustellerverband und Grünen-Stadträtin Jitka Sklenářová betrachten gemeinsam eine sexistische Malerei auf einer Go-Kart-Bahn. (Quelle: Michael Ströbel/T-Online-bilder)
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Stuttgart: Schausteller und Grüne "in guten Gesprächen"

Zumindest scheinen sich Schausteller und Grüne einig darin zu sein, im Grunde einer Meinung zu sein. "Wir sind in guten Gesprächen mit den Schaustellern", bestätigt die Grünen-Stadträtin Jitka Sklenářová bei einem gemeinsamen Termin mit Mark Roschmann vom Schaustellerverband Stuttgart vor Ort.

Auch Roschmann sagt: "Wir wollen eine positive Atmosphäre schaffen und einen diskriminierungsfreien Raum für alle". Er wird nicht müde, auf die Geschichte seiner Zunft zu verweisen. Eine Geschichte voller Diskriminierung sei das – von Verunglimpfungen als "Zigeuner, Halbzigeuner oder Fahrendes Volk" und von Gleichschaltung und Unterdrückung in der Zeit des Dritten Reichs, wie Roschmann sagt.

In diesem Zuge kündigten die betroffenen Schausteller dann auch an, die Bilder entfernen oder zumindest entschärfen zu wollen. Zumindest drei halbnackte Frauen, deren Blusen oder Büstenhalter offen waren. Eine der Damen bekomme jetzt eine geschlossene Bluse, bei einer anderen werde der BH geschlossen.

Halbnackt räkelt sich eine Frau neben zahlreichen Formel-1-Fahrern in Rennkleidung. Für die Grünen ist das eindeutig sexistisch.
Halbnackt räkelt sich eine Frau neben zahlreichen Formel-1-Fahrern in Rennkleidung. Für die Grünen ist das eindeutig sexistisch. (Quelle: Michael Ströbel/T-Online-bilder)

Roschmann: Mehrere Tausend Euro für Schausteller nicht bezahlbar

Wer genauer hinschaut, entdeckt dann doch noch Unterschiede: Den Schaustellern wäre es wohl am liebsten, sie würden erst einmal in Ruhe gelassen, könnten die Wunden lecken, die die Coronakrise auch bei ihnen gerissen hat: Nur rund fünf Prozent des üblichen Umsatz hätten die Schausteller in den vergangenen Jahren gemacht, erklärt Roschmann. Man könne daher von den Schaustellern nicht verlangen, dass sie direkt mehrere Tausend Euro für neue Bilder ausgeben, meint er.

Die Grünen haben dafür Verständnis. Zumindest für die Sichtweise der Schausteller. Das Bittere sei nämlich, dass es eigentlich "eine klare Beschlusslage dazu" gebe, die so etwas schon im Vorfeld verhindern sollte. Etwa frühzeitig im Bewerbungsverfahren, das die Stadt für die interessierten Schausteller durchführt. Da müsse es klare Richtlinien geben. "Das ist eigentlich alles", meint Jitka Sklenářová.

Sie nervt daher vor allem eines: "Wir haben hier offensichtlich ein Problem in der Verwaltung", schließlich habe es schon vor zwei Jahren ähnliche Diskussionen rund um sexistische Werbung im öffentlichen Raum gegeben. Außerdem werde die Diskussion von vielen Seiten verwässert, auch von den Medien: "Es geht nicht um Nacktheit oder um nackte Brüste generell, sondern um den Kontext, in dem sie gezeigt werden."

Eine leicht bekleidete Frau mit einem Putzeimer: Eine von vielen sexistischen Abbildungen, die die Grünen-Fraktion des Stuttgarter Stadtrats kritisiert.
Eine leicht bekleidete Frau mit einem Putzeimer: Eine von vielen sexistischen Abbildungen, die die Grünen-Fraktion des Stuttgarter Stadtrats kritisiert. (Quelle: Michael Ströbel/T-Online-bilder)

Grünen-Stadträtin Sklenářová: Bundesweit relevantes Thema

Die Aufmerksamkeit zeige dagegen, "dass es bundesweit ein wichtiges Thema ist", findet Sklenářová. Und die meisten Schausteller seien ja auch im ganzen Land unterwegs. "Es schafft einfach eine gewisse Atmosphäre, eine Frau zu zeigen, die gegen ihren Willen ausgezogen wird". Es steht für sie außer Frage, dass es Änderungen geben muss, auch wenn sie keine böse Absicht dahinter erkennen möchte: "Vermutlich hat man sich damals keine Gedanken gemacht oder man fand es lustig", sagt sie.

Marko Roschmann vom Schaustellerverband und Grünen-Stadträtin Jitka Sklenářová beim Interview (links). Rechts im Bild eines der Bilder, die von den Grünen kritisiert werden.
Marko Roschmann vom Schaustellerverband und Grünen-Stadträtin Jitka Sklenářová beim Interview (links). Rechts im Foto eines der Bilder, die von den Grünen kritisiert werden. (Quelle: Michael Ströbel/T-Online-bilder)

Den Stuttgarter Grünen geht es daher "nicht um Verbote. Wir müssen als Gesellschaft in einen Dialog miteinander kommen, welche Begriffe und welche Darstellungen andere Menschen verletzen. Solange man über jemanden spricht, und nicht das direkte Gespräch sucht, ist es immer schwierig; da gibt es immer Missverständnisse."

Aussagen von Stuttgarts Oberbürgermeister Nopper irritieren Grüne

Die Gespräche scheinen zumindest mit dem Schaustellerverband ganz gut und fruchtbar zu laufen. Auf wenig Verständnis stößt dagegen das Statement von Oberbürgermeister Frank Nopper von der CDU. Der hatte die Grünenfraktion getadelt, "der Gemeinderat sollte keine Zensurbehörde, kein Hoher Rat der Tugend- und Sittenwächter, der Inquisitoren und Diskriminierungsfahnder werden".

Stattdessen riet er "zur Gelassenheit, zu Maß und Mitte sowie zur Konzentration auf das, was wirklich wichtig ist" und nannte anschließend den wirtschaftlichen Existenzkampf der Schausteller als einen solchen "wirklich wichtigen" Punkt.

"Das zeigt einfach, dass es in der Debatte noch viel zu tun gibt, dass es noch ein weiter Weg ist, der vor uns liegt", sagt Jitka Sklenářová. Eine Debatte, die aus ihrer Sicht aber wichtig ist. Auch wenn es manche nervt.

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Verwendete Quellen
  • Treffen mit Schaustellerverband und Grünen Stadträten auf dem Stuttgarter Frühlingsfest
  • Telefonat mit Mark Roschmann vom Schaustellerverband Stuttgart
  • Gespräch mit Grünen-Stadträtin Jitka Sklenářová
  • Nachrichtenagentur dpa
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