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Es ist wieder Festival-Zeit: Aber wo sind die Frauen?

Von dpa, t-online, JaH

Aktualisiert am 06.06.2019Lesedauer: 3 Min.
"Rock am Ring": Das Festival startete am vergangenen Mittwoch.
"Rock am Ring": Das Festival startete am vergangenen Mittwoch. (Quelle: Thomas Frey/dpa +++ dpa-Bildfunk +++/dpa-bilder)
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Am Wochenende starten die Zwillingsfestivals "Rock am Ring" und "Rock im Park". Unter den Besuchern werden 40 Prozent Frauen erwartet, auf der Bühne sieht das Verhältnis allerdings viel krasser aus.

Bis zu 160.000 Musikfans sollen zusammengerechnet auf den beiden Festivals dabei sein. Die Männer sind auf den Campingplätzen und auf dem Festivalgelände in der Überzahl. Auch bei den Künstlern, die auftreten werden, sieht das nicht anders aus.


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Weniger als zehn Frauen

75 Acts haben sich angekündigt. Metal-Größen wie Slayer und Slipknot, Hiphoper wie Materia und Punk-Rocker wie Feine Sahne Fischfilet und Die Ärzte. Grob überschlagen werden an den drei Festivaltagen etwa 250 Musiker auf der Bühne stehen. Wenn man sich die Künstlerfotos auf der "Rock im Park"-Homepage anschaut, findet man dort nicht einmal zehn Frauen.

Der Frauenmangel auf Festivalbühnen ist bekannt. Im vergangenen Jahr lästerte Berlin über "Schniedelpalooza", weil auch beim Lollapalooza-Festival kaum Frauen im Lineup vertreten waren. Doch: Woher nehmen?

"Rock gilt eher als Jungssache"

"Es gibt einfach viel mehr männliche Rockmusiker", sagt der Musiksoziologe Holger Schwetter. "Rock galt – und gilt – eher als Jungssache, Mädchen werden eher angehalten, weiche Instrumente zu lernen: Flöte, Geige, Klavier und nicht Schlagzeug, Bass oder E-Gitarre."

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Katharina Wenisch, die Sprecherin von Festivalveranstalter Marek Lieberberg, sagt: "Bei der Auswahl der Bands beziehungsweise Solo-Künstler, die bei 'Rock am Ring' und 'Rock im Park' spielen, achten wir vorrangig darauf, dass sie zu unseren Stilrichtungen passen. Hier sind Qualität und Aktualität entscheidend."

Eine "gender-bezogene Auswahl" finde nicht statt, obwohl "eine Erhöhung des Frauenanteils extrem wichtig" sei – "nicht nur aus ökonomischer Hinsicht, sondern auch aus einem kulturell-sozialen Blickwinkel betrachtet".

Die beiden Rockfestivals, die traditionell den Auftakt zur Festivalsaison bilden, sind mit ihrer Männerlastigkeit alles andere als ein Sonderfall. Bei den Festivals "Southside" und "Hurricane" in diesem Jahr ist die Frauenquote zwar etwas besser, aber immer noch verschwindend gering. Ein ähnliches Bild auch in diesem Jahr in Wacken: Nur rund ein Dutzend Bands haben dort Frauen dabei.

"Und das sind wahrscheinlich die Sängerinnen ...", sagt Ilka Siedenburg, Professorin für Musikpädagogik an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) in Münster. "Das ist nicht neu, das Phänomen, und es zeigt sich noch mehr als im Gesang vor allem bei den instrumentellen Musikerinnen. Da wird es richtig dünn."

In der klassischen Musik gebe es inzwischen zwar mehr Frauen als früher. "Aber im Pop, Rock und Jazz sind es erschreckend wenig. In Studiengängen für Populäre Musik liegt der Frauenanteil aktuell bei 20 bis 25 Prozent. Berücksichtigt man nur die Instrumentalistinnen, landet man im einstelligen Bereich."

Siedenburg führt das auch darauf zurück, dass Mädchen viel seltener als Jungs Bands gründen. Außerdem sei die Musikbranche eine männliche mit "fast ausschließlich männlichen Produzenten".

Der Musikjournalist und Buchautor Ernst Hofacker ("Flint oder der wundersame Gesang des Mellotron") wird deutlich und benennt einen traditionellen Sexismus, "das Machohafte", in der Branche: "Da kann man im wahrsten Sinne davon sprechen, dass die Jungs die Puppen haben tanzen lassen."

"Bild der Gesellschaft"

Er betont allerdings, dass es nicht nur ein Problem der Rockmusik-Branche sei. "Das ist immer auch ein Bild der Gesellschaft. So lange es in einer Gesellschaft vollkommen normal ist, dass Mädels anders erzogen werden – Stichwort rosa und blau – und die wilde Rolle den Jungs überlassen wird, dann darf man sich nicht wundern."

Es sei "gesellschaftlich nicht erwünscht, wenn Mädchen und Frauen Aggressionen zeigen und rauslassen", sagt Musiksoziologe Schwetter. "Und die Frauen in der Rockgeschichte werden marginalisiert." Bob Dylan gelte zum Beispiel als "wertvoller" als Joni Mitchell.


Dass es in der Festival-Planung aber auch anders geht, hat das Festival "Primavera Sound" in Barcelona gezeigt. Dort gab es eine Frauenquote und mehr als 50 weibliche Acts – und trotzdem rund 200.000 Besucher. Schwetter sagt, er habe inzwischen Konsequenzen gezogen: "Ich habe für mich persönlich eine Frauenquote beim Musik-Kaufen eingeführt."

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