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Abz├╝ge bei Material und Software: Der VW ID3 im Test

Von dpa
Aktualisiert am 24.06.2020Lesedauer: 3 Min.
VW ID.3: Der Elektrowagen von Volkswagen wird im September ausgeliefert.
VW ID.3: Der Elektrowagen von Volkswagen wird im September ausgeliefert. (Quelle: Jan Huebner/imago-images-bilder)
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Die Elektro-Versionen von Up und Golf waren nur das Vorspiel, doch jetzt bringt VW nach langem Vorgepl├Ąnkel bringen sein erstes Akku-Auto, das um den Elektromotor herum entwickelt wurde: Den ID3.

So gro├č und nach dem erh├Âhten Zuschuss aus Berlin auch nur so teuer wie ein Golf, soll er VW dabei helfen, Tesla die Marktf├╝hrerschaft streitig zu machen. Deshalb kommt er nicht alleine, sondern ist das erste Modell aus dem so Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB), aus dem der Konzern ├╝ber 30 Fahrzeuge ableiten und bis zum Ende der Dekade 20 Millionen Autos verkaufen will.

Genau wie fr├╝her bei K├Ąfer und Golf zielt VW auch beim ID3 wieder in die Mitte des Marktes und platziert den Hoffnungstr├Ąger mit seinen 4,26 Metern ins Herz der Kompaktklasse. Und auch das im Windkanal glatt geschliffene, ohne viele Schn├Ârkel gestaltete Design ist zwar etwas futuristischer als bei Golf und Co. Doch anders als beim BMW i3 d├╝rfte es die konservative Kundschaft wenig provozieren.

Innen viel Platz und wenig Kn├Âpfe

Abgesehen vom dezenten Design, l├Ąsst VW wenig beim Alten. Denn sp├Ątestens beim Einsteigen katapultiert der ID3 die Generation Golf in eine andere Welt. Nicht nur, weil die kompakte, im Boden versteckte Elektrotechnik mehr Platz l├Ąsst f├╝r die Passagiere und man deshalb im Fond mindestens so gut sitzt wie im Passat. Sondern vor allem, weil VW das Bediensystem radikal reduziert hat.

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Wie im neuen Golf gibt es quasi keine Kn├Âpfe mehr, und selbst auf das klassische Cockpit haben die Niedersachsen diesmal verzichtet. Stattdessen steht hinter dem Lenkrad einsam ein kleiner Monitor, aus dem wie beim BMW i3 der Schaltknubbel w├Ąchst. Dazu gibt es als weitere Neuheit eine Leuchtleiste unter der Frontscheibe, die ├╝ber Farbimpulse mit dem Fahrer spricht: Wei├če Lichtpunkte signalisieren, dass die Sprachsteuerung zuh├Ârt, blaue helfen bei der Navigation, gr├╝ne zeigen eingehende Anrufe an und rote machen auf Gefahren aufmerksam.

Viel billiges Plastik

Allerdings wird nicht alles, was am ID3 neu ist, den Kunden gefallen: So l├Ąuft die Software jetzt auf nur zwei statt ├╝ber 20 Steuerger├Ąten, weil sie aktuell noch hakt. Zudem werden einige bereits angepriesene und verkaufte Funktionen erst nachtr├Ąglich mit einem Update freigeschaltet.

Hinzu kommt, dass VW den Preis auch mit viel billigem Plastik auf Golf-Niveau senkt. Weil die Akkus im Einkauf fast mehr kosten als der Rest des Wagens, sparen die Niedersachsen bei der Materialg├╝te und muten den "First Movern" ein Ambiente zu, wie man es fr├╝her nur von den Billigautos aus Fernost kannte.

Vertrautes Fahrgef├╝hl

Beim Fahren dagegen wirkt der ID3 sehr vertraut. Mit seinem 150 kW/204 PS starken E-Motor beschleunigt er zumindest im Stadtverkehr mindestens so gut wie ein Golf GTI. Auch nervt er weder mit dem synthetischen Fahrgef├╝hl, das manchen Stromern eigen ist, noch machen sich die etwas erh├Âhte Sitzposition oder das Mehrgewicht der Akkus bemerkbar.

Selbst das Bremsen ist zum Leidwesen passionierter E-Fahrer eher konventionell: Statt stark zu verz├Âgern und so das Fahren mit einem Pedal zu erm├Âglichen, rollt der ID3 im Standard-Setup aus wie ein Benziner im Leerlauf und wird auch im effizienteren B-Modus nur langsam langsamer. Nur beim Tempo findet VWs neuer Protagonist ganz von selbst sein Limit. Denn wie die meisten Elektroautos wird er aus R├╝cksicht auf die Reichweite fr├╝h eingebremst, so dass bei 160 km/h Schluss ist. Umgew├Âhnen m├╝ssen sich die Golf-Fahrer au├čerdem beim Rangieren, weil die MEB-Autos einen sehr viel kleineren Wendekreis haben.

Wie genau man seine Reise planen und wie oft man zwischendurch zum Laden stoppen muss, ist eine Frage des Preises: Die "First Edition", die nach Abzug der F├Ârderung rund 31.000 Euro kostet, f├Ąhrt mit einem 58 kWh gro├čen Akku und kommt bis zu 420 Kilometer weit. F├╝r 10.000 Euro weniger und damit zum Basispreis des Golfs gibt es 45 kWh f├╝r etwa 330 Kilometer. Und wer lange Strecken fahren will, bekommt f├╝r gesch├Ątzte 50.000 Euro einen 77 kWh gro├čen Akku, dem VW 550 Kilometer Reichweite attestiert. Damit f├Ąhrt der ID3 dann auf Augenh├Âhe mit dem ansonsten deutlich gr├Â├čeren und teureren Tesla Model 3.

Fazit: F├╝r VW kann die Zukunft kommen

Viel Platz und vern├╝nftige Preise, alltagstaugliche Fahrleistungen und eine praxisgerechte Reichweite verpackt in einem frischen Design ÔÇô so macht der ID3 den VW-Konzern tats├Ąchlich fit f├╝r die Zukunft. Allerdings bleiben dabei mit den L├╝cken in der Software und vor allem der Materialanmutung ein paar Tugenden auf der Strecke, die den Niedersachsen fr├╝her lieb und den Kunden buchst├Ąblich teuer waren.

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Datenblatt: VW ID3 "First Edition"

Daten im ├ťberblick
Motor und Antrieb Elektromotor
Max. Leistung 150 kW/204 PS
Max. Drehmoment 310 Nm
Antrieb Heckantrieb
Getriebe 1-Gang-Automatik
Ma├če und Gewichte
L├Ąnge 4261 mm
Breite 1890 mm
H├Âhe 1552 mm
Radstand 2765 mm
Leergewicht 1719 kg
Zuladung 541 kg
Kofferraumvolumen 385 Liter
Fahrdaten
H├Âchstgeschwindigkeit 160 km/h
Beschleunigung 0-60 km/h 3,4 s
Durchschnittsverbrauch k.A.
Reichweite 420 km
CO2-Emission 0 g/km
Batteriekapazit├Ąt 58 kWh
Schadstoffklasse k.A.
Energieeffizienzklasse A+
Kosten
Basispreis des VW ID3, ohne F├Ârderung ca. 30.000 Euro
Grundpreis des VW ID3 First Edition 39.995 Euro
Typklassen k.A.
Kfz-Steuer 0 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung
Sicherheit Sechs Airbags, adaptiver Tempomat
Komfort Klimaautomatik, Sitz- und Lenkradheizung, Sprachsteuerung
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Von Markus Abrahamczyk
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