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"Absolute Notlösung": Corona-Schutz aus dem 3D-Drucker

Von Ali Vahid Roodsari

Aktualisiert am 08.04.2020Lesedauer: 4 Min.
Ein Stapel montage- und gebrauchsfertiger Face Shields: Die Initiative MakervsVirus produziert die Schilder fĂŒr medizinisches Personal.
Ein Stapel montage- und gebrauchsfertiger Face Shields: Die Initiative MakervsVirus produziert die Schilder fĂŒr medizinisches Personal. (Quelle: MakerVsVirus.org)
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Gesichtsmasken sollen vor allem medizinisches Personal vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 schĂŒtzen. Doch der Schutz ist ein rares Gut. Eine Freiwilligenbewegung hilft nun aus – mit ihren 3D-Druckern.

Maker Vs. Virus – zu Deutsch: Maker gegen das Virus. Unter diesem Motto haben sich deutschlandweit sogenannte Maker zusammengeschlossen, um medizinisches Personal in der Arbeit gegen das Coronavirus zu unterstĂŒtzen. Maker sind eine Art Heimwerker, sie nutzen aber moderne Technik wie Mikrokontroller oder 3D-Drucker.

Mithilfe eben jener Drucker produziert die deutsche Maker-Community Face Shields, also Gesichtsschilde, die sie an medizinisches Personal verteilen – meist kostenlos, teilweise zum Selbstkostenpreis. Im Interview erklĂ€rt Alexander Klarmann, Pressesprecher der Maker-vs-Virus-Initiative, wie Face Shields helfen können, wie die Produktion ablĂ€uft und welche Projekte die Community fĂŒr die Zukunft plant.

Herr Klarmann, die Maker-Vs-Virus-Initiative produziert Face Shields gegen das Coronavirus. Wie können solche Visiere gegen eine Infizierung helfen?

Ähnlich wie ein Spuckschutz sind Face Shields eine zusĂ€tzliche, mögliche Barriere gegen TröpfchenĂŒbertragung. Also beispielsweise schĂŒtzt es, wenn ein Patient hustet oder niest. Feiner verteilte Viren kann es aber nicht abhalten – eine Versorgung mit Atemschutz ist hier wichtig. Auch eine Schutzbrille empfehlen wir unter dem Schild.

Genau solche Materialien fehlen aber vielerorts. Macht ein Face Shield auch ohne Maske Sinn?

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Face Shields sind eine absolute Notlösung. Wir bekommen aber FĂ€lle mit, wo andere Schutzmaßnahmen fehlen und Gesichtsmasken die einzige mögliche Barriere darstellen. Anfangs gab es hier und da auch Skepsis, aber mittlerweile kommen die Masken sehr gut an. An manchen Stellen ist der Bedarf so hoch, dass Leitungen, Pfleger und HilfskrĂ€fte momentan einfach froh sind, wenn sie wenigstens diesen möglichen Schutz bekommen können.

Die Schilde sollten im Idealfall mit Mundschutz benutzt werden.
Die Schilde sollten im Idealfall mit Mundschutz benutzt werden. (Quelle: MakervsVirus)

Ihre Produkte sind also sehr gefragt. Wie viele Gesichtsschilde können Sie liefern?

Wir haben anhand der vorhandenen Drucker in unserem Netzwerk eine mögliche Zahl von 10.000 Gesichtsschilden, die am Tag produziert werden können. Ein Problem war vor allem der Materialnachschub. Mithilfe von Spenden großer Unternehmen konnten wir das aber fĂŒr die kommenden Wochen lösen.

Wer die MakervsVirus.org.Initiative

Berichten zufolge haben NĂ€herinnen von Atemschutzmasken Post von AbmahnanwĂ€lten bekommen. BefĂŒrchten Sie nicht auch rechtliche Schwierigkeiten?

Das scheinen hartnĂ€ckige Fake News vermischt mit Panikmache zu sein. Uns ist kein konkreter Fall bekannt, wo Freiwillige bisher abgemahnt wurden. Die meisten Klinikleitungen winken bei der Haftungsfrage zudem ab. Wir kommunizieren das auch entsprechend und sagen: Unsere Gesichtsschilder sind kein Medizinprodukt. Sie gelten als persönliche SchutzausrĂŒstung, die auf eigene Gefahr benutzt werden kann. Wichtig ist auch: Wir produzieren auf Auftrag gewĂŒnschte Einzelteile mit Zusammenbauanleitung. Bei einer Auftragsproduktion sieht das Thema Produkthaftung wieder entspannter aus.

Wie wird so ein Face Shield hergestellt?

Die Schilde produzieren die Maker mit ihrer eigenen AusrĂŒstung, die auch bei Ihnen zu Hause stehen kann: Dazu gehören hauptsĂ€chlich 3D-Drucker, aber auch Laser-Cutter oder Folienplotter, mit denen man dicke Folien verarbeiten kann. Die PlĂ€ne fĂŒr die Schilde hat uns der tschechische 3D-Drucker-Hersteller Prusa kostenlos zur VerfĂŒgung gestellt. Der hat im Land auch so ein Ă€hnliches Projekt gestartet.

Und die Arbeit machen die Maker in ihrer Freizeit?

Genau. Auch werden viele Kosten selbst ĂŒbernommen: Materialien wie das Plastik fĂŒr die 3D-Drucker stellen unsere Mitglieder generell auf eigene Kosten zur VerfĂŒgung. Das Projekt ist mittlerweile so erfolgreich, dass sich bereits mehr als 5.500 Maker daran beteiligen. Auch regionale LandesverbĂ€nde des Deutschen Roten Kreuzes oder des Technischen Hilfswerks sind involviert und helfen beispielsweise beim Transport von Folie zur Produktion.

Constantin Sonnen vom Makerspace Hammertime und ein Mitarbeiter des THW tauschen eine Lieferung aus.
Constantin Sonnen vom Makerspace Hammertime und ein Mitarbeiter des THW tauschen eine Lieferung aus. (Quelle: MakervsVirus)

Das klingt alles so, als ob die Maker-Community eine hilfsbereite Gemeinschaft wÀre.

Die Maker-Community war in solchen Belangen schon immer aktiv. Als die 3D-Drucker 2013/14 aufkamen, erstellten Maker beispielsweise eine Art Low-Tech-Prothese fĂŒr Menschen mit bestimmten Fehlbildungen. Die gingen dann als humanitĂ€re Hilfe vor allem in Dritte-Welt-LĂ€nder. Meistens waren solche Projekte aber eher lokale Initiativen. So ein zentral koordiniertes Zusammenlaufen wie jetzt haben wir noch nicht erlebt.

Und wie organisieren Sie dieses große Projekt?

Die Koordination lĂ€uft ĂŒber ein Team von Freiwilligen. Aber es gibt jetzt nicht den einen Verein, der alles trĂ€gt. Man muss es als Kollektiv sehen: Unsere Mitglieder sind meist in sogenannten Hubs organisiert – das ist eine lokale Gruppe von Makern – und kĂŒmmern sich um viele Dinge selbst. Der Initiator von MakervsVirus war beispielsweise das Maker-Hub Hammertime in Kassel. Mithilfe von YouTubern, Berichten in Lokalzeitungen oder direkten Anfragen an KrankenhĂ€usern oder Arztpraxen wurde die Initiative immer bekannter und tauscht sich nun deutschlandweit aus.

Sind noch andere Projekte solcher Art geplant?

Da ist so einiges in Diskussion: In Italien werden 550 Tauch- und Schnorchelmasken mithilfe eines 3D-gedruckten Ventils zu nicht-invasiven Beatmungsmasken umfunktioniert. Wir haben in unseren Reihen auch einen Arzt, der so etwas selbst getestet hat. Daneben gibt es noch so Sachen wie Griffe, mit denen man TĂŒrklinken oder Einkaufskörbe greifen kann, ohne sie direkt zu berĂŒhren. International werden provisorische BeatmungsgerĂ€te getestet. Sobald es da zertifizierte und empfohlene Modelle gibt, werden wir uns auch damit beschĂ€ftigen. Wir sind ja nicht nur die Face-Shield-Teile-Produzenten, sondern wir haben ein Netzwerk mit vielen 3D-Druckern oder Laserschneidern – und Leuten, die gewillt sind, zu helfen.

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Herr Klarmann, vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch.

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