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Wie viel Entertainment geht im Auto?

Von dpa
Aktualisiert am 20.04.2021Lesedauer: 3 Min.
Bei langen Fahrten steigert eine gesunde Abwechslung die Konzentration, sagen Experten.
Bei langen Fahrten steigert eine gesunde Abwechslung die Konzentration, sagen Experten. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn./dpa)
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Berlin (dpa/tmn) "In welchen Situationen sich Autofahrer von Musik berieseln lassen oder einer Diskussion folgen, hÀngt stark von der Strecke ab", sagt Ulrich Chiellino, Verkehrspsychologe beim ADAC.

"In einem Wohngebiet erfordert das Fahren volle Konzentration, auf einer Autobahn im flĂŒssigen Verkehr können Piloten schon mal die Gedanken schweifen lassen." Auf langen Strecken liege vielmehr die Herausforderung darin, dass der Fahrer eine Balance zwischen Unter- und Überforderung findet. Denn beides sei fĂŒr die Konzentration nachteilig.

Monotonie durchbrechen

Um Monotonie auf der Fahrt zu durchbrechen, schalten viele Fahrer das Radio ein, telefonieren oder hören Podcasts. Diskussionen oder intensive GesprĂ€che ĂŒber komplexe Themen seien aber fĂŒrs Autofahren weniger geeignet, meint Chiellino: "Wenn sich Autofahrer aktiv an einem anderen Vorgang als dem Fahren beteiligen, verringert sich die Wahrnehmung fĂŒr die Umgebung. Der Aufmerksamkeitsfokus liegt dann woanders und es kann lĂ€nger dauern, bis der Fahrer in kritischen Situationen gedanklich wieder in die Situation des Fahrens gelangt." Anspruchsvolle NebenbeschĂ€ftigungen wĂŒrden auch hĂ€ufig durch die Fahraufgabe unterbrochen, so dass sich Frustration einstellen kann.

Thomas Kiehl, Krimiautor und Clubhouse-Moderator, sieht bei den Social-Media-DiskussionsrĂ€umen noch ein anderes Problem: "DiskussionsbeitrĂ€ge auf Clubhouse unterscheiden sich ja nicht grundsĂ€tzlich von RadiobeitrĂ€gen, HörbĂŒchern oder Podcasts." Wenn man nicht gerade aktiv mitdiskutiert, liege der Unterschied vor allem in der Bedienung. Das gilt natĂŒrlich etwa auch fĂŒr Twitter Spaces.

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FĂŒr Redebeitrag rechts ranfahren

Die Raum-Auswahl erfolgt natĂŒrlich in der App wie auch das "Handheben", wenn man im virtuellen Raum mitreden möchte. Dazu muss die App bedient werden. "Clubhouse sollten Autofahrer daher wie einen Radiosender vor der Fahrt einstellen", rĂ€t Kiehl. Wer nicht mehr nur zuhören, sondern in einer Diskussion auch mitreden möchte, sollte rechts ranfahren, um das Smartphone zu bedienen. Und beim reinen Zuhören gelte: "Wer das GefĂŒhl hat, eine Stelle nicht verstanden zu haben, der sollte nicht am Handy zurĂŒckspulen oder sich den Kopf zerbrechen, denn das stört die Konzentration beim Autofahren."

Auch Uwe Lenhart, Rechtsanwalt fĂŒr Verkehrsrecht, rĂ€t beim Thema Handy im Auto zur Vorsicht: "Das Smartphone darf vom Autofahrer nicht aufgenommen und gehalten werden." Selbst das Multimedia-System des Fahrzeugs samt integrierter Apps dĂŒrfe immer nur kurzzeitig berĂŒhrt werden. Idealerweise nutzt man Sprachsteuerung und Vorlesefunktionen, so weit diese vorhanden sind. Sich frei mit dem Smartphone oder anderen GerĂ€tschaften beschĂ€ftigen darf die Fahrerin oder der Fahrer erst, wenn der Motor ausgestellt ist.

Moderate LautstÀrke

Ganz gleich, was gehört wird: WĂ€hrend der Fahrt sollte die LautstĂ€rke nicht zu hoch eingestellt sein. Denn laut Straßenverkehrsordnung darf man wĂ€hrend der Fahrt andere Verkehrsteilnehmer nicht durch zu laute Musik und andere BeitrĂ€ge gefĂ€hrden oder in erschwerender Weise ablenken oder belĂ€stigen.

"Zu laute Musik oder das Tragen von Kopfhörern im Fahrzeug schafft kĂŒnstliche "Schwerhörigkeit" und beeintrĂ€chtigt die Verkehrssicherheit", erklĂ€rt Lenhart. Dadurch fehle ein wichtiger Sinn zur Wahrnehmung von GerĂ€uschen, die fĂŒr das EinschĂ€tzen von VerkehrsablĂ€ufen wichtig sind.

Konzentration muss bleiben

Wird ein herannahendes Einsatzfahrzeug von Polizei, Feuerwehr oder RettungskrĂ€fte nicht gehört, könne das zu einem Unfall fĂŒhren. Bei VerstĂ¶ĂŸen droht Verwarnungsgeld, bei einem Unfall kann es um fahrlĂ€ssige Körperverletzung gehen. Versicherungsrechtlich kann es zur Mit- oder Alleinhaftung kommen. Eine grundsĂ€tzliche EinschrĂ€nkung beim Hören von Diskussionen & Co sieht Anwalt Lenhart aber nicht.

Egal ob Musik, spannende Diskussionsthemen, eine Reportage, ein Hörbuch, die Nachrichten im Radio oder ein unterhaltsamer Podcast: Alle lösen zwar Emotionen aus, sind der Fahrsicherheit beim reinen Zuhören aber nicht abtrÀglich, im Gegenteil: "Bei langen Fahrten steigert eine gesunde Abwechslung die Konzentration", sagt Verkehrspsychologe Chiellino. Und eines sollte man im Entertainment-Mix nicht vergessen: Auch Stille kann im Auto Abwechslung und Erholung bieten.

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