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Dare2Del: Künstliche Intelligenz hilft beim Datenlöschen

Programm "Dare2Del"  

Künstliche Intelligenz soll "Desktop-Messies" helfen

13.01.2020, 10:28 Uhr | dpa

Dare2Del: Künstliche Intelligenz hilft beim Datenlöschen. Screenshot des Programms Dare2Del: Das Programm Dare2Del macht einen Vorschlag, bestimmte Dateien zu löschen.  (Quelle: dpa/Nicolas Armer)

Screenshot des Programms Dare2Del: Das Programm Dare2Del macht einen Vorschlag, bestimmte Dateien zu löschen. (Quelle: Nicolas Armer/dpa)

Word-Dokumente, Fotos, ungenutzte Programme – auf dem Rechner sammelt sich irgendwann Datenmüll. Die Daten wieder zu löschen, kann mühsam sein. Eine künstliche Intelligenz soll hier helfen.

Die Dokumente könnten doch wichtig sein, die Bilder eine schöne Erinnerung. "Das ist ähnlich wie bei einem unaufgeräumten Dachboden. Das belastet einen, aber niemand wirft was weg", meint Ute Schmid und zuckt mit den Schultern. Die Professorin für Angewandte Informatik und Kognitive Systeme an der Universität Bamberg kennt das nur zu gut. Auch auf ihrem Rechner schlummern einige Dateileichen, gesteht die 54-Jährige.

"Wage es, zu löschen"

Ein Forschungsteam rund um Ute Schmid möchte dem sogenannten "Desktop-Messie" Hilfe anbieten. Sie entwickeln ein System, das dem Menschen beim Löschen und Vergessen helfen soll – intentionales, also gezieltes Vergessen als Gemeinschaftsaufgabe von Mensch und künstlicher Intelligenz. "Dare2Del" heißt das Projekt, was so viel bedeuten soll wie "Wage es, zu löschen".

Denn für manche ist es tatsächlich ein Wagnis, Dateien zu löschen. "Digitales Horten" heißt das Störungsbild, das noch kaum erforscht ist. Etwa vier Prozent der Bevölkerung weltweit würden zwanghaft horten, sagt Psychologe Jörg Wolstein von der Universität Bamberg. Wie viele aber neben ihrer Wohnung auch den PC zumüllen, wisse niemand so genau. Denn dank Suchfunktionen und Cloud-Speicher bliebe die Krankheit lange geheim.

"Löschen macht ihnen Angst"

Betroffene sammeln zwanghaft Dokumente auf ihrem Rechner, sortieren stundenlang Musiktitel und horten externe Festplatten. "Löschen macht ihnen Angst", erklärt Wolstein. Eine innere Blockade hindere sie daran. "Sie fürchten, sonst etwas zu vergessen oder die Kontrolle zu verlieren."

Die Forschung von Ute Schmid könnte helfen, das es erst gar nicht so weit kommt. "Davon können vor allem unstrukturierte Menschen profitieren, die nicht so organisiert sind", sagt die 54-Jährige. Dabei solle nichts heimlich verschwinden, denn gerade transparentes und nachvollziehbares Löschen sei wichtig. Nur wenn Personen sich bewusst mit der Entscheidung auseinandersetzen würden, könnten Arbeitsleistung und Beanspruchung positiv beeinflusst werden.

Speicherplatz kostet Geld

So schlägt "Dare2Del" dem Nutzer beim Schließen eines Programms fünf Dateien vor, die er löschen könnte. Wer auf eine der Dateien klickt, bekommt den zugehörigen Ordner angezeigt. Das System liefert dann auch noch eine Begründung, warum das Dokument getrost in den Papierkorb wandern kann. Weil es zum Beispiel schon eine Kopie in einem anderen Ordner gibt oder es sich um eine veraltete Version handelt. Am Ende entscheidet der Nutzer, ob er die Datei löschen möchte oder nicht.

Der Nutzer kann auch die Begründung für das Löschen ändern. "Künstliche Intelligenz soll genauso vom Menschen lernen wie umgekehrt", sagt Schmid, die von einer "Mensch-Maschine-Partnerschaft" spricht. Er kann dem System also beispielsweise erklären, dass er Fotos von der verstorbenen Oma nie löschen möchte. Eine Firma könnte wiederum einstellen, dass Nutzerdaten grundsätzlich nach sechs Monaten gelöscht werden müssen. Speicherplatz koste die Industrie nämlich viel Strom und Geld, so Schmid.

Wird "Karl Klammer" zur KI?

Unternehmen wie der Autozulieferer Brose rufen ihre Mitarbeiter deshalb dazu auf, regelmäßig Daten zu löschen. So seien immerhin schon 50 Terabyte Speicherplatz freigeworden, sagt Frank Martin, Leiter der Informationstechnologie bei Brose. Rund 180.000 Euro hat das Unternehmen nach Information des Forschungsteams auf diese Weise gespart. "Das Löschen von Hand ist aufwendig und nicht mehr zeitgemäß", so Martin. "Dare2Del" könnte die Lösung sein, auch für die Energiebilanz.

Doch erstmal läuft die Forschung noch drei Jahre. Die Wissenschaftler wollen auch testen, wie sehr Menschen den Löschvorschlägen der künstlichen Intelligenz vertrauen. Auch das Benutzerdesign ist noch völlig offen. "Dare2Del" könnte in Form einer Büroklammer auftauchen wie früher der Assistent bei Microsoft Office, als Plug-In oder als eigenes Programm. Gerade würden sie vor allem an der Erklärbarkeit und dem interaktiven Lernen tüfteln, erzählt Ute Schmid. Denn auch Künstliche Intelligenz müsse erstmal lernen zu löschen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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