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Testamentsvollstrecker: Aufgaben, Kosten und Ablauf

Streit ums Erbe vermeiden  

Testamentsvollstrecker: Aufgaben, Kosten und Ablauf einer Testamentsvollstreckung

Von Sabrina Manthey

20.11.2018, 11:58 Uhr
Testamentsvollstrecker: Aufgaben, Kosten und Ablauf. Erbschaft: Ein Testamentsvollstrecker kann den Willen des Erblassers auch gegen die Erben durchsetzen. (Quelle: dpa/Christin Klose)

Erbschaft: Ein Testamentsvollstrecker kann den Willen des Erblassers auch gegen die Erben durchsetzen. (Quelle: Christin Klose/dpa)

Es gibt viele Gründe, im Erbfall einen Testamentsvollstrecker zu bestellen. Damit kann der Erblasser sicherstellen, dass sein letzter Wille tatsächlich beachtet und umgesetzt wird – auch, wenn das den Erben nicht gefällt.

Beim Erben ist Streit oft programmiert – insbesondere bei hohen Vermögensständen, komplizierten Vermögensverhältnissen, besonderen Teilungsanforderungen oder bei Erbengemeinschaften. Wer damit rechnet, dass sich nach seinem Tod die Erben über den Nachlass in die Haare kriegen, kann im Testament einen Testamentsvollstrecker benennen. Er sorgt dafür, dass das Erbe genau so verteilt wird, wie es der Wille des Verstorbenen war.

Er kann dafür sorgen, dass bestimmte Vorgaben auch gegen den Willen der Erben durchgesetzt werden – zum Beispiel die Auflage, dass ein Haus nicht verkauft wird, sondern im Familienbesitz bleibt.

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Arten der Testamentsvollstreckung: Abwicklungsvollstreckung und Dauervollstreckung

Es gibt im Grunde zwei Arten der Testamentsvollstreckung: die Abwicklungsvollstreckung und die Dauervollstreckung.

Die Abwicklungsvollstreckung ist kurzfristig angelegt. Dem Testamentsvollstrecker obliegt die unmittelbare Abwicklung des Erbfalls. Das bedeutet, die Aufstellung und Verteilung der Erbmasse entsprechend der testamentarischen Verfügung an die Erben. Mit dem Begleichen der Erbschaftsteuer endet die Tätigkeit des Testamentsvollstreckers.

Anders im Fall der Dauervollstreckung, die dem Namen nach auf Dauer angelegt ist. Grundlage ist § 2209 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). In der Regel geht es in diesen Fällen um die auf Jahre angelegte Nachlassverwaltung, die dem unmittelbaren Erbfall folgt. Meist handelt es sich dabei um die Verwaltung von Grundstücken, eines Firmenerbes oder Stiftungsvermögens. Erblasser können somit sicherstellen, dass das Erbe von den erbberechtigten Nachkommen nicht verprasst sowie Immobilien oder die Firma verkauft werden. Auch im Fall von minderjährigen oder behinderten Erben wird häufig auf die Dauertestamentsvollstreckung zurückgegriffen.

Rechte und Pflichten: Befugnisse des Testamentsvollstreckers

Die konkreten Befugnisse des Testamentsvollstreckers kann der Erblasser im Testament festlegen. Experten raten, die Aufgaben und Rechte des Testamentsvollstreckers so detailliert wie möglich festzuschreiben. Ohne diese Orientierung kann es schnell zu Unklarheiten und Streit mit den Erben kommen.

Aufgaben eines Testamentsvollstreckers nach § 2205 BGB: "Der Testamentsvollstrecker hat den Nachlass zu verwalten. Er ist insbesondere berechtigt, den Nachlass in Besitz zu nehmen und über die Nachlassgegenstände zu verfügen. Zu unentgeltlichen Verfügungen ist er nur berechtigt, soweit sie einer sittlichen Pflicht oder einer auf den Anstand zu nehmenden Rücksicht entsprechen."

Der Testamentsvollstrecker ist verpflichtet, gegenüber den Erben Rechenschaft über sein Tun abzulegen. Erste Pflicht ist das Erstellen eines Nachlassverzeichnisses, in dem die Vermögensverhältnisse samt den Verbindlichkeiten aufgeführt sind. Danach teilt er das Erbe der Verfügung entsprechend auf. Zum Schluss werden die steuerlichen Angelegenheiten geregelt. Bei einer Dauertestamentsvollstreckung hat eine jährliche Rechnungslegung und Erbschaftsteuererklärung zu erfolgen.

Neben den Formalien sind nicht selten Auseinandersetzungen zwischen den Erben zu schlichten. Ein Testamentsvollstrecker darf – so im Testament verfügt – Teile des Nachlasses gegebenenfalls auch gegen den Willen der Erben verkaufen oder versteigern.

Allerdings darf ein Testamentsvollstrecker mit dem Nachlass keine spekulativen Geschäfte betreiben oder nicht verfügte Schenkungen vornehmen. Kommt es im Zuge der Testamentsvollstreckung zu gravierenden Fehlgriffen, können die Erben auch die Absetzung des Testamentsvollstreckers beantragen, der für Schäden auch persönlich haftbar gemacht werden kann. In diesen Fällen entscheidet das Nachlassgericht und setzt gegebenenfalls einen Dritten als Testamentsvollstrecker ein.

Großeltern mit Enkel: Bei minderjährigen oder verschuldeten Erben oder Erben mit einem Handicap kann eine Testamentsvollstrecker das Erbe verwalten. (Quelle: Getty Images/AleksandarNakic)Großeltern mit Enkel: Bei minderjährigen oder verschuldeten Erben oder Erben mit einem Handicap kann eine Testamentsvollstrecker das Erbe verwalten. (Quelle: AleksandarNakic/Getty Images)

Minderjährige Erben: Stiftungsvermögen

Sind die Erben minderjährig oder zu unerfahren, die Nachlassabwicklung selbst in die Hand zu nehmen, bietet sich die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers an. Er kann sich darum kümmern, dass das Vermögen zum Beispiel in eine Stiftung fließt, aus der ein monatlicher Lebensunterhalt an den Erben gezahlt wird.

Erben mit Schulden oder Handicap: Zugriff Dritter einschränken

Ist einer der Erben zahlungsunfähig, kann mit einer Testamentsvollstreckung verhindert werden, dass das Geerbte an den Insolvenzverwalter fließt. Denn: Sind die Gläubiger eines Erben nicht zugleich auch Nachlassgläubiger, haben diese keinen direkten Zugriff auf das Nachlassvermögen, wenn dieses der Verwaltung eines Testamentsvollstreckers unterliegt. Geregelt ist dies in § 2214 BGB.

Die Arbeit eines Testamentsvollstreckers bietet sich auch an, wenn eines der Kinder behindert ist. Um zu verhindern, dass das Erbteil des Kindes mit Handicap komplett an den Staat geht – zum Beispiel für Heim- und Pflegekosten, muss der Erblasser ein sogenanntes Behindertentestament aufsetzen. Damit kann der Staat das Erbe nicht einfordern. Im Zuge der Dauertestamentsvollstreckung ist das Erbe vor dem Zugriff der Sozialhilfeträger geschützt.

Notarsiegel auf Testament: Ein Testamentsvollstrecker kann im Testament verfügt oder vom Gericht bestimmt werden. Für seine Tätigkeit kann er eine angemessene Vergütung verlangen. (Quelle: Getty Images/Ilya Burdun)Notarsiegel auf Testament: Ein Testamentsvollstrecker kann im Testament verfügt oder vom Gericht bestimmt werden. Für seine Tätigkeit kann er eine angemessene Vergütung verlangen. (Quelle: Ilya Burdun/Getty Images)

Testamentsvollstrecker: Wer kann es werden?

Prinzipiell kann jeder Erwachsene Testamentsvollstrecker werden. Aber: Da es um die Verwaltung von fremden Vermögen geht, sollte der Testamentsvollstrecker persönlich integer und nicht verschuldet sein. Der Erblasser kann eine oder mehrere Personen als Testamentsvollstrecker benennen oder verfügen, dass ein Nachlassgericht einen Testamentsvollstrecker bestimmt. Da für die Nachlassverwaltung meist steuerliche und juristische Kenntnisse nötig sind, raten Experten, auf ausgebildete Testamentsvollstrecker zu setzen. Von der Einsetzung eines Miterben als Testamentsvollstreckers wird hingegen in der Regel abgeraten.

Vergütung: Nachlass und Umfang der Tätigkeit

Da es für die Vergütung des Testamentsvollstreckers keine konkreten gesetzlichen Vorgaben gibt, kann es sinnvoll sein, Regelungen für die Vergütung im Testament aufzuführen.

Vergütung des Testamentsvollstreckers nach § 2221 BGB: "Der Testamentsvollstrecker kann für die Führung seines Amts eine angemessene Vergütung verlangen, sofern nicht der Erblasser ein anderes bestimmt hat."

In der Praxis wird zumeist eine Richtlinie des Deutschen Notarvereins herangezogen. Danach richtet sich die Vergütung einerseits nach der Höhe des Nachlasses (Grundvergütung) und andererseits nach Umfang und Komplexität der Testamentsvollstreckung (entsprechend Zuschläge). Als Grundlage kann die Rheinische Tabelle beziehungsweise die Neue Rheinische Tabelle herangezogen werden.

Höhe der Grundvergütung des Testamentsvollstreckers:

NachlasswertAnteil der Vergütung
bis 250.000 Euro4,0 %, mind. aber der höchste Betrag der Vorstufe.
bis 500.000 Euro3,0 %, mind. aber der höchste Betrag der Vorstufe.
bis 2.500.000 Euro 2,5 %, mind. aber der höchste Betrag der Vorstufe.
bis 5.000.000 Euro 2,0 %, mind. aber der höchste Betrag der Vorstufe.
über 5.000.000 Euro1,5 %, mind. aber der höchste Betrag der Vorstufe. 

Eine Beispielrechnung: Bei einem Nachlass von 260.000 Euro beträgt der Grundbetrag nicht 7.800 Euro (= 3,0 % aus 260.000 Euro), sondern 10.000 Euro (= 4 % aus 250.000 Euro). Quelle: Deutscher Notarverein.


Verwendete Quellen:
  • Deutscher Notarverein
  • Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
  • Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
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