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Wärmedämmung aus Polystyrol ist problematisch

dpa-tmn, rw

Aktualisiert am 29.12.2017Lesedauer: 3 Min.
Polystyrol ist billig und leicht zu verarbeiten. Trotzdem raten Experten zu alternativen Dämmstoffen.
Polystyrol ist billig und leicht zu verarbeiten. Trotzdem raten Experten zu alternativen Dämmstoffen. (Quelle: Armin Weigel/dpa-bilder)
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Polystyrol (Styropor) ist der mit Abstand meistgenutzte Dämmstoff. Es ist billig und leicht zu verarbeiten. Doch Experten warnen vor Problemen: Schon bald könnte der Dämmstoff zu Sondermüll erklärt werden. Bauherrenschützer raten zu Alternativen.

"Wer heute schlüsselfertig baut und eine Putzfassade möchte, der bekommt fast ausschließlich Fassaden mit einem Wärmedämmverbundsystem aus Polystyrol", berichtet Thomas Penningh, Präsident des Verbands Privater Bauherren (VPB). Die Baufirmen schätzen das Material: Es ist leicht zu handhaben und kann auch mal im Regen liegen.


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Nachteile von Polystyrol

Außerdem ist Polystyrol vergleichsweise günstig. "Die meisten Bauherren schauen natürlich auf den Preis. Alternativen bekommen sie meist nicht genannt", sagt Penningh. Ihn ärgert das. Denn die billige Wärmedämmung ist nicht unproblematisch.

Weil Polystyrol schnell Feuer fängt, wird der Dämmstoff häufig mit dem Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) versehen. "HBCD ist ein Umweltgift, das sich stark in Organismen anreichert, im Verdacht steht, fortpflanzungsschädlich zu sein und außerdem sehr langlebig ist", erklärt das Umweltbundesamt (UBA). Seit 2013 gilt ein weltweites Herstellungs- und Anwendungsverbot. Allein für den Einsatz in Dämmplatten gilt bislang eine Ausnahmeregelung. Doch das wird sich mittelfristig ändern.

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"Wird Polystyrol, das mit HBCD als Brandschutzmittel versehen ist, demnächst tatsächlich nach den Regelungen für gefährliche Abfälle behandelt, dann haben Bauherren ein Problem", warnt VPB-Präsident Penningh. "Hunderttausende Bauherren hätten dann mit einem Federstrich Sondermüll auf der Fassade."

In der Kritik steht der Dämmstoff auch, weil ihm häufig Biozide zugesetzt werden. Dadurch soll Algen- und Schimmelpilzbefall auf den gedämmten Hauswänden verhindert werden.

Alternativen zu Polystyrol

Experten raten deshalb, auf andere Dämmstoffe auszuweichen. "Wir empfehlen, bei der Wärmedämmung auf Materialien zu setzen, bei denen entweder weniger umwelt- und gesundheitsschädliche oder gar keine Flammschutzmittel nötig sind, wie zum Beispiel Mineralwolle", sagt Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamts.

Bauherrenschützer Pennigh rät bei der Fassadendämmung zu Mineral- und Holzfaserplatten. Die Materialien sind auf dem Markt, haben aber, neben höheren Kosten, auch Nachteile: Mineral- und Holzfaserplatten erreichen nicht die gleichen Dämmwerte bei gleicher Stärke wie Polystyrol. Sie müssen entsprechend dicker ausfallen, was wiederum andere Zuschnitte und Befestigungen erfordert.

Gedämmte Steine als Alternative zu Polystyrol

Eine andere Alternative können gedämmte Steine sein. Solche Steine gibt es zum Beispiel als Ziegel oder aus Poren- und Leichtbeton, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau. Die Dämmung befindet sich teils in den Löchern innerhalb der Steine, bei Ziegel aus Ton wird zum Beispiel eine Wärmedämmung aus Perlite oder Mineralwolle integriert.

Die gedämmten Steine lassen sich aber nicht nach Belieben zuschneiden. Deshalb gibt es für Ecken und Aussparungen Sondersteine. Deren Einsatz muss genau geplant werden. Das alles treibt die Kosten. Viele Firmen bieten es gar nicht erst an. "Und solange die Bauherren nicht nach Alternativen fragen, wird sich das auch nicht ändern", so der VPB-Präsident.

Natürliche Dämmung für das Dach

Wer jetzt sein Haus plant, der sollte sich vom unabhängigen Experten über Alternativen beraten lassen, rät der VPB. "Zumindest für die Dämmung des Daches sind ökologische Baustoffe gut geeignet", sagt Penningh. "Dazu zählen Flachs, Hanf, Jute, Zellulose, Holzfaser oder sogar Schafwolle."

Allerdings müsse man auch hier genau hinschauen. Oft seien auch Dämmstoffe wie Wolle mit Flammschutzmitteln versehen. "Die schränken den ökologischen Wert des Produkts wieder ein." Penningh empfiehlt, auf Qualitätssiegel wie "natureplus" oder den "Blauen Engel" zu achten.

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