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Der Arbeitgeber als Vermieter: Kehrt die Idee der Betriebswohnung zurück?

Der Arbeitgeber als Vermieter  

Kehrt die Idee der Betriebswohnung zurück?

26.02.2019, 15:17 Uhr | dpa

Der Arbeitgeber als Vermieter: Kehrt die Idee der Betriebswohnung zurück?. Das Deutsche Roten Kreuz baut für seine Mitarbeiter ein Wohnhaus in Köln.

Das Deutsche Roten Kreuz baut für seine Mitarbeiter ein Wohnhaus in Köln. Die günstigen Mietwohnungen sollen Anreiz für Fachkräfte sein. Foto: Oliver Berg. (Quelle: dpa)

Köln (dpa) - Geboten wird: Eine Wohnung in zentraler Lage mit "hochwertiger Ausstattung" - und einer "Miete deutlich unterhalb der marktüblichen Preise". Das verlockend klingende Angebot richtet sich an potenzielle neue Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Köln.

Dort baut die Hilfsorganisation derzeit 29 Betriebswohnungen verschiedener Größe - in der Hoffnung, dass sich dann mehr Kandidaten um offene Stellen in der Pflege oder im Rettungsdienst bewerben. So wie das DRK entdecken derzeit einige Unternehmen die eigentlich alte Idee der Mitarbeiterwohnung neu.

Betriebswohnung als Anreiz für Fachkräfte

"Viele Firmen haben Schwierigkeiten, vor allem jüngere neue Fachkräfte zu finden", sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln, Ulrich Soénius. Gleichzeitig seien bezahlbare Wohnungen in Städten wie Köln knapp und teuer. "Wohnen und Arbeiten bedingen sich aber gegenseitig", meint Soénius. Deshalb müssten Unternehmen überlegen, was sie tun könnten. Wenn es für das Wohnungsproblem am künftigen Arbeitsort eine Lösung gebe, könne dies ein entscheidendes Kriterium für Bewerber sein.

"Da entwickelt sich gerade eine gewaltige Welle", meint Bernd Preuss, Leiter der Wohnungsgesellschaft der Stadtwerke Köln (WSK). "Die klassischen Akteure werden das Thema Wohnungsnot nicht in den Griff bekommen. Aber für Arbeitgeber bietet das eine Möglichkeit." Die WSK habe bereits in den 1960er Jahren im großen Stil Betriebswohnungen gebaut, diese aber aufgrund sinkender Nachfrage in den folgenden Jahrzehnten vernachlässigt und extern belegt.

Quadratmeterpreise unterhalb der marktüblichen Miete

"Doch mit zunehmendem Fachkräftemangel haben wir darüber nachgedacht, wie wir uns als Arbeitgeber gut aufstellen können", sagt Preuss. Und so habe die WSK in den vergangenen fünf Jahren ihren Wohnungsbestand saniert. Denn beim Gehalt hätten die Stadtwerke als tarifgebundenes Unternehmen keinen großen Spielraum, "aber wir können günstigen Wohnraum anbieten". Die Quadratmeterpreise lägen bis zu 3,50 Euro unter der marktüblichen Miete. Inzwischen seien mehr als 90 Prozent der knapp 2000 Wohnungen wieder von Konzernmitarbeitern belegt und es gebe eine Warteliste.

"Betriebswohnungen waren früher sehr beliebt, sind dann aber aus der Mode gekommen", sagt Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum. "Jetzt stellen Unternehmen fest, dass das eventuell eine Möglichkeit ist, Mitarbeiter zu gewinnen." Interessant sei das vorwiegend in Ballungsräumen mit Wohnungsknappheit, und weniger in ländlichen Gebieten, wo es ausreichend erschwinglichen Wohnraum gebe.

Die Uniklinik Münster zum Beispiel hat seit 2017 zusätzlich zu ihren eigenen Wohneinheiten rund 100 Wohnungen auf dem freien Markt angemietet. Diese würden vor allem an ausländische Pflegekräfte weitervermietet, die sich dann nicht von ihrer Heimat aus um eine Wohnung kümmern müssten, erläutert eine Sprecherin.

Unternehmen besitzen kaum noch Werkswohnungen

Statistiken zum Thema Betriebswohnungen existieren nicht. Nach Schätzung des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) gab es Ende der 1970er Jahre bundesweit etwa 450.000 Werkswohnungen, vor allem bei früheren oder heutigen Staatsunternehmen wie Deutscher Post oder Deutscher Bahn. Ein Großteil davon wurde später an private Wohnungsbaugesellschaften verkauft, weil Unternehmen ihre Bilanzen aufbessern wollten.

So veräußerte die Bayer AG 2002 rund 9500 Werkswohnungen an ein Wohnungsunternehmen und besitzt seitdem nur noch einige hundert Werkswohnungen. Auch die Düsseldorfer Rheinbahn hat nach eigenen Angaben fast alle ihrer einst 800 Wohnungen verkauft. Dank einer Kooperation würden Mitarbeiter aber automatisch Mitglied einer Wohnungsgenossenschaft mit entsprechenden Vorteilen.

Diskussion um soziale Wohnraumförderung

Heute fehlen laut GdW mehr als eine Million Wohnungen in Deutschland. Der Verband fordert unter anderem, steuerliche Anreize für Unternehmen zu schaffen und Mitarbeiterwohnungen in die soziale Wohnraumförderung aufzunehmen. Seitens des NRW-Bauministeriums gibt es dazu bislang keine entsprechenden Pläne. "Aber wir sperren uns nicht grundsätzlich. Wenn es dazu Initiativen gibt, werden wir sie prüfen", sagt ein Sprecher.

Die IHK Köln plant zum Thema Mitarbeiterwohnen im Herbst eine Tagung für Unternehmen, bei der den Teilnehmern praxistaugliche Ideen vorgestellt werden sollen. Dabei werde es zum Beispiel um genossenschaftliche Modelle oder Kooperationen mit der Wohnungswirtschaft gehen.

Die Wohnungen auf dem DRK-Gelände in Köln sollen im März fertig sein. Die Nachfrage ist nach Angaben eines Sprechers gut. Es hätten sich bereits mehrere Bewerber gemeldet, weil sie die Wohnungs-Perspektive so attraktiv fänden.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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