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Hirschkäfer: Warum der Waldbewohner vom Aussterben bedroht ist

Besondere Vorliebe  

Hirschkäfer: Deshalb ist er manchmal "betrunken"

10.05.2021, 11:33 Uhr | t-online, ron

Hirschkäfer: Warum der Waldbewohner vom Aussterben bedroht ist. Hirschkäfer (Lucanus cervus): Das Männchen ist mit etwa 3,5 bis neun Zentimetern Europas größter Käfer. (Quelle: imago images/blickwinkel)

Hirschkäfer (Lucanus cervus): Das Männchen ist mit etwa 3,5 bis neun Zentimetern Europas größter Käfer. (Quelle: blickwinkel/imago images)

Obwohl ihn jeder kennt, wird er in Deutschland immer seltener: der Hirschkäfer. Mit seinem Geweih ist er einer der auffälligsten sowie größten Käfer – und er hat eine besondere Schwäche.

Der Hirschkäfer (Lucanus cervus) aus der Familie der Schröter (Lucanidae) ist ein außergewöhnliches Insekt. Der Grund: Er lebt bis zu acht Jahre lang versteckt als Larve in vermodernden Baumstümpfen, vorrangig von Eichen. Dagegen dauert sein eigentliches Käferleben über der Erde nur wenige Wochen. In dieser Zeit macht sich der Käfer allerdings eher rar, weil er nur in der Dämmerung und nachts aktiv ist.

Merkmale und Nahrung

Die Männchen des Hirschkäfers werden bis zu neun Zentimeter groß, die etwas kleineren Weibchen noch bis zu sechs Zentimeter. Beide besitzen rötlich dunkelbraune Flügeldecken, einen schwarzen Kopf, den Halsschild sowie Fühler. Bekannt ist der männliche Hirschkäfer durch seinen großen Oberkiefer (Mandibeln), der an ein Hirschgeweih erinnert.

Zwei kämpfende Hirschkäfer-Männchen: Die Geweihe dienen nur dem Imponiergehabe, um männliche Rivalen zu vertreiben. (Quelle: imago images/blickwinkel)Zwei kämpfende Hirschkäfer-Männchen: Die Geweihe dienen nur dem Imponiergehabe, um männliche Rivalen zu vertreiben. (Quelle: blickwinkel/imago images)

Mit diesen rund drei Zentimeter langen Oberkiefern nehmen die männlichen Geweihträger allerdings keine Nahrung auf. Sie gebrauchen sie nur, um mit Rivalen zu kämpfen und um die Weibchen während der Paarung festzuhalten.

"Betrunkene" Hirschkäfer

Gern mag der Hirschkäfer den Saft von Eichen. Den sucht das Insekt in urigen Eichenwäldern. Dort findet er ihn an sogenannten Wundstellen beziehungsweise saftenden Baumwunden der Laubbäume. Diese "Verletzungen" entstehen laut dem Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) zumeist durch Frostrisse, Windbruch oder Blitzschlag.

Das Hirschkäfer-Weibchen schafft es aber mit seinen kräftigen Oberkiefern auch, kleine Baumwunden aufzubeißen. Dank ihrer besonderen Mundwerkzeuge können sowohl weibliche als auch männliche Hirschkäfer den Baumsaft an den "Leckstellen" gut aufnehmen. Gärt der Saft bereits leicht, dann liegen die Tiere "betrunken" unter den Eichen und strampeln mit den Beinen.

Vorkommen und Gefährdung

Der brummende Geweihträger bevorzugt als Lebensstätte urige Laubwälder mit alten Eichen, Parks oder Streuobstwiesen. Besonders im Hochsommer von Mitte Juni bis Ende Juli – gern an lauen, schwülen Abenden – fliegen die Insekten umher.

Laut Nabu wird der Hirschkäfer auf der bundesweiten Roten Liste in der Kategorie 2 als "stark gefährdet" geführt. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) nennt dafür vor allem diese Gründe:

  • weniger Alt- und Totholz in den Wäldern
  • das Fällen von Altbäumen
  • die Anpflanzung standortfremder Baumarten
  • der ersatzlose Verlust von Altbäumen zum Beispiel in Alleen
  • weniger Streuobstwiesen

Um dem Hirschkäfer zu helfen, sollten die Altholzbestände, speziell der Alteichen, in den Vorkommensgebieten geschützt und der Anteil von Laubwäldern erhöht werden.

Fortpflanzung und Paarung

Bei der Paarung stellt sich das Männchen über das Weibchen. Während die Köpfe in die gleiche Richtung zeigen, verhindert das Männchen mit seinem großen Oberkiefer das Weglaufen des Weibchens.

Hirschkäfer-Pärchen auf Totholz: Männchen (l.) und Weibchen unterscheiden sich deutlich in der Größe. (Quelle: imago images/imagebroker)Hirschkäfer-Pärchen auf Totholz: Männchen (l.) und Weibchen unterscheiden sich deutlich in der Größe. (Quelle: imagebroker/imago images)

Männchen und Weibchen verharren in der Stellung nicht selten mehrere Tage, nehmen immer wieder Nahrung auf, bis es endlich zur Paarung kommt. Danach legt das Weibchen tief in der Erde circa 50 bis 100 weiß-gelbe Eier ab, gern an morschen Eichenwurzelstöcken. Die Larven schlüpfen dann etwa zwei Wochen später und verbleiben dort.

Lebensspanne: Von der Larve bis zum Käfer

Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) können sich die Hirschkäferlarven nur in stark zersetztem Holz entwickeln. Denn sie befallen kein frisches Holz. Da aber das morsche, zersetzte Holz sehr nährstoffarm ist, dauert die Entwicklung der Larve bis zum voll ausgebildeten Käfer etwa fünf bis acht Jahre. In dieser Zeit bauen sich die Larven einen Kokon aus Erde und aus zu Pulver zerfallenem Holz (Mulm) in bis zu 20 Zentimetern Tiefe.

Die Käfer schlüpfen etwa sechs Wochen nach der Verpuppung. Dann verbleiben sie den Winter über im Erdboden. Erst im Frühling graben sie sich an die Erdoberfläche durch. Dort leben die Hirschkäfer aber nur wenige Wochen – auch um sich zu paaren.

Ist der Hirschkäfer gefährlich oder sogar giftig?

Zwar sieht das Hirschkäfer-Männchen mit seinem Geweih bedrohlich aus, doch ist es weder giftig noch gefährlich, sondern vollkommen harmlos. Es kann höchstens mit seinen Mundwerkzeugen zwicken, wenn Sie das Männchen in die Hand nehmen.

Balkenschröter (Dorcus parallelopipedus): Er sieht dem Hirschkäfer ähnlich. (Quelle: imago images/blickwinkel)Balkenschröter (Dorcus parallelopipedus): Er sieht dem Hirschkäfer ähnlich. (Quelle: blickwinkel/imago images)

Hirschkäfer und Balkenschröter: Was ist der Unterschied?

Oftmals wird der Hirschkäfer mit dem Balkenschröter (Dorcus parallelipipedus) verwechselt. Gelegentlich nennt man ihn auch "kleiner Bruder" oder "falscher Hirschkäfer". Denn er ist mit einer Größe von etwa drei Zentimetern wesentlich kleiner als Hirschkäfer-Männchen (bis zu 9 cm) oder -Weibchen (bis zu 6 cm).

Zudem ist der Balkenschröter sowohl tag- als nachtaktiv. Aber auch er bevorzugt Laubwälder mit altem Baumbestand und "leckt" an Baumsaftwunden. Deshalb kann man beide Arten hier beobachten – und mitunter verwechseln. Denn das Balkenschröter-Männchen hat ebenso geweihartige, wenn auch kleinere Mundwerkzeuge (Mandibeln) wie das Hirschkäfer-Männchen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Naturschutzbund Deutschland e.V. (Nabu): "Der Hirschkäfer im Porträt"
  • Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund): "Hirschkäfern helfen > Lebenszyklus"
  • Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF): "Hirschkäfer-Monitoring in Bayern"
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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