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Radon: Fragen und Antworten um das unterschätzte Gas

Fragen und Antworten  

Radon: Die unterschätzte Gefahr aus dem Boden

17.10.2020, 07:28 Uhr | Susanne Kupke, dpa

Radon: Fragen und Antworten um das unterschätzte Gas. Radonplakat im Karlsruher Institut für Technologie (KIT): Das Radonlabor misst mit Festkörperexposimetern (Kernspurdetektoren) Radon in Luft. (Quelle: dpa/Uli Deck)

Radonplakat im Karlsruher Institut für Technologie (KIT): Das Radonlabor misst mit Festkörperexposimetern (Kernspurdetektoren) Radon in Luft. (Quelle: Uli Deck/dpa)

Rauchen verursacht Krebs. Radon auch. Vor allem im Keller kann das radioaktive Gas zur Gefahr werden. Doch davon wissen nur wenige. Nun sind die Länder in der Pflicht. Es geht um Aufklärung und Vorsorge.

Es riecht nicht, schmeckt nicht und ist unsichtbar: Radon. Weil das radioaktive Edelgas Lungenkrebs verursachen kann, verpflichtet das Strahlenschutzgesetz die Länder, bis Ende des Jahres Gebiete auszuweisen, wo eine erhöhte Radon-Konzentration messbar ist.

"Radon wird ein sehr wichtiges Thema in diesem Jahr", betont ein Sprecher des baden-württembergischen Umweltministeriums. Firmen und öffentliche Gebäude sind dann in der Pflicht. Privatleute nicht. Doch auch sie sollten sich informieren. Radon ist nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) noch immer eine unterschätzte Gefahr.

Wie entsteht Radon?

Das radioaktive Gas, das ständig aus dem Boden nach oben steigt, entsteht durch den Zerfall von Uran tief unten im Erdreich. Gelangt es im Freien ungehindert weiter in die Luft, richtet es keinen Schaden an. Problematisch kann es werden, wenn das Gas über Risse, Rohre und Öffnungen in Gebäude dringt. "Ein Unterdruck kann den Radon-Eintritt noch verstärken", sagt Ingo Fesenbeck, der Leiter des Radonlabors am Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).

Wie gefährlich ist das Gas?

Radon als Strahlenquelle ist nach einer Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) den meisten Deutschen nicht bekannt. Dabei ist es demnach die größte Quelle für die durchschnittliche jährliche Strahlenbelastung – und nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

Wo ist die Belastung am höchsten?

Radon ist im Untergrund nicht gleichmäßig verteilt. Sein Vorkommen ist abhängig von Geologie und Bodenbeschaffenheit. In der norddeutschen Tiefebene sind die Konzentrationen niedriger als in Mittelgebirgen mit Granit- und Schiefergesteinen. So gibt es nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) höhere Radonmengen etwa im Südschwarzwald und auf der Schwäbischen Alb.

Wo lauert Gefahr?

Das BfS informiert auf Karten über regional durchschnittliche Konzentrationen. Doch, so betont die Behörde: Wie viel Radon in Häusern tatsächlich ist, können nur einzelne Messungen klären. "In einem gut abgedichteten Gebäude im Schwarzwald kann eine geringere Radonkonzentration sein als in einem älteren Haus mit mehr Eintrittsstellen über einem an sich weniger radonhaltigen Boden", sagt KIT-Experte Fesenbeck. Vor allem Keller sind potenzielle Radonspeicher.

Passive Radonmessung: Ingo Fesenbeck, Leiter des Radonlabors beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT), zeigt den Karlsruher Radonexposimeter. (Quelle: dpa/Uli Deck)Passive Radonmessung: Ingo Fesenbeck, Leiter des Radonlabors beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT), zeigt den Karlsruher Radonexposimeter. (Quelle: Uli Deck/dpa)

Ab wann muss gehandelt werden?

Nach dem Strahlenschutzgesetz müssen ab einem Wert von 300 Becquerel Radon pro Kubikmeter Luft in Innenräumen Maßnahmen ergriffen werden, um die Exposition zu verringern. Doch dieser "Referenzwert" ist keine Versicherung dafür, dass Werte darunter ungefährlich sind. "Es gibt keinen Schwellenwert, ab dem Radon schädlich ist", sagt Radonexperte Fesenbeck. "Je höher die Konzentration und je länger man dem ausgesetzt ist, desto höher ist aber das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken."

Unterschätzte Gefahr: Mit dem Radonexposimeter kann man eine passive Radonmessung durchführen. (Quelle: dpa/Uli Deck)Unterschätzte Gefahr: Mit dem Radonexposimeter kann man eine passive Radonmessung durchführen. (Quelle: Uli Deck/dpa)

Eindeutig zu hoch waren die 2.000 Becquerel Radon pro Kubikmeter Luft, die in Räumen eines Kindergartens im südbadischen Lörrach gemessen wurden. Er wurde im Februar 2018 geschlossen. In anderen Kitas und Schulen der Stadt reichte der Einbau von Lüftungsanlagen aus. Hohe Radonkonzentrationen kann es generell in Bergwerken und Wasseraufarbeitungsanlagen geben.

Hohe Werte zuhause: Was tun?

"Radon ist ein Gesundheitsrisiko, gegen das man selbst vorgehen kann", betont BfS-Präsidentin Inge Paulini. Als erstes hilft regelmäßig lüften. Risse und und Öffnungen in Keller und Erdgeschoss sollte man abdichten lassen und einen möglichen Unterdruck beseitigen. Auch ein Radonbrunnen, der radonhaltige Luft unter dem Gebäude absaugt, oder Dränagesysteme können helfen.

Kann man noch im Keller schlafen?

"Natürlich, aber je nach Gebäude empfehle ich eine Messung", sagt KIT-Experte Fesenbeck. Besonders in einem energetisch sanierten Haus. "Denn wenn der Luftwechsel etwa durch neue Fenster minimiert wurde und aus dem Boden weiter Radon in das Haus strömt, kann das einen ähnlichen Effekt haben, wie bei einer Käseglocke."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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