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Radon: Wie gefährlich ist das radioaktive Gas? | Vorsorge-Tipps

Fragen und Antworten  

Radon im Keller: Wie gefährlich ist das Gas wirklich?

04.01.2021, 12:46 Uhr | Susanne Kupke, dpa, t-online, ron

Radon: Wie gefährlich ist das radioaktive Gas? | Vorsorge-Tipps. Radonplakat im Karlsruher Institut für Technologie (KIT): Das Radonlabor misst mit Festkörperexposimetern (Kernspurdetektoren) Radon in Luft. (Quelle: dpa/Uli Deck)

Radonplakat im Karlsruher Institut für Technologie (KIT): Das Radonlabor misst mit Festkörperexposimetern (Kernspurdetektoren) Radon in Luft. (Quelle: Uli Deck/dpa)

Rauchen verursacht Krebs. Radon auch. Vor allem im Keller kann das radioaktive Gas zur Gefahr werden. Doch davon wissen nur wenige. Nun sind die Länder in der Pflicht. Es geht um Aufklärung und Vorsorge.

Es riecht nicht, schmeckt nicht und ist unsichtbar: Radon. Weil das radioaktive Edelgas Lungenkrebs verursachen kann, hat das Strahlenschutzgesetz alle 16 Bundesländer verpflichtet, bis Ende 2020 Gebiete auszuweisen, wo eine erhöhte Radon-Konzentration messbar ist. In diesen sogenannten Radon-Vorsorgegebieten gelten seit dem 1. Januar 2021 besondere Anforderungen an den Schutz vor Radon für Neubauten und am Arbeitsplatz.

Radon-Chaos in den Bundesländern

Laut dem Bundesministerium für Umwelt (BMU) informieren die Länder darüber in der Regel auf den Internetseiten der zuständigen Landesbehörden. Erste Stichproben zeigen, dass allerdings nicht alle Bundesländer dem nachgekommen sind.

So schlägt zwar das baden-württembergische Umweltministerium 29 Gemeinden im mittleren und südlichen Schwarzwald als Radon-Vorsorgegebiete vor, will aber erst nach einer Bürgerbeteiligung eine endgültige Entscheidung treffen. Hessen sperrt sich generell und veröffentlicht vorerst keine Radon-Vorsorgegebiete. Die Begründung: Auch außerhalb dieser ausgewiesenen Gebiete könne Radon in Häuser gelangen und sich anreichern, schreibt das Umweltministerium in einer Mitteilung. "Eine Antwort auf die Frage nach der Konzentration im eigenen Haus schafft am Ende immer nur eine Messung."

Dagegen haben Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ihre Radon-Vorsorgegebiete fristgemäß ausgewiesen. Eine gute Nachricht: Im Saarland und in Schleswig-Holstein sind in keiner Gemeinde die Grenzwerte der gemessenen Radon-Konzentrationen überschritten. Deshalb werden von den beiden Bundesländern keine Vorsorgegebiete benannt.

Auf Anfrage von t-online teilte die Pressestelle des BMU mit, dass Anfang 2021 "auf der Internetseite des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) eine bundesweite Überblicksdarstellung in Form einer Karte mit den durch die Länder ausgewiesenen Gebieten zur Verfügung gestellt" werde. Hier können sich Verbraucher informieren. Denn: Radon ist nach Angaben des BfS noch immer eine unterschätzte Gefahr.

Was ist Radon?

Radon ist ein sehr bewegliches, radioaktives Edelgas, das ständig aus dem Boden nach oben steigt. Laut dem BfS wird es aus allen Materialien freigesetzt, in denen Uran vorhanden ist. Und: Es kommt überall auf der Welt vor.

Wie entsteht Radon?

Es entsteht durch den Zerfall von Uran tief unten im Erdreich. Gelangt das Zerfallsprodukt im Freien ungehindert weiter in die Luft, richtet es keinen Schaden an.

Wie kommt Radon ins Haus?

Problematisch kann es werden, wenn das Gas vom Erdreich über Risse und Spalten in Fundament und Mauerwerk, undichte Fugen zwischen Bauwerk­teilen sowie Kabel- und Rohr­durch­lässe ins Haus dringt. "Ein Unterdruck kann den Radon-Eintritt noch verstärken", sagt Ingo Fesenbeck, der Leiter des Radonlabors am Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Laut Stiftung Warentest kann sich Radon dann vom Keller über Treppen­aufgänge, Kabel-, Kamin- und Versorgungs­schächte sowie Geschoss­decken in höher gelegene Räume ausbreiten.

Zudem enthält jedes Baumaterial aus natürlichem Gestein einen Anteil an Uran und Radium. Wenn beides zerfällt, entsteht Radon und wird über das Baumaterial an Innenräume abgegeben.

Info
Messungen des BfS belegen allerdings, dass Baustoffe wenig zur Radon-Konzentration von Innenräumen beitragen.

Wie gefährlich ist Radon?

Radon als Strahlenquelle ist nach einer Studie des BfS den meisten Deutschen nicht bekannt. Dabei ist es demnach die größte Quelle für die durchschnittliche jährliche Strahlenbelastung – und nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

Wo ist die Belastung am höchsten?

Radon ist im Untergrund nicht gleichmäßig verteilt. Sein Vorkommen ist abhängig von Geologie und Bodenbeschaffenheit. In der norddeutschen Tiefebene sind die Radonwerte niedriger als in Mittelgebirgen mit Granit- und Schiefergesteinen:

  • Baden-Württemberg
    So gibt es nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) höhere Radonmengen etwa im Südschwarzwald und auf der Schwäbischen Alb.
  • Sachsen
    Laut dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) sind vor allem im Erzgebirgskreis, im Vogtlandkreis sowie in Mittelsachsen und in der Sächsischen Schweiz/Osterzgebirge einzelne Landkreise betroffen.
  • Bayern
    Im Freistaat ist eine höhere Belastung im östlichen Bayerischen Wald, im Fichtelgebirge, aber auch im Süden und Südosten Oberbayerns nachgewiesen.

Neben der Radon-Konzentration im Boden misst das BfS auch das sogenannte Radon-Potenzial: Dieser Wert zeigt an, wie stark Radon aus dem Boden entweichen und potenziell in Innenräume von Häusern gelangen kann. Dafür wird seit 1995 an rund 5.000 Messpunkten in Deutschland die Radon-Konzentration im Boden und seine Gasdurchlässigkeit ermittelt.

Die folgende Karte zeigt die regional zu erwartende Situation in einem groben Raster (Stand: Oktober 2020). Regionen, die weiß oder grau hinterlegt sind, haben ein geringes Radon-Potenzial. Hell- und dunkelrot gefärbte Regionen weisen dagegen ein hohes Radon-Potenzial auf.

Radon-Potenzial in Deutschland: Die Prognose bildet den Stand Oktober 2020 ab. Aussagen zu einzelnen Gebäuden oder Grundstücken können daraus allerdings nicht abgeleitet werden. Hier ist immer eine gesonderte Prüfung notwendig. (Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)Radon-Potenzial in Deutschland: Die Prognose bildet den Stand Oktober 2020 ab. Aussagen zu einzelnen Gebäuden oder Grundstücken können daraus allerdings nicht abgeleitet werden. Hier ist immer eine gesonderte Prüfung notwendig. (Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)

Wo lauert Gefahr?

Das BfS informiert auf Karten über regional durchschnittliche Konzentrationen. Doch, so betont die Behörde: Wie hoch der Radongehalt in Häusern tatsächlich ist, können nur einzelne Messungen klären. "In einem gut abgedichteten Gebäude im Schwarzwald kann eine geringere Radonbelastung sein als in einem älteren Haus mit mehr Eintrittsstellen über einem an sich weniger radonhaltigen Boden", sagt KIT-Experte Fesenbeck. Vor allem Keller sind potenzielle Radonspeicher.

Passive Radonmessung: Ingo Fesenbeck, Leiter des Radonlabors beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT), zeigt den Karlsruher Radonexposimeter. (Quelle: dpa/Uli Deck)Passive Radonmessung: Ingo Fesenbeck, Leiter des Radonlabors beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT), zeigt den Karlsruher Radonexposimeter. (Quelle: Uli Deck/dpa)

Ab wann muss gehandelt werden?

Nach dem Strahlenschutzgesetz müssen ab einem Wert von 300 Becquerel Radon pro Kubikmeter Luft in Innenräumen Maßnahmen ergriffen werden, um die Exposition zu verringern. Doch dieser "Referenzwert" ist keine Versicherung dafür, dass Werte darunter ungefährlich sind. "Es gibt keinen Schwellenwert, ab dem Radon schädlich ist", sagt Radonexperte Fesenbeck. "Je höher die Konzentration und je länger man dem ausgesetzt ist, desto höher ist aber das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken." Laut dem BfS ist das Edelgas aktuell für fünf Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs verantwortlich. 

Unterschätzte Gefahr: Mit dem Radonexposimeter kann man eine passive Radonmessung durchführen. (Quelle: dpa/Uli Deck)Unterschätzte Gefahr: Mit dem Radonexposimeter kann man eine passive Radonmessung durchführen. (Quelle: Uli Deck/dpa)

Eindeutig zu hoch waren die 2.000 Becquerel Radon pro Kubikmeter Luft, die in Räumen eines Kindergartens im südbadischen Lörrach gemessen wurden. Er wurde im Februar 2018 geschlossen. In anderen Kitas und Schulen der Stadt reichte der Einbau von Lüftungsanlagen aus. Hohe Radonkonzentrationen kann es generell in Bergwerken und Wasseraufarbeitungsanlagen geben.

Wie kann man Radon messen lassen?

Viele Hausbesitzer fragen sich, an wen man sich wendet, wenn man eine Radon-Belastung messen will? Mit welchem Messgerät funktioniert das? Und wie teuer ist eine Radon-Messung? Die gute Nachricht: Radon können Sie zuhause einfach und unproblematisch messen. Infrage kommen insbesondere der Keller, aber auch die wichtigsten Aufenthaltsräume im Haus, zum Beispiel Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer. Für das Messen gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Messgeräte ohne Strom für Langzeitmessung
    Passive Detektoren ("Kernspurdosimeter" oder "Exposimeter") sind kleine runde Plastikbehälter, die keinen Strom benötigen. Sie werden lediglich im Zimmer für drei bis zwölf Monate ausgelegt, zum Beispiel auf einem Regal oder Schrank. Ein Messgerät pro Raum reicht. Wenn sich Radon in der Zimmerluft befindet, hinterlässt das Gas Spuren auf einer Folie im Inneren des Behälters. Damit kann ein Messlabor die Radon-Konzentration bestimmen. Je nach Messlabor kostet eine Messung (Messgerät und Auswertung) zwischen 30 und 50 Euro. Einzelne passive Detektoren werden im Fachhandel ab 25 Euro angeboten.
  • Messgeräte mit Strom für Kurzzeitmessung
    Aktive elektrische Geräte zeigen den Messwert direkt in einem Display an. Sie werden nur für wenige Minuten bis Tage eingesetzt. Der Nachteil: Wegen der kurzen Messdauer lassen sich keine verlässlichen Aussagen zur langfristigen Radon-Belastung treffen. Dennoch eignen sie sich für eine Momentaufnahme. Die Preise für aktive elektrische Messgeräte beginnen ab 150 Euro.

Tipp: Leihen statt kaufen
Einige Firmen bieten Radon-Messgeräte zum kurz- oder langfristigen Mieten an. Auch diese kostengünstigen Leihangebote eignen sich, um einen ersten Überblick über die Radon-Konzentration in einem Gebäude zu erhalten.

Hohe Radonwerte zuhause: Was kann man dagegen tun?

"Radon ist ein Gesundheitsrisiko, gegen das man selbst vorgehen kann", betont BfS-Präsidentin Inge Paulini. Als erstes hilft regelmäßig lüften. Risse und Öffnungen in Keller und Erdgeschoss sollte man abdichten lassen. Diese Sanierungsmaßnahmen können einen möglichen Unterdruck beseitigen. Auch ein Radonbrunnen, der radonhaltige Raumluft unter dem Gebäude absaugt, oder Drainagesysteme können Radonschutz bieten.

Kann man noch im Keller schlafen?

"Natürlich, aber je nach Gebäude empfehle ich eine Messung", sagt KIT-Experte Fesenbeck. Besonders in einem energetisch sanierten Haus. "Denn wenn der Luftwechsel etwa durch neue Fenster minimiert wurde und aus dem Boden weiter Radon in das Haus strömt, kann das einen ähnlichen Effekt haben, wie bei einer Käseglocke."

Verwendete Quellen:

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