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Radon im Keller: So stark ist Ihre Region betroffen

dpa, t-online, Susanne Kupke

Aktualisiert am 26.01.2022Lesedauer: 5 Min.
WohnrĂ€ume im Keller: Sie sollten tĂ€glich gelĂŒftet werden.
WohnrĂ€ume im Keller: Sie sollten tĂ€glich gelĂŒftet werden. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn-bilder)
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Verschiedene Substanzen verursachen Krebs. Radon auch. Vor allem im Keller kann das radioaktive Gas zur Gefahr werden. Doch davon wissen nur wenige. Nun sind die LÀnder in der Pflicht. Es geht um AufklÀrung und Vorsorge.

Das Wichtigste im Überblick


Es riecht nicht, schmeckt nicht und ist unsichtbar: Radon. Doch weil das radioaktive Edelgas Lungenkrebs verursachen kann, mĂŒssen die BundeslĂ€nder laut Strahlenschutzgesetz alle Gebiete ausweisen, in denen eine erhöhte Radon-Konzentration messbar ist. In diesen sogenannten Radon-Vorsorgegebieten gelten seit dem 1. Januar 2021 besondere Anforderungen an den Schutz vor Radon fĂŒr Neubauten und am Arbeitsplatz.

Was ist Radon?

Radon ist ein sehr bewegliches, radioaktives Edelgas, das stĂ€ndig aus dem Boden nach oben steigt. Laut dem Bundesamt fĂŒr Strahlenschutz (BfS) wird es aus allen Materialien freigesetzt, in denen Uran vorhanden ist. Und: Es kommt ĂŒberall auf der Welt vor.

Wie entsteht Radon?

Es entsteht durch den Zerfall von Uran tief unten im Erdreich. Gelangt das Zerfallsprodukt im Freien ungehindert weiter in die Luft, richtet es keinen Schaden an.

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Wie kommt Radon ins Haus?

Problematisch kann es werden, wenn das Gas vom Erdreich ĂŒber Risse und Spalten in Fundament und Mauerwerk, undichte Fugen zwischen Bauwerkteilen sowie Kabel- und RohrdurchlĂ€sse ins Haus dringt. "Ein Unterdruck kann den Radon-Eintritt noch verstĂ€rken", sagt Ingo Fesenbeck, der Leiter des Radonlabors am Karlsruher Instituts fĂŒr Technologie (KIT). Laut Stiftung Warentest kann sich Radon dann vom Keller ĂŒber TreppenaufgĂ€nge, Kabel-, Kamin- und VersorgungsschĂ€chte sowie Geschossdecken in höher gelegene RĂ€ume ausbreiten.

Zudem enthĂ€lt jedes Baumaterial aus natĂŒrlichem Gestein einen Anteil an Uran und Radium. Wenn beides zerfĂ€llt, entsteht Radon und wird ĂŒber das Baumaterial an InnenrĂ€ume abgegeben. Ob Radon dann wirklich eindringen kann, hĂ€ngt vom baulichen Zustand des Hauses und zum Beispiel davon ab, ob es eine durchgehende Bodenplatte gibt. Daher stellt laut BfS eine erhöhte Konzentration von Radon nur fĂŒr etwa zehn Prozent aller HĂ€user ein Problem dar.

Info
Messungen des BfS belegen allerdings, dass Baustoffe wenig zur Radon-Konzentration in InnenrÀumen beitragen.

Wie gefÀhrlich ist Radon?

Radon als Strahlenquelle ist nach einer Studie des BfS den meisten Deutschen nicht bekannt. Dabei ist es demnach die grĂ¶ĂŸte Quelle fĂŒr die durchschnittliche jĂ€hrliche Strahlenbelastung – und nach dem Rauchen die zweithĂ€ufigste Ursache fĂŒr Lungenkrebs.

Wo ist die Belastung am höchsten?

Radon ist allerdings nicht ĂŒberall in Deutschland ein Problem, denn die Konzentration im Boden ist regional sehr unterschiedlich. Sein Vorkommen ist abhĂ€ngig von Geologie und Bodenbeschaffenheit. Die Konzentration ist laut BfS tendenziell in Mittel- und SĂŒddeutschland sowie ganz im Norden höher, und zwar in den meisten Mittelgebirgen mit Granit- und Schiefergesteinen, im Alpenvorland und in Gegenden mit GesteinsmorĂ€nen der letzten Eiszeit. Mithilfe der interaktiven Karte des BfS können Sie genau ĂŒberprĂŒfen, ob Ihre Region betroffen ist.

Diese BundeslÀnder haben Radon-Vorsorgegebiete ausgewiesen:

  • Baden-WĂŒrttemberg
  • Bayern
  • Niedersachsen
  • Sachsen
  • Sachsen-Anhalt
  • ThĂŒringen

Eine gute Nachricht: In Hessen, Schleswig-Holstein und dem Saarland sind unter BerĂŒcksichtigung der gesetzlichen Grundlagen in keiner Gemeinde die Grenzwerte der gemessenen Radon-Konzentrationen ĂŒberschritten. Deshalb werden von diesen BundeslĂ€ndern keine Vorsorgegebiete benannt.

Laut dem Bundesministerium fĂŒr Umwelt (BMU) mĂŒssen die restlichen BundeslĂ€nder ĂŒber etwaige Radon-Vorsorgegebiete auf den Internetseiten der zustĂ€ndigen Landesbehörden informieren.

Was versteht man unter Radon-Potenzial?

Neben der Radon-Konzentration im Boden misst das BfS auch das sogenannte Radon-Potenzial: Dieser Wert zeigt an, wie stark Radon aus dem Boden entweichen und potenziell in InnenrĂ€ume von HĂ€usern gelangen kann. DafĂŒr wird seit 1995 an rund 5.000 Messpunkten in Deutschland die Radon-Konzentration im Boden und seine GasdurchlĂ€ssigkeit ermittelt.

Die folgende Karte zeigt die regional zu erwartende Situation in einem groben Raster (Stand: 2021). Regionen, die weiß oder grau hinterlegt sind, haben ein geringes Radon-Potenzial. Hell- und dunkelblau gefĂ€rbte Regionen weisen dagegen ein hohes Radon-Potenzial auf.

(Quelle: Bundesamts fĂŒr Strahlenschutz)

Wo lauert Gefahr?

Das BfS informiert auf Karten ĂŒber regional durchschnittliche Konzentrationen. Doch, so betont die Behörde: Wie hoch der Radongehalt in HĂ€usern tatsĂ€chlich ist, können nur einzelne Messungen klĂ€ren. "In einem gut abgedichteten GebĂ€ude im Schwarzwald kann eine geringere Radonbelastung sein als in einem Ă€lteren Haus mit mehr Eintrittsstellen ĂŒber einem an sich weniger radonhaltigen Boden", sagt KIT-Experte Fesenbeck. Vor allem Keller sind potenzielle Radonspeicher.

Passive Radonmessung: Ingo Fesenbeck, Leiter des Radonlabors beim Karlsruher Institut fĂŒr Technologie (KIT), zeigt den Karlsruher Radonexposimeter.
Passive Radonmessung: Ingo Fesenbeck, Leiter des Radonlabors beim Karlsruher Institut fĂŒr Technologie (KIT), zeigt den Karlsruher Radonexposimeter. (Quelle: Uli Deck/dpa-bilder)

Ab wann muss gehandelt werden?

Nach dem Strahlenschutzgesetz mĂŒssen ab einem Wert von 300 Becquerel Radon pro Kubikmeter Luft in InnenrĂ€umen Maßnahmen ergriffen werden, um die Exposition zu verringern. Doch dieser "Referenzwert" ist keine Versicherung dafĂŒr, dass Werte darunter ungefĂ€hrlich sind. "Es gibt keinen Schwellenwert, ab dem Radon schĂ€dlich ist", sagt Radonexperte Fesenbeck. "Je höher die Konzentration und je lĂ€nger man dem ausgesetzt ist, desto höher ist aber das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken." Laut dem BfS ist das Edelgas aktuell fĂŒr fĂŒnf Prozent der TodesfĂ€lle durch Lungenkrebs verantwortlich.

UnterschĂ€tzte Gefahr: Mit dem Radonexposimeter kann man eine passive Radonmessung durchfĂŒhren.
UnterschĂ€tzte Gefahr: Mit dem Radonexposimeter kann man eine passive Radonmessung durchfĂŒhren. (Quelle: Uli Deck/dpa-bilder)

Eindeutig zu hoch waren die 2.000 Becquerel Radon pro Kubikmeter Luft, die in RĂ€umen eines Kindergartens im sĂŒdbadischen Lörrach gemessen wurden. Er wurde im Februar 2018 geschlossen. In anderen Kitas und Schulen der Stadt reichte der Einbau von LĂŒftungsanlagen aus. Hohe Radonkonzentrationen kann es generell in Bergwerken und Wasseraufarbeitungsanlagen geben.

Wie kann man Radon messen lassen?

Viele Hausbesitzer fragen sich, an wen man sich wendet, wenn man eine Radon-Belastung messen will? Mit welchem MessgerĂ€t funktioniert das? Und wie teuer ist eine Radon-Messung? Die gute Nachricht: Radon können Sie zu Hause einfach und unproblematisch messen. Infrage kommen insbesondere der Keller, aber auch die wichtigsten AufenthaltsrĂ€ume im Haus, zum Beispiel Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer. FĂŒr das Messen gibt es zwei Möglichkeiten:

  • MessgerĂ€te ohne Strom fĂŒr Langzeitmessung
    Passive Detektoren ("Kernspurdosimeter" oder "Exposimeter") sind kleine runde PlastikbehĂ€lter, die keinen Strom benötigen. Sie werden lediglich fĂŒr drei bis zwölf Monate im Zimmer ausgelegt, zum Beispiel auf einem Regal oder Schrank. Ein MessgerĂ€t pro Raum reicht. Wenn sich Radon in der Zimmerluft befindet, hinterlĂ€sst das Gas Spuren auf einer Folie im Inneren des BehĂ€lters. Damit kann ein Messlabor die Radon-Konzentration bestimmen. Je nach Messlabor kostet eine Messung (MessgerĂ€t und Auswertung) zwischen 30 und 50 Euro. Einzelne passive Detektoren werden im Fachhandel ab 25 Euro angeboten.
  • MessgerĂ€te mit Strom fĂŒr Kurzzeitmessung
    Aktive elektrische GerĂ€te zeigen den Messwert direkt auf einem Display an. Sie werden nur fĂŒr wenige Minuten bis Tage eingesetzt. Der Nachteil: Wegen der kurzen Messdauer lassen sich keine verlĂ€sslichen Aussagen zur langfristigen Radonbelastung treffen. Dennoch eignen sie sich fĂŒr eine Momentaufnahme. Die Preise fĂŒr aktive elektrische MessgerĂ€te beginnen ab 150 Euro.

Tipp: Leihen statt kaufen
Einige Firmen bieten Radon-MessgerĂ€te zum kurz- oder langfristigen Mieten an. Dabei verschicken Anbieter Detektoren per Post, die an mehreren Stellen des Kellers oder in anderen WohnrĂ€umen angebracht werden und nach drei bis zwölf Monaten zur Auswertung zurĂŒckgeschickt werden. Das BfS fĂŒhrt online eine Liste anerkannter Anbieter.

Hohe Radonwerte zu Hause: Was kann man dagegen tun?

Radonplakat im Karlsruher Institut fĂŒr Technologie (KIT): Das Radonlabor misst mit Festkörperexposimetern (Kernspurdetektoren) Radon in Luft.
Radonplakat im Karlsruher Institut fĂŒr Technologie (KIT): Das Radonlabor misst mit Festkörperexposimetern (Kernspurdetektoren) Radon in Luft. (Quelle: Uli Deck/dpa-bilder)
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"Radon ist ein Gesundheitsrisiko, gegen das man selbst vorgehen kann", betont BfS-PrĂ€sidentin Inge Paulini. Als Erstes hilft regelmĂ€ĂŸig LĂŒften. Das sei die "erste und einfachste Maßnahme", rĂ€t auch der Verband Privater Bauherren (VPB), eine Organisation von BausachverstĂ€ndigen. Und zwar so, dass bereits nach wenigen Minuten die gesamte Innenraumluft ausgetauscht ist. Das gelingt mit QuerlĂŒften, indem man möglichst einander gegenĂŒberliegende Fenster gleichzeitig öffnet.

Risse und Öffnungen in Keller und Erdgeschoss oder RohrdurchfĂŒhrungen in InnenrĂ€umen sollte man abdichten lassen. Diese Sanierungsmaßnahmen können einen möglichen Unterdruck beseitigen. Auch ein Radonbrunnen, der radonhaltige Raumluft unter dem GebĂ€ude absaugt, oder Drainagesysteme können Radonschutz bieten.

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Kann man noch im Keller schlafen?

"NatĂŒrlich, aber je nach GebĂ€ude empfehle ich eine Messung", sagt KIT-Experte Fesenbeck. Besonders in einem energetisch sanierten Haus. "Denn wenn der Luftwechsel etwa durch neue Fenster minimiert wurde und aus dem Boden weiter Radon in das Haus strömt, kann das einen Ă€hnlichen Effekt haben wie bei einer KĂ€seglocke."

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